Full text: Wissenschaftlicher Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus und Bolschewismus

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■tentcümei, der auf seine Lohnarbeiter angewiesen ist, oft überlegen, min 
destens gewachsen, sein. Ferner aUf dem ganzen großen und immer größer 
werdenden Gebiet des K u n st h a n d w e r k s ist der Kleinbetrieb dem 
Eroßünternehmertum durchaus konkurrenzfähig. Sicher hat unter den 
grauenhaften Einwirkungen dieses verwüstenden Weltkrieges das Deutsche 
Handwerk und der gewerbliche Mittelstand überhaupt ganz besonders schwer 
gelitten und seine Widerstandskraft gegen das Vorwärtsbringen des Groß 
betriebes 'und des Großkapitals mag erheblich erschüttert sein — in welchem 
Umfang werden spätere amniche Erhebungen an den Tag lögen — aber es 
liegt auch kein Grund vor zur Verzweiflung. Die oben kurz angeführten 
Erwägungen sprechen auch heute nach dem deutschen Zusammenbruch für 
seine Fortexi,stenz, ja vielleicht wird ihm sogar die ganz sicher eintretende 
gewaltige finanzielle Belastung des Großkapitals eine gewisse Erleichte 
rung im Konkurrenzkampf gegen das Eroßünternehmertum 'und die Groß 
finanz verschaffen. Ohne Zweifel haben wir auch heute noch an der Fort 
existenz eines lebensfähigen, -blühenden gewerblichen Mittelstandes ein 
erhebliches sozialpolitisches Interesse. Nur können wir unter den heutigen 
Produktions- und Verkehrsverhältnissen in zahlreichen Gewerben die un 
teren Schichten der Kleurunternehmer nicht mehr zu diesem Mittelstand 
rechnen. „Ihre Existenz rst häufig unsicherer als die der gewöhnlichen Ar 
beiter, und wenn sie nach einem von vornherein Aussichtslosen Versuch eines 
minderwertigen Kleinbetriebes ruiniert werden, so bilden diese Deklassier 
ten ein noch bedenklicheres Element als das unzufriedene Arbeiterprole 
tariat." (Lexis a. a. O., S. 73.) 
Durchaus mit Recht schließt Eduard Bernstein in seiner 1899 zuerst 
erschienenen, zuletzt 1911 wieder aufgelegten glänzendes Schrift: „Die Vor 
aussetzungen des Sozialismus Und die Aufgaben der Sozialdemokratie", 
feine Kritik der Marxischen Konzentrationslehre mit folgenden Sätzen: 
„Wenn der unablässige Fortschritt der Technik und Zentralisation der Be 
triebe in einer zunehmenden Zahl von Jndustriegweigen eine Wahrheit ist, 
deren Bedeutung sich heute kaum noch verbohrte Reäktionäre verschweigen, 
so ist es eine nicht minder feststehende Wahrheit, daß in einer ganzen Reihe 
von GewerbszweigeN kleinere und mittlere Betriebe sich neben Großbetrieben 
durchaus .lebensfähig erhalten." Unfd weiter: „Wenn der Zusammenbruch 
der modernen Gesellschaft vom Schwindender Mittelglieder zwischen der 
Spitze und dem Boden der sozialen Pyramide abhängt, wenn er bedingt ist 
durch die Aufsaugung dieser Mittelglieder von den Extremen über und un 
ter ihnen, dann ist er in England, Deutschland, Frankreich heute seiner Ver 
wirklichung nicht näher wie zu irgend einer früheren Epoche im 19. Jahr 
hundert." 
Völlig versagt -aber hat die „Konzentrationstheorie" auf dem 
Gebiet der Landwirtschaft. Die Entwickelungstendenzen gehen hier in 
durchaus entgegengesetzter Richtung als Marx sie prophezeit hat. Klar und 
deutlich lehrt uns die amtliche Statistik, daß hier von einer Verdrängung 
und Aufsaugung der kleineren Und -mittleren landwirtschaftlichen Betriebe 
durch die Grvßgüter absolut keine Rede sein kann. Gang im Gegenteil: 
die Entwickelung ist deutlich auf eine Abnahme des ländlichen Groß 
grundbesitzes und eine Verkleinerung der Vetriebseinheiten gerichtet.
	        
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