Full text : Wissenschaftlicher Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus und Bolschewismus

—  50  —

Kleinunternehmer,  dem  alle  die  n'ur  ganz  kurz  erwähnten  Vorteile  nicht
zu  Gebote  stehen.  Zweifellos  steigert  der  Großbetrieb  die  Produktivität  der
Arbeit  gegenüber  den  Kleinunternehmungen  gewaltig,  er  bewirkt,  „daß  mit
demselben  Aufwand  von  Kapital  oder  Arbeit  eine  größere  Menge  Güter
geschaffen  uüd  den  Konsumenten  zur  Verfügung  gestellt  werden  kann  .  .  .
So  bildet  er  unzweifelhaft  einen  volkswirtschaftlichen  Fortschritt"  (Lexis
„Großbetrieb  und  Kleinbetrieb"  im  Conrad'fchen  Handwörterbuch  der
Staatswissenschaften,  3.  Auflage,  Band  V,  S.  73).  Diese  möglichst  hohe
Steigerung  der  Produktivität  liegt  auch  vornehmlich  im  Interesse  der  Arbeiterschichten, ­
  eine  künstliche  Hemmung  dieser  Fortschritte  wäre  gleichbedeutend ­
  mit  der  Begünstigung  der  besitzenden  Volksklassen  gegenüber  den  besitzlosen. ­
  „Denn  wenn  der  Anteil  der  Arbeiter  an  den  produzierten  Gütern
vermehrt  werden  soll,  so  ist  die  erste  zu  erfüllende  Bedingung,  daß  die  Masse
der  von  einer  gegebenen  Dumme  von  Arbeitskräften  erzeugten  Güter  vergrößert ­
  werde."  (Lexis  a.  a.  O.)  Tatsächlich  weisen  auch  die  fabrikmäßigen
Großbetriebe  günstigere  Arbeitsverhältnisse  —  wenigstens  im  allgemeinen  —
auf,  sowohl  hinsichtlich  der  Löhne  wie  hinsichtlich  der  Länge  der  Arbeitszeit,,
als  auch  bezüglich  der  Beschaffenheit  der  Arbeitsstätten  wie  in  den  kleinen
und  selbst  mittleren  Betrieben.  Die  mannigfaltigen  großzügigen  Wohlfahrtseinrichtungen, ­
  wie  Erholungsheime,  gesunde  Wohnüngen,  Werkkonsumvereine
  u.  dgl.  m.  können  auch  nür  von  modernen  kapitalskräftigen  und  kapitalgesättigten ­
  Eroßunternehmungen  geschaffen  werden,  für  Klein-  und
Mittelbetriebe  im  Gewerbe  wie  im  Handel  sind  sie  einfach  undenkbar.  Aber
trotzdem  -wäre  es  völlig  verkehrt  auf  Grund  dieser  unleugbaren  Tatsachen, ­
  einen  restlosen  Untergang  des  mittleren  und  kleinen  Betriebes  zu
Gunsten  der  Groß-  und  RiesenUnternehmungen  in  Handel  und  in  den  Gewerben ­
  vorauszusagen  oder  ihn  auch  nur  zu  wünschen.  Schon  die  oben  mitgeteilten ­
  Ziffern  würden  eine  derartige  Prophezeiung  Lügen  strafen.  Namentlich ­
  die  kl  starke  Bände  umfassenden  „Untersuchungen  über  die  Lage  des
Handwerks  .in  Deutschland  mit  besonderer  Rücksicht  auf  seine  Konkurrenzfähigkeit ­
  gegenüber  der  Großindustrie."  Bapd  61—72  der  Schriften  des  Vereins ­
  für  Sozialpolitik  (1885—1897)  haben  den  einwandsfreien  wissenschaftlichen ­
  Nachweis  erbracht,  daß  das  Handwerk  und  der  mittlere  industrielle
Betrieb  durchaus  nicht  in  seiner  Gesamtheit  als  solches  zum  Tode  verurteilt
ist.  In  den  kleineren  Städten  und  in  den  größeren  Dörfern,  welche  das
flache  Land  mit  gewerblichen  Erzeugnissen  versorgen,  findet  der  Kleinbetrieb ­
  in  Industrie  und  im  Handel  durchaus  gesicherte  Lebensbedingungen.
„Aber  auch  in  größeren  Städten  behalten  gewisse  Gewerbe  eine  überwiegend ­
  lokale  Bedeutung  und  lassen  daher  einen  erfolgreichen  Betrieb  in  kleinerem ­
  Umfange  zu;  so  dieNahrungsgewerbe,  die  raschem  Verderb  ausgesetzte ­
  Lebensmittel  liefern;  ferner  Schuhmacherei  und  Schneiderei  und  die
übrigen  Bekleidungsgewerbe,  bis  zu  einem  gewissen  Grade  auch  Schlosserei,
Buchbinderei  usw.  Namentlich  erweist,  sich  der  Kleinbetrieb  in  den  meisten
Fällen  als  konkurrenzfähig,  >in  denen  es  sich  um  genaue  Anpassung  an  das
individuelle  Bedürfnis,  also  um  Eebrauchsgegenstände  handelt,  die  nach
Maß  oder  besonderer  Vorschrift  angefertigt  werden."  (Lexis  a.  cr.  O.,  S.  68.)
Hier  entscheidet  Kunstfertigkeit  und  Gewissenhaftigkeit  des  Anfertigers  und
ein  tüchtiger  selbstarbeitender  Handwerksmeister  wird  hier  dem  großen  Un-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.