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Starke hypothekarische Belastung des Großgrundbesitzes Und großzügige
Binnenkolonisation haben gerade in den .letzten Jahrzehnten seit Erscheinen
des marxischen ,„Kaxitals" mächtig zu dieser Richtung beigetragen. Wir
zählten im Jahre 1882 in Deutschland insgesamt: 5 276 344 landwirtschaftliche
Betriebe, 1907 dagegen: eine halbe Million mehr, nämlich: 5 736 032.
Davon entfielen auf die,Zweig- und Kleinbetriebe unter 2 Hektar im Jahre
1882: 68 v. H., 1807 dagegen 58,9 v. H.; die bäuerlichen Betriebe von 2 bis
100 Hektar blieben in dem Zeitraum fast stationär: 41,5 und 40,7 v. H.,
während die Großbetriebe von 0,5 v. H. auf 0,4 v. H. abnahmen. Von der
gesamten landwirtschaftlich benutzten Fläche entfielen in den angegebenen
Jahren (1882 und 1907) alif die Kleinbetriebe: 5,7 v.H. und 5,4 v. H., auf
die bäuerlichen Betriebe: 69,0 v. H. und 72,4 v. H., während der Großbetrieb
ron 24,4 v. H. auf 22,2 v. H. abnahm. So ist denn Deutschland vorwiegend
ein Bauernland, fast vier Fünftel der gesamten landwirtschaftlich
benutzten Fläche entfällt auf die kleinen und bäuerlichen Betriebe Unter
100 Hektar. Selbst in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, diesem
Lande des hemmungslosen und ungehemmten Kapitalismus san8 pbrass,
läßt sich eher ein Zug zur Verkleinerung als zur Vergrößerung der landwirtschaftlichen
Vetriebseinheiten, der Farmen, aufzeigen. Die Durchschnittsfläche
der Farm betrug dort (nach Werner Sombart a. et. D.) in den
Jahren 1850, 1860 und so fort bis 1900: 61,5, 51,9;' 53,7; 57,4; 49,4 aorss.
„Also keine Spur von einer Konzentrationstendenz." (Sombart a. a. O.,
S. 86.) Die völlige Unhaltbarkeit der Marxischen Kongentrationstheorie
gerade für die Ländwirtschäft ist denn auch in den Kreisen der sozialdemokratischen
Revisionisten selber nachgerade Gemeingut geworden. Den geradezu
glänzenden Nachweis ihrer Unrichtigkeit erbringt insbesondere das uimfangreiche
Werk unseres heutigen Reichsministers Dr. David: „Der Sozialismus
und die Landwirtschaft" (Band I, ,1903). Außer dieser grundlegenden
Erscheinung sei noch auf die treffliche Schrift des leider viel zu
früh verstorbenen sozialistischen Agrarpolitikers Dr. Arthur Schültz-Königsberg
verwiesen: „Oekonomische und politische Entwickelungstendenzen in
Deutschland". Im schärfsten Gegensatz zu Marx erklärt er in ihr den landwirtschaftlichen
Kleinbetrieb mit dem Großbetrieb für durchaus konkurrenzfähig.
„In wirtschaftlicher Beziehung garantiert der Kleinbetrieb die höchstmöglichste
Entfaltung der Produktivität der landwirtschaftlichen Arbeit Und
in sozialer Hinsicht schließt er die Möglichkeit der Ausbeutung besitzloser
Menschen in Gestalt von Lohnarbeitern und Pächtern aus. Entscheidend
aber ist, daß der landwirtschaftliche Kleinbetrieb und Kleinbesitz diejenige
Wirtschaftsform ist, der die Entwickelung mit Macht zudrängt." Dieser
geistvolle Sozialist hat vollkommen Recht behalten mit seiner vor mehr als
10 Jahren erfolgten Voraussage. Auch der Weltkrieg mit all seinen sonst
so verheerenden Einwirkungen auf die deutsche Volkswirtschaft hat die Lebenskraft
und die gewaltige Entwickelungsfähigkeit der landwirtschaftlichen
Klein- und Mittelbetriebe in keiner Weise berührt, sondern ganz im
Gegenteil, stark befestigt. Die Preise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse,
insbesondere Milch," Vieh, Fleisch, Gemüse, Kartoffeln und Obst sind, wie
männiglich bekannt, ganz gewaltig in die Höhe geschnellt And stehen zu den
vermehrten Produktionskosten auch nicht entfernt im angemessenen Ver-