Object: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Musik und Dichtung im Beginn eines neuen Gemütslebens. 309 
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Aber dies Ziel fand Weise nicht durch Opitz erreicht oder 
überhaupt nach den Vorschriften Opitzens zu erreichen. Wo 
seien denn die deutschen Vergilii und Horatii? Da hätten die 
Franzosen andere Erfolge aufzuweisen! Und so kehrt sich 
unser Sachse leise den Franzosen zu, wenigstens für die lyrische 
Gattung. Daß er aber deren Lehren schon ganz aufgenommen 
habe, läßt sich nicht behaupten. Schon die Tatsache, daß er 
im Drama mit den Pegnitzschäfern und Lohenstein gegen die 
Franzosen ging, widerspricht dem. Gewiß versuchte er sich im 
Schäferspiele und war auch wohl bestrebt, namentlich in 
späterer Zeit, einige der neuen Vorschriften der französischen 
Dramaturgie zu halten. Aber eigentlich zu Hause fühlte er sich 
doch nur im Fastnachtsspiel und in etwas, das man in— 
sofern Volksschauspiel nennen könnte, als es dem schlechten 
Geschmacke des Publikums der Zeit volle Zugeständnisse machte. 
Und zwar in ganz naiver lehrhafter Bewußtheit. „Die Leute 
sehen gern Comödien, die fein lang sind; überdieß wird bei 
der heutigen Welt nichts mehr aestimiret, als wo vielfältige 
Aufzüge und Veränderungen mit unterlaufen.“ Da haben 
wir's! „Nette Tänze“ und „Pallete“ will das Publikum und 
darum auch Weise haben, und zwar mindestens „zwischen denen 
Actibus oder nach Vollendung der Comoedie“. 
Da begreift sich's, daß Weise auch dem Schlüpfrigen 
und mindestens dem Verliebten nicht so ganz abgeneigt war, 
wie seine „Ueberflüssigen Gedanken der grünenden Jugend“ 
(1668) beweisen, wenn er auch seine Exzesse in dieser Rich— 
tung als Schulmeisterpedant hintennach allegorice zu er— 
klären suchte und 1675 „Der Grünenden Jugend Notwendige 
Gedanken, denen Ueberflüssigen Gedanken entgegengesetzt“, 
herausgab. So zeigen sich denn schon bei ihm neben starken 
Roheiten die Anfänge jener Mischung des Verständigen und 
zugleich leise Frivolen, die später, freilich in außerordentlich 
berdünnter und verfeinerter Wirkung, wie in Hamburg bei 
Hagedorn so in Leipzig bei Gellert, ja in der Dichtung der 
beiden damaligen Großstädte Deutschlands überhaupt hervor— 
tritt.
	        
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