4. Der Preis.
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sondern auch der geschickten Fassung und Ausstattung der Inserate an. Die großen und
prachtvoll ausgestatteten Bände, in denen dieses Angebot sich verkörpert, werden aber
gleichfalls wieder der Reklame dienstbar gemacht und durch Reklame bezahlt.
Reklame hier und dort, — gute und schlechte, notwendige und überflüssige —
sie gehört zur Signatur der Zeit.
4. Der Preis.
Von Julius Lehr.
kehr, Die Grundbegriffe der Nationalökonomie. (Hand- und kehrbuch der Staats-
wiffenschaften. Abt., Sb.) 2. Aufl., herausgegeben von v. Deckel. Leipzig, £. k. Hirschfeld,
$(n. 5. 222—225.
•Unser Preis im weiteren Sinne des Wortes versteht man allgemein die Summe
von Opfern, welche die Erlangung eines Gegenstandes kostet, gleichviel welcher Art
diese Opfer sind. Man erkauft etwa eine Stellung um den Preis seiner Ehre, einer
Freundschaft, oder man erringt etwas um den Preis hoher Anstrengung, auch wohl
um den Preis seiner Gesundheit. Man setzt preis das, was man für Erreichung
eines Zieles daran wagt, man gibt preis das, worauf man verzichtet, ein Begriff, der
allgemein dahin aufgefaßt wird, daß dem Verzicht ein Entgelt nicht zu entsprechen
braucht, und mit dem der Nebenbegriff des Leichtsinnigen, des Verächtlichen oder Gleich
gültigen verbunden ist.
Im Tauschverkehr insbesondere ist Preis die Menge von Gütern und Leistungen,
die als Gegengabe gegen andere dienen; das Verhältnis ist hierbei ein wechselseitiges.
Je was der eine erhält, ist der Preis, den der andere entrichtet. Werden 2 t Weizen
gegen 40 KI Bier hingegeben, so ist der Preis 1 t Weizen gleich 20 KI Bier und
umgekehrt der Preis von 1 KI Bier gleich 50 kg Weizen. Auf dieser Wechsel
seitigkeit beruht es auch, daß von Preisaufgaben, Preisarbeiten gesprochen werden kann.
Es wird ein Preis (Geldsumme, Preismedaille, auch nur eine öffentliche Anerkennung,
Belobung) für die beste Leistung, für eine Schrift, eine Erfindung ausgesetzt, um den
sich mehrere Personen in einem Preiskampfe bewerben, und den die Preisrichter nach
der Preiswürdigkeit der Leistungen zuerkennen. Man erringt hier im Wettkampfe den
Preis, während man sonst etwas um einen Preis erringt. Dort ist der Preis das,
was festgesetzt ist, die Leistung noch unbestimmt, hier ist das bestimmt gegeben, was
man verkaufen will, und wofür ein Preis zu zahlen ist.
Erscheint bei dem Naturaltausche ein jeder als Käufer und gleichzeitig als Ver
käufer, so gestaltet sich das Verhältnis anders in der sog. Geldwirtschaft, in welcher
gegen Geld gekauft und verkauft wird. Hier nennen wir ausschließlich den einen,
welcher das Geld hingibt, Käufer, den anderen, der es empfängt, Verkäufer und
das, was für Geld gekauft wird, Ware. Die Nationalökonomie kann, wenn auch nicht
ebenso die Jurisprudenz, deswegen immerhin auch in der Geldwirtschaft das Verhältnis
als ein wechselseitiges betrachten, vom Preise der Waren und Leistungen wie auch von
demjenigen der edlen Metalle und des Geldes sprechen. Ist der Preis eines Hektoliters
Weizen = 200 Mark, so ist der von einer Mark oder von 0,3584 g Gold = Va Liter
Weizen.
Erscheint uns der Preis (das Opfer), welcher aufzuwenden ist, hoch, so bezeichnen
wir den zu erlangenden Gegenstand als teuer, im entgegengesetzten Falle nennen wir
die Ware billig oder wohlfeil, während eine Unart des Sprachgebrauches im gewöhn-