Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Eisenbahnen:  Linienführung.

aus  Quadermauerwerk,  das  obere  mit  zehn  Bogen  aus  Ziegeln  errichtet  ist,  also  eigentlich
zwei  Brücken  übereinander.  Abb.  73  läßt  den  Ban,  wenn  auch  stark  verkürzt,  erkennen
und  zeigt  auch  das  der  Semmeringbahn  eigentümliche  enge  Anschmiegen  der  Linie  an
das  Gelände.  Vielfach  wird  sie  durch  hohe  und  lange  Stützmauern  gesichert,  selbst
getragen.  Man  hat  sie  ihrer  vielen  Kunstbauten  wegen  nicht  mit  Unrecht  eine  gemauerte
Bahn  genannt.  Ihre  Anlagekosten  einschließlich  der  Ausgaben  für  Ausrüstung  betragen
  denn  auch  rund  50  Millionen  Mark,  das  macht  über  1  Million  Mark  für  das
laufende  Kilometer.
In  dieser  Ausführung  hat  sie  keine  Nachahmung  gefunden,  wie  schon  die  ihr  wenige
Jahre  später  folgende,  demselben  Lande  angehörige  Brennerbahn  zeigt.  Namentlich  führt
man  heutigestags  so  ausgedehnte  und  hohe  Thalübergänge*)  wohl  kaum  noch  stockwerkartig ­
  aus,  zieht  auch  der  Kostenersparnis  wegen  häufig  Eisen  vor.  Ein  solches  Beispiel
neuerer  Art  ist  außer  der  in  Abb.  65  u.  86  gezeigten  Anordnung,  die  1897  fertiggestellte
Müngstener  Thalbrücke  zwischen  Remscheid  und  Solingen  (Westfalen).  Ihre  Ansicht
ist  in  Abb.  74  wiedergegeben  (vergl.  auch  die  Tafel  beim  Abschnitt  „Brückenbau"),  um
einen  Vergleich  zwischen  einst  und  jetzt  auch  auf  diesem  Gebiete  zu  ermöglichen.  Sie  ist
die  ziveitgrößte  Brücke  auf  dem  europäischen  Festlande.  Ihr  170  m  weiter  Mittelbogen
liegt  im  Scheitel  mit  seiner  Unterkante  107  in  hoch  über  der  Wupper  und  ist  von  überwältigender ­
  Wirkung.  Ihr  Entwurf  und  ihre  Ausführung  rührt  von  der  Nürnberger
Maschinenbau-Gesellschaft  her,  die  damit  dem  deutschen  Brückenbau  zu  neuen  Ehren  verhelfen ­

  hat.  Überholt  wird  dieses  Kunstwerk  nur  von  der  Thalbrücke  über  den  Biaur
in  Frankreich,  deren  Mittelöffnung  220  in  Spannweite  und  116  in  Höhe  über  Thalsohle
besitzt.  An  Gesamtlänge  steht  sie  der  500  in  langen  Müngstener  Brücke  allerdings  nach.
England  übertrifft  bis  jetzt  durch  die  gewaltige  Firth  of  Forth-Brücke  (vergl.  Abb.  75
und  die  Abbildungen  im  folgenden  Abschnitte  über  Brückenbau)  alle  anderen  Eisenbahnbrücken ­
  der  Welt,  wie  es  auch  seiner  Zeit  die  erste  schmiedeeiserne  Eisenbahnbrücke  erstellte,
die  berühmte  Röhrenbrücke  über  die  Menai-Strait  im  Zuge  der  Eisenbahn  Chester-Holyhead(Abb.
  76).  Erbauer  dieser  Britanniabrücke  war  Robert  Stepheuson,  langjähriger
Leiter  der  von  seinem  Vater  George  gegründeten  Lokomotivfabrik  in  Newcastle-on-Tyne.
Die  Brücke  gilt  heute  noch  als  ein  Meisterwerk  der  Jngenieurkunst,  das  ein  unvergängliches ­
  Denkmal  seines  Schöpfers  bildet.  Gern  weilt  der  Fachmann  bei  ihrem  gewaltigen,
eigenartigen  Bau,  betrachet  sinnend  die  einfache,  aber  inhaltreiche  Inschrift  am  Portal:
„Robert  Stepheuson,  Engineer"  und  läßt  die  50  Jahre,  die  seit  ihrem  Bau  verflossen
sind,  an  seinem  geistigen  Auge  vorüberziehen.  Was  ist  in  ihnen  nicht  alles  ans  dem
Gebiete  des  Jngenieurweseus  geschaffen,  entwickelt  und  ausgereift,  wie  ist  dadurch  die
Kultur  gehoben  und  verallgemeinert,  wie  sind  dadurch  unsere  äußeren  Lebensverhältnisse
gründlich,  aber  segensreich  umgestaltet  worden!

*>  Besonders  hohe  Steinviadukte  früherer  Jahre  finden  sich  in  Sachsen,  wo  ihre  Höhe  über
Thalsohle  bis  80  in  erreicht,  wie  z.  B.  die  Muldenthalbrücke  der  Leipzig-Chemnitzer  Bahn
=  68  m)  und  der  berühmte  Göltzschthalviad  ukt  der  sächsischen  Staatsbahnen  (=  80  m).  —
Im  allgemeinen  kann  man  annehmen,  daß  bei  einer  Gleishohe  über  Thal  von  etwa  25  m  eine
Thalbrücke  einem  geschütteten  Damm  der  Kosten  und  Sicherheit  wegen  vorzuziehen  ist.  Örtliche
Verhältnisse  führen  auch  hier  zu  Ausnahmen;  so  finden  sich  in  Süddeutschland  mehrfach  Erddämme
von  etwa  30  in  Höhe,  während  der  Tamm  durch  das  Kohlbachthal  im  Zuge  der  Deggendorf-Eisenstein
  Bahn  sogar  45  in  hoch  ist.  Er  hat  mehr  als  l l 2  Million  Kubikmeter  Schüttmasse
erfordert.  Über  hölzerne  Thalbrücken  vergl.  S.  119.
            
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