Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

110  Die  Eisenbahnen:  Linienführung.
entwickelmig  durch  Ausfahren  von  Seitenthälern  ist  hier,  wie  das  Kärtchen  der  Abb.  70*)
zeigt,  wiederholt  zur  Anwendung  gebracht.  So  wird  z.  B.  das  liebliche  Schwarzathal
durchzogen  und  mittels  des  auf  13  Steinbogen  ruhenden,  228  m  langen  Payerbach-Viaduktes
  übersetzt.  Die  Linie  gewinnt  durch  diese  Seitenabschwenkung  zwischen  den  in
der  Luftlinie  nahe  benachbarten  Stationen  Gloggnitz  und  Eichberg  171  in  Höhe.  Die
Wasserscheide  des  Semmerings  überschreitet  die  Bahn  zwecks  Vermeidung  des  noch  87  in
höher  gelegenen  Paßscheitels  in  einem  1430  in  langen  Tunnel,  dessen  Scheitelpunkt
896  in  über  dem  Meeresspiegel  liegt.  Trotz  dieser  verhältnismäßig  geringen  Meereshöhe
sind  die  klimatischen  Verhältnisse  doch  derart,  daß,  um  das  Vereisen  des  Tunnels  zu  verhüten, ­
  dieser  im  Winter  an  beiden  Mündungen  durch  Thore  geschlossen  gehalten  und
durch  einige  Öfen  geheizt  werden  muß.  Die  Thore  werden  nur  bei  Durchfahrt  der

72.  Galerie  der  Wrinxettlwand  (Semmeringbahn).

Züge  geöffnet.  An  Kunstbauten  besitzt  die  nur  42  km  lange  Linie  zwischen  Gloggnitz  und
Mürzzuschlag  15  Tunnel  mit  4500rnGesamtlänge  und  135  Brücken,  darunter  16Thalbrücken,
  die,  zumeist  auch  in  scharfen  Krümmungen  liegend,  stattliche  Bauwerke  darstellen.
Eine  der  schwierigsten  Baustellen  war  die  an  der  steil  abfallenden  etwa  300  rn  hohen
Weinzettlwand  (Abb.  71).  Es  folgen  sich  hier  drei  Tunnel  in  kurzem  Abstande,  die  durch
zwei  gemauerte,  mit  Seitenöffnungen  versehene  Galerien  nach  Abb.  72  verbunden  sind.
Diese  hochinteressante,  695  m  lange  Strecke  liegt  teils  in  der  Geraden,  teils  in  einem
Bogen  von  190  m  Halbmesser.  Unter  den  Viadukten  ist  der  über  die  Kalte  Rinne
der  hervorragendste.  Inmitten  einer  großartigen  Gebirgswelt  errichtet,  ist  er  technisch
dadurch  bemerkenswert,  daß  er  bei  184  m  Länge  gänzlich  in  einer  Krümmung  von  nur
190  rn  Halbmesser  und  mit  einer  Steigung  der  Fahrbahn  von  25  °/ 00  erstellt  wurde.  Er
besteht  aus  zwei,  zusammen  46  rn  hohen  Stockwerken,  von  denen  das  untere  mit  fünf  Bogen

*)  Der  Lageplan  enthält  auch  in  punktierten  Linien  alle  die  anderen  in  damaliger  Zeit
aufgestellten  Vorschläge  zu  einer  Reibungsbahn  über  den  Semmering.  So  war  eine  Nordlinie
(b,  b)  von  Payerbach  über  Prein  am  Raxenbach  entlang  geplant,  mährend  ein  anderer  Entwurf ­
  (a,  a)  einen  6000  m  langen  Tunnel  zwischen  Prein  und  Spital  vorsah.  Da  man  aber
derzeit  noch  die  Herstellung  so  langer  Tunnel  scheute,  so  schied  diese  sonst  vorteilhafte  Linie
von  vornherein  aus.  Vergl.  damit  S.  128.
            
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