Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

12  Entwickelung  des  Verkehrswesens.

artikel.  Von  Italien  wurden  Öl,  Weine,  feine  Geräte  und  zahlreiche  andere  Erzeugnisse
einer  gesteigerten  Kultur  nach  Deutschland  ausgeführt.
Fassen  wir,  bevor  wir  uns  dem  Mittelalter  zuwenden,  kurz  die  in  dem  Verkehrswesen ­
  im  Altertum  erreichte  Entwickelung  zusammen,  so  muß  betont  werden,  daß  in
mancher  Hinsicht  erst  in  unserem  Jahrhundert  wieder  die  gleiche  Leistungsfähigkeit  erreicht
worden  ist.  Mit  dem  vorderasiatischen  Auslande,  mit  Südarabien  und  Vorderindien
stand  Europa  im  direkten  Verkehr.  In  Europa  war  Germanien  dem  Zustande  der
Barbarei  entrissen,  und  bedeutende  Handelszentren  waren  in  diesem  Lande  entstanden,
die  auch  im  Mittelalter  ihre  Bedeutung  behielten.  Statt  des  Warenaustausches  fand  in
den  germanischen  Ländern  die  Geldbezahlung  Eingang.  Außerordentlich  fördernd  erwies
sich  für  den  Handel  der  Umstand,  daß  in  dem  großen  römischen  Weltreich  es  verhältnismäßig ­
  wenig  Schranken  gab,  wie  denn  auch  die  einheitliche  Reichsmünze  die  Möglichkeit
einer  raschen  und  reellen  Geschäftsabwickelung  ermöglichte.
Da  auch  in  Amerika  in  einzelnen  Teilen,  wie  in  Mexiko  und  Peru,  bereits  künstliche ­
  Wege  in  diesem  Zeitpunkte  existiert  haben  dürften,  so  war  ein  sehr  großer  Teil
unserer  Erde  dem  Verkehr  erschlossen,  doch  standen  nicht  alle  Verkehrsgebiete  untereinander
in  Verbindung.  Erde  und  Wasser  waren  dem  Waren-  und  Personeniransport  nutzbar
gemacht,  Lasttiere,  Fuhrwerke  und  Schiffe  dienten  als  Transportmittel.
Mit  dem  Untergange  des  römischen  Reiches  wurden  viele  Errungenschaften  einer
hochentwickelten  Kultur  zu  Grabe  getragen.  Zerstörung  war  während  eines  längeren  Zeitraumes ­
  innerhalb  weiter  Gebiete  des  einstigen  Weltreichs  die  Losung,  und  der  Zerstörungswut
kraftvoller  aber  barbarischer  Völker  fielen  zahlreiche  Schöpfungen  der  Jngenieurtechnik
aus  dem  Gebiete  des  Verkehrswesens  zum  Opfer.  Die  Verkennung  der  Bedeutung  des
Handels  bewirkte  naturgemäß  eine  Einschränkung  des  Verkehrs,  der  Welthandel  erlitt
eine  ganz  ungeheuere  Einbuße,  wodurch  das  Bedürfnis  nach  großen  Verkehrsrouten  sich
nicht  wie  früher  fühlbar  machte.  Auch  das  Mittelmeer  verlor  zunächst  seinen  Charakter
als  Kulturmeer  und  als  Vermittler  eines  intensiven  Handels.  Jahrhunderte  vergingen,
ehe  sich  wieder  ein  bewegtes  Leben  auf  diesem  hervorragendsten  aller  Binnenmeere  abspielte ­
  und  seine  Küsten  wiederum  der  Schauplatz  des  Kampfes  um  die  Herrschaft  über
dasselbe  und  um  den  durch  es  vermittelten  Welthandel  wurden.
Im  Osten  des  einstigen  römischen  Weltreiches  behauptete  Neu-Rom,  Byzanz,  nach
dem  Zusammenbruche  des  weströmischen  Reiches  eine  hervorragende  Stellung.  Konstantinopel ­
  übernahm,  wie  auf  vielen  anderen  Gebieten,  so  auch  auf  dem  des  Handels,  das
Erbe  Roms,  insbesondere  zog  sich  nach  dem  Emporium  am  Bosporus  der  Handel  mit
Indien,  der  bis  dahin  ein  Monopol  Ägyptens  gewesen  war.
Über  den  Persischen  und  Arabischen  Meerbusen  durch  Mesopotamien  und  Syrien  gelangten ­
  Jahrhunderte  hindurch  die  Produkte  jener  fruchtbaren  Länder,  die  kostbaren,  von
den  Menschen  hochgeschätzten  Gewürze  an  die  Gestade  des  Mittelländischen  Meeres.
Schon  ein  Necho  (und  vor  ihm  vielleicht  schon  Ramses  der  Große  [1386—1328  v.  Chr.j)
war  bemüht  gewesen,  die  Trennung  zwischen  dem  Mittelländischen  und  Roten  Meere  durch
einen  Kanal  zu  beseitigen  und  eine  direkte  Wasserverbindung  mit  dem  arabischen  Kupferlande ­
  und  besonders  mit  Indien  zu  schaffen.  Unter  den  Ptolemäern  (323—30  v.  Chr.)
ward  dieses  Unternehmen  zum  Abschluß  gebracht.  Die  widrigen  Winde,  welche  beinahe
unablässig  die  nördliche  Hälfte  des  arabischen  Golfes  bestreichen,  erschwerten  jedoch  die
Benutzung  des  Nilkanals  sehr.  Bereits  zu  Strabons  Zeiten  (66  v.  Chr.  bis  24  n.  Chr.)
fand  man  es  weniger  kostspielig,  nur  bis  Myos  hormos  zu  fahren  und  von  dort  in  sieben
Tagen  Koptos  am  Nil  zu  erreichen,  oder  man  kürzte  die  Schiffahrt  noch  mehr  ab,  indem
man  bei  Berenice  landete,  von  wo  Ptolemäus  Philadelphus  eine  Straße  mit  Karawanseraien ­
  und  Brunnen  hatte  herstellen  lassen,  auf  der  man  in  12  Tagen  bis  nach
Koptos  gelangte.  Die  alexandrinischen  Zwischenhändler  wurden  durch  ihren  Handel
außerordentlich  reich,  und  dieser  große  Reichtum  ließ  sie  allmählich  nachlässig  werden.  Die
Araber  und  die  Perser  wußten  sich  diesen  Umstand  zu  nutze  zu  machen  und  sich  des
asiatischen  Handels  immer  mehr  zu  bemächtigen.  Die  Perser  lernten  nach  der  Zerstörung
des  parthischen  Reiches  von  den  hindostanischen  Kaufleuten  die  Fahrt  nach  der  mala-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.