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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
H
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Haselwurz 
156 
Hausenblase 
280° wird ein bräunlichgrünes dickeres Öl (fixes 
Öl oder Patentöl) hergestellt, das, mit Schmier 
seife gemischt, als Patentwagenf ett, englische 
Wagenschmiere sowie unter der unzutreffen 
den Bezeichnung Paraffinfett in den Handel 
kommt. 
Haselwurz (lat. Rhizoma asari, frz. Racine 
d’asari, engl. Cabaric root), eine nicht unwich 
tige Ware des Drogenhandels, stammt von 
Asarum europaeum (Nierenkraut, Hasen 
kraut), einer in Bergwäldern unter Gebüsch, 
besonders Haselsträuchern, wachsenden Pflanze 
mit niedrigen Stengeln, glockigen, braunroten 
Blütenkelchen und langgestielten nierenförmi 
gen Blättern. Der dünne, kriechende, grau 
braune Wurzelstöck ist hin und her gebogen, 
knotig gegliedert, längsrunzelig und mit Faser 
wurzeln besetzt. Er hat einen eigentümlichen 
kampferartigen Geruch, schmeckt beim Kauen 
brennend pfefferartig und bewirkt im frischen 
Zustande Erbrechen. H. enthält neben ätheri 
schem Öl einen kampferähnlichen Stoff, das 
Asaron, und wird in Pulverform als Schnupfen 
mittel sowie in der Tierheilkunde verwandt. 
Hauhechelwurzel (Haudornwurzel, Harn 
krautwurzel, lat. Radix ononidis, frz. Racine 
de bugrane, engl. Restharrow root), die mehrere 
Fuß lange und fingerdicke, holzigzähe Wurzel 
der dornigen Hauhechel, Ohonis spinosa, 
eines niedrigen, an Wegrändern und sonst auf 
unbebauten Flächen häufig wachsenden Strau 
ches mit blaßroten Schmetterlingsblüten, kommt 
in Form ästiger, außen dunkelbrauner, auf dem 
Querschnitt weißlichstrahliger Stücke, die meist 
der Länge nach gespalten sind, in den Handel. 
Der Geschmack ist süßlich bitterlich, beim Kauen 
zusammenziehend und etwas brennend. H. ent 
hält als charakteristische Bestandteile die Gly 
koside Ononin, Ononidin und das wachs 
artige Onozerin und wird als harntreibendes 
Mittel sowie als Zusatz zu Blutreinigungstees 
verwandt. 
Hausenblase (Fischleim, lat. Colla piscium, 
Ichthyocolla, frz. Colle de poisson, engl. Isin- 
gla'ss) besteht aus der getrockneten inneren 
Haut der Schwimmblase verschiedener großer 
Fischarten vom Geschlecht der Störe und Hau 
sen, besonders des eigentlichen Störs, Aci- 
penser sturio, und des Hausens, A. huso 
sowie einiger kleiner Verwandter, des Osseter, 
A. Güldenstaedtii, desSterlet, A.ruthcnus, 
und des Sewruga (Scherg). Es sind also 
meist dieselben Tiere, die im Handel auch den 
Kaviar liefern und in dem Aufsatz Stör näher 
besprochen worden sind. Die meiste H. kommt 
aus Rußland über Petersburg. Außer dieser 
russischen „echten“ Ware erscheint aber noch 
manche andere aus den verschiedensten Welt 
gegenden, besonders amerikanische von der 
Hudsonsbai, brasilianische und ostindische, die 
bisweilen auch wohl der echten in betrüge 
rischer Absicht beigemischt wird. An den Küsten 
Norddeutschlands, Englands und Nordamerikas 
verarbeitet man hauptsächlich den Kabeljau, da 
neben noch Lachse, Welse und Seehechte. Die 
nicht russischen Sorten sind alle von geringerer 
Güte, meist dunkler, gelblich bis bräunlich ge 
färbt und mit widrigem Fischgeruch und -ge- 
schmack behaftet und hinterlassen beim Kochen 
mit Wasser weit mehr unlöslichen Rückstand 
als die echte. Die russische H. unterscheide 1 
man in: Astrachaner, uralische und si 
birische. Die beste Ware besteht aus harten, 
schwer zu biegenden Blättern mit runzliger 
Oberfläche, die bei auffallendem Lichte mit 
prachtvoll blauer Farbe schillert, während die 
geringeren Sorten dieses Irisieren wenig oder 
gar nicht zeigen. Die gangbarsten Marken der 
russischen H. sind: Saliansky, Beluga und 
Samovy oder Samova, nächst diesen Asse- 
towa und Prernislowoi. Ihre Zubereitung er 
folgt in höchst einfacher Weise, Die frischen 
oder, wenn getrocknet, in Wasser wieder auf- 
gequellten Blasen werden der Länge nach auf- 
geschnitten, durch sorgfältiges Waschen ge 
reinigt und von der äußeren unbrauchbaren 
Muskelhaut befreit. Die innere weiße Haut, in 
eine der gangbaren Formen gebracht (ge- 
brakt), wird dann vollends getrocknet. Früher 
gab es im Handel auch unaufgeschnittene, nur 
äußerlich gereinigte Blasen sowie solche, di® 
geöffnet und zu einem Kuchen zusammen 
geklappt waren. Diese Stücke mußten aber vor 
dem ; Gebrauch erst lange gewässert, geklopft 
und auseinandergelegt resp. gereinigt werden- 
Dasselbe gilt von der in Fadenform geschnit 
tenen, oder in Ringel- oder Lyraform (Ringel- 
hausenblase) aufgerollten und gebogenen 
VVare, die noch hin und wieder vorkommt. Zur 
Herstellung der Blätter werden die noch feuch 
ten gereinigten Stücke stark ausgereckt, mit 
Nägeln über Bretter gespannt und so in der 
Sonne fertig getrocknet, während man die 
dünnen Fäden durch Zerschneiden der Blätter 
auf Maschinen mit stählernen Schneidescheiben 
erhält. Neuerdings wird oft die rohe H. nach 
Petersburg geschafft und dort erst gebrakt und 
mit schwefliger Säure gebleicht, wodurch sie 
aber an Wert verliert. Besser ist die an der 
Wolga übliche Schneebleiche, bei der man die 
Blasen der im Winter unter dem Eise gefange 
nen Tiere bis zu der Verarbeitung im Schnee 
eingräbt. Die Beluga, also die eigentliche 
große, dicke und rauhe Blätter von wenige! 
reiner Farbe, ist die billigere Sorte, aber in 
allen Fällen, in denen nicht auf schönes Äußere 
gesehen wird, sehr gut brauchbar. Sterlet- 
blase ist nicht größer als ein Handteller. Sa- 
mowy, eine in dünnen weißen Blättern in de» 
Handel kommende Ware, die den übrigen Sorten 
an Güte sehr nachsteht, stammt vom Wels- 
Die H. ist in kaltem Wasser nicht löslich, son 
dern quillt nur stark darin auf. Beim Erhitze 0 
löst sie sich aber in Wasser wie auch in ver 
dünntem Spi Lus, unter Hinterlassung geringer 
Mengten faseriger Reste zu einer klebrigen 
Flüssigkeit, die nach dem Abkühlen schon be> 
einem Gehalte von 4 0/0 zu einer Gallerte g 6 " 
steht. Hierauf beruht ihre Vielseitige Verwen 
dung in der Küche und Konditorei zur Herstel 
lung von Gelees und Süßspeisen. Als Klebstoff 
dient sie in Form von Mundleim und durch 
sichtigen farbigen Oblaten, auf Taft gestrichen 
als H.-Pflaster, sog. englisches Pflaster, 
ferner zu Kitten, besonders in weingeistiger Lö 
sung und mit Harzen verbunden, als sog. Dia- 
rnantkitt, als Bindemittel für Farben und bei 
Anfertigung der künstlichen Perlen aus Gla s 
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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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