Full text : Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

der  Mitgliedschaft  gedroht.  Das  Ganze  war  also  auf  einen  Kampf
zwischen  Rabattsparverein  und  Konsumgenossenschaft  zurückzuführen.
Von  derartigen  Kämpfen  wird  auch  aus  anderen  Gegenden  berichtet.
Bekanntlich  wurden  die  Rabattsparvereine  vornehmlich  zur  Bekämpfung ­
  der  Konsumvereine  gegründet.  Doch  der  von  ihnen  gewährte ­
  Rabatt  ist  ein  anderer  als  der  Lieferantenrabatt  der  Konsum-Vereine.
  ^Jedenfalls  treffen  auf  ihn  die  für  den  letzteren  angegebenen
Vorteile,  sowohl  für  den  Händler  als  für  den  Konsumenten  im  einzelnen, ­
  nicht  zu.  Dadurch,  daß  alle  Händler  einer  Branche  und
eines  Ortes  Rabatt  geben  und  nicht  nur  mehr  einzelne  Geschäfte
dies  tun, 17 )  kann  von  einer  Umsatzvermehrung  eines  Erwerbsgeschäftes ­
  gegenüber  dem  andern  kaum  mehr  die  Rede  sein.  Mail
könnte  höchstens  die  sich  in  den  Rabattsparvereinen  bemerkbar
machende  Ringbildung  für  eine  Umsatzvermehrung  gegenüber  den
parasitären  Gebilden  des  Kleinhändlertums  anführen.  Auch  die
Vorteile  des  Kleinhändlers  infolge  Barzahlung  auf  Grund  des
Rabatts  scheinen  nach  F  a  u  ch  e  r  r  e 1 «)  gering  zu  sein,  da  die  barzahlende ­
  Kundschaft  sich  nach  Einführung  des  Rabatts  nicht  wesentlich ­
  vermehrt  habe.  In  einzelnen  Geschäften  habe  man  allerdings
in  dieser  Beziehung  sehr  erfreuliche  Resultate  erzielt.  Soweit  ich
selbst  durch  gelegentliche  private  Untersuchungen  habe  feststellen  können,
scheint  denn  doch  die  Wirkung  des  Rabatts  auf  die  Barzahlung  eine
allgemein  günstigere  zu  sein,  als  Faucherre  annimmt.  Der
nominelle  Rabatt  von  5  Prozent,  der  vielleicht  einem  reellen  Rabatt
von  2—3  Prozent  auf  den  gesamten  Barumsatz^)  entspricht,  dürfte
deshalb  wohl  nicht  oder  doch  nur  zum  Teil  auf  die  Preise  geschlagen ­
  werden.
17 )  „Es  ist  hier  ähnlich  bestellt  wie  mit  den  Trinkgeldern.  Diejenigen
klugen  Leute,  die  mit  dem  Trinkgelderwesen  anfingen,  wollten  sich  damit  eine
besonders  sorgsame  Berücksichtigung  ihrer  werten  Person  erkaufen;  aber  nachdem ­
  das  Trinkgeldergeben  einmal  allgemeiner  geworden  ist,  wird  nicht  mehr
derjenige  bevorzugt,  welcher  es  gibt,  wohl  aber  derjenige  benachteiligt,  welcher
es  zu  geben  unterläßt.  So  auch  hier."  (Staudinger  in  „Die  Konsumgenossenschaft". ­
  Leipzig  1908.  S.  76.)
is)  Die  Händler-Rabattsparvereine  S.  195.
18)  Der  Unterschied  ist  hier  gemacht,  da  bekanntlich  die  Rabattsparvereine
nur  einen  Rabatt  auf  je  20  Pfennig  gewähren  und  dabei  nach  unten  abrunden. ­
  Auch  bekommt  die  barzahlende  Kundschaft  nicht  auf  alle  Waren
Marken.  Einzelne  Artikel  mit  geringem  Verdienst  sind  ausgeschlossen.  Ferner
geht  ein  Teil  der  sich  bereits  im  Besitze  der  Kundschaft  befindlichen  Marken
wieder  verloren  oder  wird  aus  irgendwelchen  andern  Gründen  nicht  e  rüge ­
  l  ö  st.  Schließlich  kommt  noch  hinzu,  daß  in  der  Regel  Rabattmarken  nur
-auf  ausdrückliches  Verlangen  gegeben  werden.
            
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