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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

692 
Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit. 
Unterstützte, sie fallen entweder unter die Rubrik Ausbeutung’ oder 
öffeni liehe Wohltätigkeit. 
Eine andere Kritik des Solidarismus besteht darin, daß er der 
Entwicklung hindernd in den Weg trete und infolgedessen rückschritt 
lich wirke. Sehen wir doch überall und sogar in dem Bereich der 
Biologie ein beständiges Streben der Wesen nach Autonomie, nach 
Unabhängigkeit x ), eine beständige Arbeit, um das Individuum von 
den Ketten alter Solidaritäten zu befreien, vom Saatkorn angefangen, 
das sich müht, die Scholle zu durchbrechen und dem Himmel ent 
gegenzuwachsen, bis zum Luftschiffen und Flieger, die sich daran 
begeistern, endlich die scheinbar festesten Bande der Solidarität, die 
der Schwerkraft, die ihn an den Boden fesselte, gebrochen zu haben. 
Im Strafrecht z. B. lehnen wir uns mit Entrüstung gegen die kollek 
tive Verantwortlichkeit der Familie und des Stammes auf, die den 
primitiven Gesellschaften so gerecht erschien, die den Söhnen der 
Atriden und sogar den Kindern Adams die Sünden ihrer Väter auf 
erlegte 1 2 ). Dort, wo die Natur sie uns aufzwingt, können wir freilich 
nicht anders, als sie auf uns zu nehmen. Wir müssen leider anerkennen, 
daß der Unschuldige für die Fehler anderer leidet, daß das Kind des 
Alkoholikers ohne eigene Schuld an dem Laster des Vaters stirbt. 
Diese Solidaritäten aber nennen wir Geißeln und bekämpfen sie. Wir 
denken nicht daran, diesen mitleidlosen Eumeniden Altäre zu errichten, 
wie der Wilde seinen Fetischen. Dieser Solidarität, die mit einem 
änderten Namen Ansteckung heißt, setzen wir den Individualismus ent 
gegen, der die Antisepsis ist. Die zahllosen Solidaritäten der mittel 
alterlichen Zünfte und Gilden wurden durch den großen Sturm der 
französischen Revolution gebrochen und hinweggefegt. Warum sollen 
wir uns daher bemühen, neue Ketten zu schmieden, und warum sollen 
wir jedem Menschen eine Hypothek auf alle übrigen ausstellen? 
Auch die Moralisten erheben ihrerseits viele Einwürfe gegen den 
Solidarismus. Sie fragen, wo denn das neue Moralprinzip sei, das er 
1 ) . Die Entwicklung erscheint durch ein wachsendes Bestreben der organisierten 
Wesen nach Unabhängigkeit gegenüber dem Milieu, und nach Spezialisierung gekennt- 
zeichnet“ (De Launay, L’histoire de la Ter re). Er sagt, daß die Gruppierung 
des Kristalls um ein Zentrum in einer polyedrischen Kristallisationsform schon eine 
Form der Verteidigung, also der Unabhängigkeit ist. Das Kristal war die erste 
Individualität, der es gelang, sich aus dem Milieu auszuscheiden. 
Das im Meere entstandene Tier, das sich in seinem Körper sein eigenes, ab 
geschlossenes Milieu erschafft, tut den zweiten Schritt, usw. 
2 ) „Der primitive Zustand war das Zeitalter der Solidarität. Sogar das Verbrechen 
wurde hier nicht als individuell betrachtet; einen Schuldigen durch einen Unschuldigen 
zu ersetzen, erschien ganz natürlich: die Schuld übertrug sieh und wurde erblich. Im 
Zeitalter der Überlegung erscheinen derartige Dogmen unsinnig“ (Renan, Avenir 
de la Science, S. 307J.
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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