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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
N
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

,1 . JL 
Nalizin 
292 
Naphthol 
i 
zu verkaufen. Eine Verfälschung liegt aber 
auch vor, wenn man Wassernudeln durch Zu 
satz von gelber Farbe den Anschein von Eier 
nudeln, blassem Himbeersirup durch Rotfärbung 
das Aussehen bester Ware, blauer Milch durch 
Mehlzusatz den Anschein höheren Fettgehaltes 
verleiht. Nachgemacht sind die Erzeugnisse, 
welche auf künstlichem Wege nachgebildet sind, 
nur den Schein, aber nicht das Wesen und den 
Gehalt der echten Ware haben, also z. B. 
Zitronensaft, der aus Zitronensäure, Essenzen, 
Zucker und gelber Farbe hergestellt worden ist. 
Verfälschte und nachgemachte Nahrungsmittel 
dürfen nur dann in den Verkehr gebracht 
werden, wenn ihre Bezeichnung jeden Käufer 
über diesen Tatbestand aufklärt. Dasselbe gilt 
vom Verkaufe verdorbener Waren, die infolge 
einer Verunreinigung oder der Tätigkeit von 
Mikroorganismen in teilweise Zersetzung über 
gegangen sind, also ranziger Butter, saurem 
Bier, madigem Käse, Falls aber die Zersetzung 
so weit vorgeschritten ist, daß die Nahrungs 
mittel gesundheitsschädlich zu wirken vermögen, 
wie z. B. faules Fleisch, oder falls sie direkte 
Gifte enthalten, ist der Verkauf nach § 12 auch 
unter Kennzeichnung verboten. Zur Überwachung 
der gesetzlichen Bestimmungen ist der Polizei 
das Recht eingeräumt worden, während der 
üblichen Geschäftsstunden in die Verkaufsräume 
einzutreten und hier nach ihrer Wahl gegen 
Bezahlung Proben zum Zweck der amtlichen 
Untersuchung zu entnehmen. Nähere Angaben 
über die bei einzelnen Nahrungsmitteln beob 
achteten Verfälschungen finden sich in den betr. 
Abschnitten. 
Nalizin, eine Mischung von Nitroglyzerin,, 
Thymol, Formaldehyd, Karbolsäure, Kochsalz, 
Kokain und verd. Spiritus, findet in der Zahn 
heilkunde als lokales Anästhetikum Anwendung. 
Nanking (frz. Nanquin), ein chinesischer Stoff, 
ist ein leinenartiges Baumwollgewebe von 
stärkerem Glanz als Kattun, das früher zu 
Sommerkleidern sehr beliebt war und wegen 
der Echtheit seiner gelbrötlichen Farbe, die sich 
durch Waschen sogar noch verschönerte, ge 
schätzt wurde. Das Nankinggelb ist an sich eine 
Naturfarbe, da die Stammpflanze, Gossypium 
religiosum, gelbe Wolle trägt, doch wird auch 
die naturgelbe Faser noch nachgefärbt, weil die 
ursprüngliche Farbe zu grell ist. Die in China 
durch künstliche Gelbfärbung weißer Baum- 
wollzeuge hergestellten N. zeigen geringe Echt 
heit. Spätere Nachahmungen der Ware in 
Europa, die besonders in Sachsen und Böhmen 
durch Färbung weißer Stoffe mit Eisenchlorid 
lösung hergestellt wurden, zeigten meist Ab 
weichungen im Farbenton, an denen sie leicht 
zu erkennen waren sowie geringe Farbechtheit 
und Haltbarkeit. Schließlich wurde der Name 
N. auch auf anders gefärbte graue, grüne und 
blaue Stoffe, die sowohl gestreift, geflammt, 
gemustert als auch meliert waren, übertragen. 
Zurzeit hat der Bezug der chinesischen Ware 
so gut wie aufgehört, und auch an Stelle der 
europäischen Erzeugnisse sind schönere Stoffe 
mit anderen Namen getreten.. 
Naphtha ist eine alte Bezeichnung für ver 
schiedene Ätherarten, also Schwefelnaphtha 
(N. vjlrioli) für Äther oder Schwefeläther, 
Essignaphtha (N. aceti) für Essigäther. 
Außerdem wird sie für die hellste Sorte Petro 
leum und die zuerst übergehenden, leicht ent 
zündlichen Petroleumdestillate benutzt. — Sol- 
vent-Naphtha ist Schwerbenzol (siehe 
Benzol). 
Naphthalin (Naphthylhy drür, Stein 
kohlenkampfer, frz. und engl. Naphthaline) J 
ist ein fester Kohlenwasserstoff, C 10 H 8 , der 
sich bei der trockenen Destillation verschiedener 
organischer Körper bildet und daher vor allem 
im Steinkohlenteer enthalten ist. Hauptsäch 
lich findet es sich in den bei 180—230 0 über 
gehenden Anteilen des schweren Teeröls, aus 
denen es sich beim Abkühlen als eine butter 
artige kristallinische Masse ausscheidet. Zur 
Reindarstellung werden die Kristalle abgepreßt, 
darauf mit Natronlauge, weiter mit Schwefel 
säure unter Zusatz von etwas Braunstein be 
handelt, mit Wasser gewaschen und schließlich 
sublimiert. Das reine N. bildet glänzendweiße 
tafelförmige Kristalle von starkem betäubenden 
Geruch. Es schmilzt bei 79 °, siedet bei 217 I 
bis 218° und hat ein spez. Gew. von 1,152. 
Weingeist, Äther, Schwefelkohlenstoff, äthe- I 
rische und fette Öle lösen N. auf, hingegen ist I 
es in^Wasser unlöslich. N. kann mit Wasser- I 
dampl leicht überdestilliert werden, verflüchtigt I 
sich aber auch schon bei gewöhnlicher Tempe- I 
ratur und muß daher in gut verschlossenen I 
Glas- oder Blechgefäßen aufbewahrt werden. — I 
N. findet ausgedehnte medizinische Anwendung 
gegen Krätze und Hautkrankheiten, sowie inner 
lich bei Erkrankung der Atmungsorgane und 
gegen Spulwürmer. Für die Technik bildet es i 
das unentbehrliche Ausgangsmaterial zur Dar- j 
Stellung der Phtalsäure, welche wiederum zur I 
Darstellung der Benzoesäure und der präch 
tigen Resorzinfarben (Fluoreszein, Eosin) dient, I 
ferner der Naphthalinfarben: Bordeaux, Pon- 1 
ceau, Orange, Naphthalingelb und zahlreicher 
organischer Verbindungen, Naphthol, Naphthyl- 
amin usw. Auf seiner Giftigkeit für niedere Tiere I 
beruht die Anwendung als Mottenpulver, zum I 
Konservieren von Herbarien und Insektensamro- I 
lungen. Wegen seines hohen Kohlenstoffgehalts 
benutzt man es zum Karburieren des Leucht- j 
gases. 
Naphthensäuren, der Hexahydrobenzoesäure I 
CgH^.COOH isomere organische Säuren, die I 
sich im russischen Petroleum vorfinden, werden 
in Form ihrer Natriumsalze als Seifenersatz I 
empfohlen. 
Naphthol. Diesen Namen führen zwei orga- j 
nische Verbindungen von gleicher empirischer 
Zusammensetzung, C 10 H 7 OH, aber verschiede 
nen Eigenschaften, welche durch die Bezeich 
nung a und ß unterschieden werden. Da 5 | 
Alphanaphthol besteht aus farblosen Kristall' 
nadeln von kreosotähnlichern Gerüche, die b el | 
94 0 C. schmelzen, in kaltem Wasser beinahe 
unlöslich sind und sich in heißem Wasser, 
nur wenig, dagegen leicht in Alkohol und 111 
Äther lösen. Betanaphthol bildet kleine, färb' 
lose, glänzende, nahezu geruchlose Kristall' 
blättchen, die erst bei 122 0 C schmelzen. Beide 
Naphthole stehen zu dem Naphthalin in ein eh 1 j 
ähnlichen Verhältnisse, wie das Phenol (Karboj' 
säure) zu dem Benzol, und sind als alkohol' |
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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