Full text: Die Fabriksparkasse

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sehr vollkommenen Höhe füllt. Heiratet der junge Mann 
eine Arbeitskollegin aus der Fabrik, so stehen für die 
Gründung des Hausstandes so reichliche Mittel zur Ver 
fügung, daß das junge Paar mindestens ohne Schulden 
in den Ehestand tritt, oft jedoch noch einen Spargroschen 
erübrigt. Während vielfach junge Eheleute darben 
müssen, um die drückenden Bedingungen der Abzahlungs 
geschäfte erfüllen zu können, spart unser Ehepaar in den 
ersten Jahren der Ehe für die Erziehungskosten der 
Kinder und die damit verbundenen weiteren Anschaffungen. 
Hann kommt die schwierigste Zeit für einen Arbeiter 
hausstand. Solange der Mann allein verdient, muß die 
Sparkasse mehr oder weniger in Anspruch genommen 
werden, aber dank der verständig durch den Ältestenrat 
geregelten Entnahmen ist im schlimmsten Falle doch nie 
mals völlige Ebbe in der Kasse, bis dann nach der Schul 
entlassung und Einstellung der ersten Kinder in die 
Fabrik die Verhältnisse sich bessern, die Entnahmen auf 
hören, das Guthaben wieder anwächst zu einer will 
kommenen Rücklage für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit 
und des Alters. Mit den Zinsen ihres Guthabens, der staat 
lichen Invalidenrente und dem von der Firma zuerkannten 
Ruhegehalte führen unsere Invaliden ein recht behagliches 
Dasein, besonders wenn sie ein mit Hilfe der Prämien 
kasse für Hauserwerb erworbenes schuldenfreies Häuschen 
besitzen. 
Außerordentlich bewährt hat sich unsere Sparkasse in 
Zeiten schlechter Geschäftskonjunktur, in denen die 
Arbeitszeit eingeschränkt werden muß. Eine solche 
Periode haben wir jetzt gerade überwunden. Im No 
vember 1911 mußte die Arbeitszeit um 10% eingeschränkt 
werden. Laut Vorschlag der Firma und nach einem ent 
sprechenden Beschlüsse des Ältestenrats wurden für die 
Zeit der Einschränkung den Akkordarbeitern, und das ist 
der größte Teil unserer Belegschaft, die Einlagen in die 
obligatorische Sparkasse erlassen, bzw. freigestellt. Damit 
verringerten sich die baren wöchentlichen Einnahmen 
statt um 10% nur um 5% ihres normalen Einkommens, 
und da die Eirma den verheirateten Arbeitern noch 5% 
Aufschlag auf die Akkordlöhne zahlte, hatten diese in 
der Zeit der Einschränkung überhaupt keinen Ausfall in 
ihren baren Einnahmen, sondern lediglich einen Stillstand 
im Wachstum ihres Vermögens. Nach der langen Unter-
	        
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