Full text : Wissenschaftlicher Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus und Bolschewismus

kommen  in  Preußen  1916  in  der  Zeitschrift  des  statistischen  preußischen  Landesamts, ­
  87.  Jahrgang,  3.—4.  Abteilung,  S.  52  flg.)  Dom  Jahre  1908  bis
zum  Jahre  1914  hatte  sich  demnach  die  Zahl  der  HäushaltUngsvorstände  und
Einzelwirtschafter  mit  einem  Einkommen  von  über  9500^30  500  Mark  von
83  000  auf  116  876  vermehrt,  die  Angehörigen  des  „mittleren  Oberstandes"
mit  einem  Einkommen  von  30  500  bis  100  000  Mark  waren  b,is  aiuf:  24  551
gestiegen,  und  die  ganz  -großen  Einkommensbezieher  mit  mehr  als  100  000
Mark  Einkommen  auf:  5215.  Allerdings  trat  dann  im  Kriegsjahre  1915
ein  kleiner  Rückschlag  ein,  der  sich  in  der  Abnahme  der  Zahlen  der  Einkommensbegieher
  der  erwähnten  Kategorien  auf:  107  426,  22  962  und  4968
kundgibt.  Aber  bereits  im  folgenden  Jahre  1916  war  dieser  nur  unerhebliche ­
  Rückschlag  schon  so  gut  wie  restlos  überwunden.  Die  Zahlen!  steigen  an
auf:  114  843,  26  602  und  6686.  Gerade  die  beiden  obersten  Einkommensschichten ­
  mit  mehr  als  30  500  Mark  Einkommen  haben  also  ganz  gewaltige
Zuwachse  zu  verzeichnen.  Riesige  Kriegsgewinne  sind  eben  den  stüuerkräftigen
  und  steuerkräftigsten  Zensiten  in  Preußen  zugefallen.  Bei  einer  Vermehrung ­
  der  Zensiten  in  Preußen  im  Zeitraum  von  1896  bis  1916  um  'insgesamt ­
  293  v.  H.  hat  sich  die  Zensitenzahl  der  Einkommen  von  mehr  als
100  000  Mark  fast  vervierfacht,  während  die  der  Einkommensbezieher  von
30  500  bis  100  000  Mark  sich  fast  verdreifachte,  und  die  der  Zensiten  von
9500—30  500  Mark  sich  mehr  als  verdoppelte.
In  Sachsen  findet  sich  genäu  das  gleiche  Bild:  dort  bezogen  ein  Einkommen ­
  von  12  000—100  000  Mark  im  Jahre  1886:  3400,  1906  dagegen:
12  100  Personen  Änd  über  100  000  Mark  in  den  gleichen  Jahren  70  und  400
Personen.
Man  sieht  von  der  Bildung  eines  „Wasserkopfs"  bei  den  oberen  Einkommcnsstüfen
  ist  nicht  das  Geringste  zu  verspüren,  die  Zahl  der  Empfänger ­
  großer  Einkommen  wird  immer  größer,  der  obere  und  oberste  Teil
der  Pyramide  unseres  Gesellschaftsaustaues  wird  nicht  eingeschnürt,  sondern ­
  immer  mehr  und  mehr  verstärkt.  „Man  mag  die  Ziffern  der  Statistik
drehen  und  wenden  wie  man  will.  Je  näher  wir  dem  Augenblick  des  Zu-'
sammenbruchs  der  kapitalistischen  Wirtschaftsordnung  kommen,  destomehr
Expropriateurs  wimmeln  herum.  Das  Geschäft  der  Expropriation  wird  immer ­
  schwieriger  werden."  (Sonstart,  Geschichte  der  deutschen  Volkswirtschaft, ­
  S.  507.)  Angesichts  dieser  unleugbaren  Tatsachen  sieht  sich  denn  auch
Eduard  Bernstein,  der  wissenschaftliche  Vater  des  Revisionismus  in  seinen
„Voraussetzungen  des  Sozialismus",  S.  50,  zu  dem  wertvollen  Zugeständnis
genötigt:  „Es  ist  durchaus  falsch  anzunehmen,  daß  die  gegenwärtige  Entwickelung ­
  eine  relative  oder  gar  absolute  Verminderung  der  Besitzenden  aufweist. ­
  Richt  mehr  oder  minder,  sondern  schlechtweg  mehr,  d.  h.  absolut  und
relativ  wächst  die  Zahl  der  Besitzenden."
i)  Die  Verelendungstheorie.
Sie  ist  bekanntlich  die  Lehre,  daß  im  Zeitalter  der  privatkapitalistischen
Wirtschaftsordnung,  mit  dem  Aufkommen  der  Großindustrie  und  des  Großhandels, ­
  mit  der  Trennung  des  Arbeiters  von  dem  Besitz  und  Eigentum  an
den  Produktionsmitteln  die  gesamte  wirtschaftliche  wie  kulturelle  Latze  des
Arbeiterstandes  ausnahmslos  und  allgemeingültig  immer  schlechter  und
            
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