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Lebenserinnerungen

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Bibliographic data

fullscreen: Lebenserinnerungen

Monograph

Identifikator:
1011918013
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-21195
Document type:
Monograph
Author:
Eucken, Rudolf http://d-nb.info/gnd/118682555
Title:
Lebenserinnerungen
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von K. F. Koehler
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (V, 127 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erster Teil
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Lebenserinnerungen
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil
  • Zweiter Teil. Die Weiterentwicklung meines Lebens und Strebens
  • Schluß
  • Index

Full text

Schwerfälligkeit des Ausdrucks. Vas Volk ist mehr gediegen und 
leistungsfähig als nach austen hin glänzend. 
von Llnfang hakten die priesen harte Kämpfe zu führen, einen 
Kampf gegen das wilde Meer, das ihre Fluren verheerte, einen 
Kampf gegen anliegende dürsten, welche ihre Unabhängigkeit be 
drohten, einen Kampf auch zur Lrhaltung ihrer befonderen Ürt, 
welche sie auch zähe gegen kirchliche Satzungen wahrten. So haben 
sie eine graste Selbständigkeit in verfaffung, Sitte und Denkweise 
erwiesen und sich einen eigentümlichen Lebensstil ausgebildet. 
Schon von altersher trugen sie die Bezeichnung „freie Briefen". 
Sie Haben ein ausgesprochenes Kechtsbewusttfein, und nichts ist 
ihnen so unerträglich als eine Schmälerung ihres guten Kechts; es 
ist kein Zufall, dast eine besonders verbreitete Schrift des grasten ost- 
friesifchen Juristen Ihering den Titel trägt „Der Kampf ums Kecht"^. 
Der Triefe hängt sehr an der Keligion, aber er ist von groster 
Duldsamkeit für Llndersgläubige. Bemerkenswert ist auch, dast 
schon feit der Deformation im gröstten Teil von Dsifriesland das 
volle Kecht der gemeinde bestand, den geistlichen zu wählen, und 
dast auch die Trauen, sofern sie Hausbesitzer waren, das volle 
* Das alte friesische Recht isi reich an anschaulichen Wendungen, es zeigt 
deutlich, dag diesem volksstamm keineswegs die gäbe dichterischer gestaltung 
fehlt. Bemerkenswert isi dabei, dag die Briefen die Dreiheit über alles liebten, 
dag sie aber keineswegs Anhänger einer völligen Gleichheit waren. Borchling 
(Oie älteren Rechtsquellen Ostfrieslands, 1906, S. 12) sagt: „Kein anderes Recht 
hat solche fein differenzierte und ausführliche Bugregisier aufzuweisen wie das 
friesische, und darin siimmen die Lex Frisionum und die jüngeren osifriesifchen 
gefetze aufs engsie überein". Übrigens zeigt das friesische Recht auch dieses, 
dag es auf diesem Boden nicht an höherer Kultur fehlte; es zeigen z. B. Rkoor- 
funde, dag um die Rütte des ersien Jahrtausends n. Lhr. die kunsivolle Borten 
weberei auch in Dsifriesland vorhanden war; charakteristisch für die Wertung 
der Berufe ist eine Stelle aus der Lex Frisionum, die der feminae fresum 
facienti die gleiche höh ere Buge zufprich t wie d ein goldfchmled und demHarfner.— 
Eine besondere Höhe des friesischen Bauernstandes wird auch in amtlichen 
Verfügungen anerkannt. Bemerkenswert ist eine Verfügung der Hannoverschen 
Regierung vom 21. Februar 1S18 über „das Verhalten der Beamten in Ost 
friesland den Eingeborenen gegenüber", welche das Bahrbuch Vergesellschaft für 
bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden (Bd. XV, 190;) mit 
teilt. Oie Beamten werden dabei angewiesen „bei allen Verhandlungen mit 
Personen des dritten Standes niemals die befonderen Verhältnisse desselben in 
Ostfriesland aus den Augen zu fetzen und in Erwägung zu ziehen, dag derost- 
friestfche zu den Ständen gehörige Landmann freier gründ eigentllmer ist, und 
sich darunter zum veil Personen befinden, welche an Bildung und Wohlhaben 
heit weit über den Sauern in anderen Provinzen stehen, ohne jedoch mehr Rechte 
zu haben als die übrigen." 
Die Beamten werden zugleich angewiesen, nicht mehr den Ausdruck „Amts- 
unlertanen", sondern „Amts-Eingesessenen" zu verwenden.
	        

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Lebenserinnerungen. Verlag von K. F. Koehler, 1921.
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