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Diese Situation wurde ausgenutzt von einem Privatier, Herrn
Pabst, der in Hamburg „die Einkaufsagentur deutscher Konsumver
eine", anfangs ein reines Erwerbsgeschäft, gründete, das aber sofort
Zutrauen fand. Erst als dann in Bremen von Ludolf P a r i s i u s,
einem früheren Gegner von Einkaufszentralen, eine Großeinkaufs
gesellschaft mit genossenschaftlichem Charakter — wenn auch vor
läufig mit privatem Kapital — gegründet wurde, ließ sich auch Pabst
zu einer Umgründung in ein genossenschaftliches Unternehmen her
bei. Er wurde von den interessierten Vereinen zum Geschäftsführer
gewählt, aber bald wieder infolge von Unstimmigkeiten seines Amtes
enthoben. Noch einmal traten die interessierten Vereine, speziell
sächsische Konsumgenossenschaften, zur Konstitutierung zusammen, und
am 29. März 1894 wurde das Unternehmen in das Hamburger
Handelsregister unter der Firma „Großeinkaufsgesellschaft
deutscher Konsumvereine m. b. H." mit einem Kapital von
34 500 M. eingetragen. An die Spitze der Gesellschaft stellten die
Vereine Ernst S ch e r l i n g, einen geschäftsgewandten Kaufmann,
der bis vor wenigen Monaten das Unternehmen geleitet hat.
Die Gesellschaft von P a r i s i u s mußte bald liquidieren, was
hier noch der Vollständigkeit halber erwähnt sei.
Die G. E. G.Z aber beginnt ihren Siegeslauf. Mag sie auch
anfangs noch unter Kapitalmangel und organisatorischen Schwierig
keiten zu leiden gehabt haben, eine feste Basis war ihr jedenfalls
gegeben in dem genossenschaftlichen Geist, von dem sie stets durch
drungen war. Die Entwicklung der G. E. G. wäre aber noch viel
schneller vor sich gegangen, wenn sie vom Allgemeinen Verbände ge
fördert worden wäre. Die Produzentennatur der Mehrzahl der die
sem Verbände angeschlossenen Genossenschaften verhinderte das
natürlich.
Anfangs vermittelte die Großeinkaufsgesellschaft nur Waren
gegen Provision, ohne eigenes Lager zu führen. Bald aber ging sie
zum Kauf auf Lager über. Infolge des Barzahlungsprinzips hatte
die Gesellschaft bei ihren Lieferanten schnell Achtung erworben. Auch
die Abnehmerzahl nahm fortwährend zu. Ein Warcnbericht
hielt die oft nur wenig vorgebildeten Geschäftsführer der Vereine auf
dem Laufenden. Sehr wichtig für die weitere Entwicklung war, daß
der Konsumverein Zwickau-Schedewitz im Jahre 1897 seine Räume
der G. E. G. für die Errichtung des ersten Zweiglagers zur Ver
fügung stellte. Etwas später wurde der erste Reisende angestellt.
8 ) Diese Abkürzung ist in konsumgenossenschaftlichen Kreisen allgemein
gebräuchlich.