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Persien.
Im Gegensatz zum türkischen Teppich wird der persische zumeist auf einer
Baumwollkette (statt Wollkette) geknüpft. Nur in einigen Gegenden, so in Kur
distan und Schiras (Fars), wird überwiegend auf Wollketten geknüpft. Man
kann die allgemeine Regel aufstellen, daß die von seßhaften Knüpfern gefertigten
Teppiche durchschnittlich auf Baumwollketten, die von den Nomaden überwiegend
auf Wollketten gearbeitet sind. Während die Nomaden ihre Teppiche meistens
auf dem Boden knüpfen und sich nur vereinzelt des aufrechtstehenden Rahmens
bedienen, wird von dem seßhaften Gewerbe fast ausschließlich der Rahmen be
nutzt. Ein sehr großer Teil der Perserteppiche wird von den Nomaden hergestellt,
denen die einheimischen zahlreichen Herden das Material dazu liefern. Wo die
Nomaden sich längere Zeit aufhalten, schlagen sie auf dem Boden ihres Zeltes
die Pflöcke zum Teppichrahmen auf und beginnen ihre Arbeit. Haben sie diese
nicht fertiggestellt bis zum Weiterwandern, so wird der Rahmen zusammen
gerollt und im nächsten Zeltlager wieder von neuem aufgespannt. Dies ist mit
ein Grund, weshalb ein großer Teil der persischen Teppiche häufig unregelmäßig
in der Breite und nicht ganz plan ist.
Bei dem seßhaften Teppichgewerbe muß man wiederum zwei Kate
gorien unterscheiden, und zwar das Hausgewerbe (Heimarbeit) und den Werk
stättenbetrieb. Die Heimarbeit wird im ganzen Lande fast ausschließlich von
Frauen ausgeübt, ebenso wie bei den Nomaden nur Frauen knüpfen. In der
Werkstättenarbeit wird aber mit wenigen Ausnahmen die Arbeit von Knaben
und Männern verrichtet, wie z. B. in ganz Chorassan, Kirman und Azerbeidjan;
Sultan Abbas aber, der Sitz des ursprünglich schweizerischen, vor langen Jahren
jedoch in englische Hände übergegangenen, weltberühmten Teppichunternehmens
der Firma Ziegler & Co., macht eine Ausnahme. Dort werden auch, allerdings
in getrennten in Privathäusern befindlichen Werkstätten, Frauen und Mädchen
beschäftigt.
Außer Teppichen werden in Persien auch viel Kelims hergestellt, die im
Orient als Gebetdecke oder als Fußbodenbelag benutzt werden.
Der Haupthandelsplatz für persische Teppiche ist Täbris, das auch für
Konstantinopel die Hauptquelle ist. In den letzten Jahren wird der Markt in
Konstantinopel umgangen, indem die Einkäufer den direkten Markt in Persien
aufsuchen.
Seidenindustrie. Die Seidenarbeiten waren früher in Persien sehr verbreitet
und auch jetzt noch besteht eine ziemliche Kleinindustrie in diesen Artikeln.
Die Haupterzeugnisse sind nach einem Bericht der österr.-ungar. Gesandtschaft
in Teheran 1 ): Seidenteppiche, Samtstoffe, „Darais“, das sind Vorhänge
speziell persischer Art, Schale, die in verschiedenen, auch sehr wertvollen Arten
hergestellt werden, ferner Tafte, Taschentücher, Schärpen, Foulards und
weitere Gebrauchsstoffe.
x ) Das „Handelsmuseum“ Wien 1914.