Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

8  Entwickelung  des  Verkehrswesens  in  China,  Indien,  Arabien.
Ninives  eine  starke  Förderung  erfuhr,  bedingte  das  Entstehen  einer  großen  Anzahl  Verkehrswege, ­
  über  deren  Konstruktion  jedoch  bis  jetzt  nichts  bekannt  ist.  Es  dürste  sicher
sein,  daß  ihre  Beschaffenheit  durchgängig  eine  sehr  einfache  war.  Babylon  und  Ninive
waren  Knotenpunkte  von  Straßen,  welche  sich  durch  ganz  Westasien,  östlich  bis  Indien
und  Westchina,  südlich  bis  in  das  Land  der  Sabäer  erstreckten.
Im  Osten  Asiens,  in  China,  entwickelte  sich  gleichfalls  früh  ein  reges  Verkehrsleben,
dem  die  Ströme  des  Landes,  künstliche  Wege  und  Kanäle  dienstbar  gemacht  wurden.  Auf
dem  ältesten  Teil  des  Kaiserkanals  wurden  bereits  im  Altertum  Reis  und  andere  Produkte
transportiert,  die  als  Tribut  abzuliefern  waren.  Alle  12  Jahre  hatten  der  Kaiser  und
die  Vasallenfürsten  Visitationsreisen  auszuführen,  die  auf  weite  Strecken  zu  Wagen  zurückgelegt ­
  wurden  und  als  ein  Beweis  anzusehen  sind,  daß  die  Straßen  eine  gute  Beschaffenheit
besaßen.  Bei  Reisen  aus  allen  Provinzen  nach  der  Hauptstadt  konnten  Wagen  benutzt
werden.  Die  Wege  waren  geebnet  und  mit  Bäumen  bepflanzt.  Dieselben  waren  zum  Teil  so
breit,  daß  man  vierspännig  fahren  und  in  eilendem  Fluge  mit  Jagdwagen  über  sie  hinwegrollen ­
  konnte.  Die  geologische  Beschaffenheit  weiter  Flächen  des  chinesischen  Riesenreiches
gestaltet  die  Schaffung  der  Wege  zu  einer  höchst  eigentümlichen  Aufgabe.  Der  Löß,  eine
Bodenart,  die  sich  in  Deutschland  am  Rhein  findet,  führt  infolge  von  Auswaschungen  zu
tief  eingeschnittenen  Hohlwegen,  in  denen  der  Weg  steil  hinunter  führt,  um  nach  einiger
Zeit  wieder  an  die  Oberfläche  hinaufzusteigen.  Die  Lößwände  erheben  sich  an  diesen
Wegen  senkrecht  zu  großer  Höhe,  wie  dieses  die  Abb.  3  zeigt.  Die  bekannte  älteste  und
berühmteste  chinesische  Kunststraße  ist  die  Straße  über  den  Tsin-ling-schan  in  der  Provinz
Shensi.  Diese  Heerstraße  wurde  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  im  dritten  Jahrhundert
v.  Chr.  erbaut,  und  nach  dem  Ausspruche  des  Tirolers  Martini,  der  die  Straße  um  die
Mitte  des  17.  Jahrhunderts  gewandelt  ist,  stellte  dieses  Werk  alles  Ähnliche  aus  der  Welt
in  den  Schatten.  Wenn  auch  diese  Behauptung  eine  Übertreibung  enthält,  so  ist  doch
immerhin  dieser  Heerweg  nach  dem  Urteile  des  bekannten  Geographen  von  Richthofen  eine
sehr  beachtenswerte  Leistung  der  Straßenbautechnik.
In  Indien  ließen  Religion  und  Sitte  frühzeitig  Landstraßen  entstehen  und  war  es
besonders  der  König  Züoka  (300  v.  Chr.),  der  sich  außerordentlich  verdient  um  die  Schaffung
von  Wegen  machte.  Derselbe  ließ  die  Wege  mit  Karawanseraien,  Brunnen  und  Meilenzeigern
versehen.  Zwecks  Schaffung  dieser  Wege  wurden  Bäume  entfernt,  der  Boden  geebnet,  Felsen
durchbrochen,  Brücken  erbaut  und  zum  Abzug  des  Wassers  Kanäle  gegraben.
Schon  für  diese  frühe  Zeit  läßt  sich  erkennen,  wie  der  Welthandel  die  günstigsten
Routen  unter  Ausnutzung  der  jeweilig  zur  Verfügung  stehenden  Transportmittel  aufsuchte.
Zu  allen  Zeiten  lag  es  außerhalb  der  Macht  der  Menschen,  dem  Welthandel  seine  Bahn
vorzuschreiben,  vielmehr  ist  es  diesem  stets  nur  möglich  gewesen,  durch  die  Vervollkommnung
der  Verkehrsmittel  und  durch  die  Beseitigung  von  Verkehrshindernissen,  wie  beispielsweise
durch  die  Durchstechung  von  Landengen  auf  die  Richtung  des  Welthandels  dauernd  einzuwirken. ­
  Während  man  früher  glaubte,  den  Untergang  des  im  Süden  Arabiens  belegenen
Sabäerreiches  dem  Bruch  des  berühmten  Dammes  von  Marib  zuschreiben  zu  müssen,
durch  welches  Ereignis  die  blühenden  Fruchtgärten  zerstört  worden  seien,  neigt  man  sich
heute  der  Ansicht  zu,  daß  dieser  Untergang  die  Folge  eines  langsam  fortschleichenden  Übels,
nämlich  der  Verschiebung  einer  Welthandelsstraße  gewesen  ist.  Solange  die  Schiffahrt
noch  nicht  in  weitergehendem  Maße  ausgebildet  war,  hatten  die  Sabäer  allein  den
Karawanenhandel  vom  südlichen  und  östlichen  Arabien  bis  nach  Ägypten,  Syrien  und
den  Euphratländern  in  Händen  gehabt  und  waren  die  Vermittler  des  indischen  und
afrikanischen  Handels  gewesen.  Mit  der  sich  vervollkommnenden  Schiffahrt  wurden  die
Handelsstraßen  langsam  aber  sicher  aus  dem  Binnenlande  abgelenkt,  wodurch  die  nördlichen ­
  Provinzen  des  Sabäerreiches  immer  mehr  an  Bedeutung  verloren.
Der  von  den  Herrschern  Babyloniens  geschaffenen  Verbindung  mit  dem  Westen  ist
die  Verpflanzung  der  babylonischen  Kultur  nach  Europa  zu  verdanken.  Die  Phönizier
waren  die  Vermittler  und  Verbreiter  der  vorderasiatischen  Kultur,  die  gleichsam  eine
Verschmelzung  der  babylonisch-assyrischen  und  der  ägyptischen  Kultur  darstellte.  Neben
dem  Lande  wurde  das  Meer  fortan  in  ausgedehntem  Maße  dem  Verkehrswesen  dienstbar
            
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