Full text : Der finanzielle Aufbau der deutschen industriellen Aktiengesellschaften in den Jahren 1901 bis 1910

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schäften  sind,  zeigt  der  Vergleich  der  übrigen  Jahre  mit  dem  Jahre  1910,  für  welches  das  Vermögen
und  das  Kapital  nur  der  gutgehenden  Gesellschaft  zusammengestellt  ist.
Das  eigene  Kapital  mit  durchschnittlich  115,1  °/ 0  des  Aktienkapitals  ist  niedrig.  Mehrfach
werden  die  Reserven  zur  Beseitigung  von  Verlusten  der  einen  Gesellschaft  herangezogen.  Ihr  Anteil ­
  am  eigenen  Kapital  ist  in  den  ersten  neun  Jahren  ziemlich  gleichmäßig.  Das  fremde  Kapital,
das  im  Durchschnitt  dem  eigenen  Kapital  so  gut  wie  gleich  ist  —  es  beträgt  99,6  °/ 0  des  eigenen
Kapitals,  wovon  29,2  °/ 0  auf  die  langfristigen  Schulden,  die  sich  auf  33,5  °/ 0  des  Aktienkapitals  belaufen, ­
  und  22,0  °/ 0  auf  die  in  den  kurzfristigen  Schulden  enthaltenen  Rückstellungen  für  Batterieversicherung ­
 1  entfallen  —  zeigt  in  seinem  Verhältnis  zum  eigenen  Kapital  eine  entschiedene  Zunahme;
während  jedoch  in  den  ersten  zwei  Jahren  bei  beiden  Gesellschaften  die  kurzfristigen  Schulden  höher
sind  und  dies  bei  der  Gesellschaft  mit  gutem  Geschäftsgang  auch  später  so  bleibt,  bilden  bei  der
anderen  Gesellschaft  in  den  übrigen  Jahren  die  Obligationen  und  Hypotheken  den  Hauptteil  des
fremden  Kapitals.  Vom  Jahre  1905  ab  übersteigt  das  fremde  Kapital  das  eigene  Kapital;  1910
erreicht  es  die  größte  Höhe  mit  138,8  °/ 0  des  eigenen  Kapitals.
Das  produzierende  Vermögen  zeigt  ein  bedeutendes  Überwiegen  des  Betriebsvermögens.
Durchschnittlich  besteht  es  aus  25,5%  produzierendem  Anlagevermögen  und  74,5  °/o  Betriebsvermögen; ­
  die  Vorräte  betragen  20,6  °/o-  Wieder  zeigt  das  Jahr  1910  die  größten  Abweichungen,
während  in  den  vorhergehenden  Jahren  das  Verhältnis  des  produzierenden  Anlage-  und  des  Betriebsvermögens ­
  vom  Durchschnitt  nicht  sehr  verschieden  ist.  Die  Höhe  der  Vorräte  zeigt  iii  den  einzelnen ­
  Jahren  erhebliche  Änderungen,  denen  meist  solche  der  kurzfristigen  Schulden  entsprechen.
Höher  als  das  produzierende  Anlagevermögen  ist  die  Anlage  in  Wertpapieren  und  Beteiligungen; ­
  durchschnittlich  beträgt  ihr  Anteil  am  Gesamtvermögen  29,5  °/ 0  und  vom  Gesamtanlagevermögen ­
  61,5  °/o-Die
  Abschreibungen  mit  2,o°/ 0  des  Gesamtvermögens  sind  verhältnismäßig  niedrig;  es  ist
jedoch  zu  berücksichtigen,  daß  die  Gesellschaft  mit  gutem  Geschäftsgang  ihre  sämtlichen  Mobilien
schon  vor  1901  bis  auf  wenige  Mark  abgeschrieben  hat.
Der  Vergleich  des  Betriebsvermögens  mit  den  kurzfristigen  Schulden  ergibt  eine  Liquidität
von  1,67.  Die  ausnehmend  hohe  Liquidität  im  Jahre  1907  beruht  ,  auf  der  durch  Erhöhung  der
langfristigen  Schulden  veranlaßten  geringeren  Inanspruchnahme  des  kurzfristigen  Kredits.  Das  Verhältnis ­
  des  dauernd  verfügbaren  Kapitals  zum  Gesamtanlagevermögen  weist  mit  seiner  geringen  Höhe
von  1,15  im  Jahre  1906  auf  die  Notwendigkeit  der  Kapitalbeschaffung  im  nächsten  Jahre  hin.  In
den  übrigen  Jahren  ist  dies  Verhältnis  nur  geringen  Änderungen  unterworfen;  im  Durchschnitt  ist  es
1,28.  Beide  Größen,  die  Liquidität  wie  dieses  Verhältnis,  sind  niedrig;  es  ist  jedoch  bei  der  ersteren
der  hohe  Anteil  des  Betriebsvermögens  am  produzierenden  Vermögen  und  beim  zweiten  der  hohe
Anteil  der  Wertpapiere  und  Beteiligungen  am  Gesamtanlagevermögen  zu  berücksichtigen.
b)  Kabelindustrie.
Tabelle  14.
Die  Anzahl  der  Gesellschaften  beträgt  bis  1906  zwei  und  in  den  folgenden  Jahren  drei
Gesellschaften.  Die  im  Jahre  1906  hinzutretende  Gesellschaft 2  befaßt  sich  neben  der  Fabrikation
von  Kabeln  noch  mit  der  Herstellung  von  Drahtwaren  verschiedener  Art  und  von  elektrischen
Maschinen.  Bei  der  geringen  Zahl  und  den  großen  Unterschieden  der  Gesellschaften  —  die  erwähnte ­
  Gesellschaft  hat  mehr  als  das  zehnfache  Aktienkapital  der  beiden  anderen  Gesellschaften
zusammen  —  bietet  die  Tabelle  ein  wenig  einheitliches  Bild,  da  die  Bilanzen  dieser  großen  Gesellschaft ­
  die  Ergebnisse  zu  stark  beeinflussen,  so  daß  die  Zusammenstellung  vom  Jahre  1906  ab  eher
die  Verhältnisse  dieser  einen  Gesellschaft  wiedergibt  als  die  der  ganzen  Industrie.
Das  eigene  Kapital  beträgt  durchschnittlich  109,3  %  d es  Aktienkapitals,  die  Reserven  sind
also  niedrig  und  bleiben  noch  unter  der  gesetzlich  angestrebten  Mindesthöhe  von  io°/ #  des  Aktienkapitals. ­
  Das  fremde  Kapital  zeigt  eine  ständige  Zunahme  im  Verhältnis  zum  eigenen  Kapital,  abgesehen ­
  von  der  nur  scheinbaren  Unterbrechung  dieser  Entwicklung  im  Jahre  1906.  Durchschnittlich
beträgt  es  79,6  °/ 0  des  eigenen  Kapitals,  wovon  33,2  °/ 0  von  den  Obligationen  und  Hypotheken
gebildet  werden,  die  sich  auf  36,3  °/ 0  des  Aktienkapitals  belaufen.
Waren  die  Verhältnisse  des  eigenen  und  fremden  Kapitals  der  beiden  kleineren  Gesellschaften
nicht  allzu  verschieden  von  denen  der  großen  Gesellschaften,  so  zeigen  sich  größere  Unterschiede
in  der  Verteilung  des  Vermögens.  Während  die  ersten  fünf  Jahre  ein  Sinken  des  anfangs  über
wiegenden  Anteils  des  produzierenden  Anlagevermögens  am  produzierenden  Vermögen  erkennen

1)  Passow,  Die  Bilanzen  der  privaten  Unternehmungen,  S.  80.
2)  Felten  und  Guilleaume-Lahmeyerwerke  A.-G.
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