Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Robert  Stephenson  und  Seguin.  Wettfahrt  bei  Rainhill.
einhüllende  Kesselwasser  ab.  Die  Dampsentwickelung  des  „Röhrenkessels"  mußte  also  bei
genügender  Zugwirkung  des  Schornsteins  eine  wesentlich  bessere  sein  als  die  des  Flammrohrkessels; ­
  mithin  konnte  auch  die  Fahrgeschwindigkeit  bei  seiner  Benutzung  gesteigert
werden.  Um  den  nötigen  Luftzug  für  die  Verbrennung  zu  erzeugen,  der  bei  den  Röhrenbündeln ­
  noch  kräftiger  sein  mußte  als  bei  dem  Flammrohr,  stattete  Seguin  die  Lokomotive
mit  einem  auf  dem  Tender  angebrachten  und  von  der  Hinteren  Radachse  angetriebenen
Kreiselgebläse  aus,  das  die  Luft  in  die  Rostspalten  einblies  (Abb.  195).  Dasselbe  wurde
jedoch  bald  durch  das  Blasrohr  ersetzt,  das  Pelletan  unabhängig  von  Hackworth  in  Frankreich ­
  erfunden  haben  soll,  wie  Loblet  in  seinem  Buche  „vss  Obsinins  äs
Uranos"  1845  angibt.  Die  Erfindung  des  Blasrohrs  wird  sonach  für
Trevithik,  Hedley,  Gurney,  Hackworth,  G.  Stephenson  und  Pelletan  beansprucht! ­
  So  gut  auch  dieser  Seguinsche  Kessel  in  seiner  Wirkung  war,
so  wenig  geeignet  war  dessen  Lokomotivmaschine.  Die  Cylinder  saßen
senkrecht  an  der  Kesselseite  und  übertrugen  ihre  Arbeit  auf  die
Treibachse  durch  ein  Gewirre  von  Hebeln  und  Stangen.  Für
dauernde  Schnellfahrten  war  deshalb  auch  diese  Lokomotive
ungeeignet,  aber  sie  lehrte,  daß  Röhrenkessel  und  Blasrohr
zwei  unzertrennliche  Bestandteile  der  Lokomotive  sind.  Nur
deren  gleichzeitige  Anordnung  im  Verein  mit  einer  einfach
gehaltenen  Maschine  kann  allein  die  Lokomotive  lebensfähig
machen,  wie  auch  beide  Stephenson ­
  noch  erkennen  sollten.
Die  Gelegenheit  hierzu  bot  die
Betriebseröffnung  der  Liverpool-Manchesterbahn. ­

G.  Stephenson  war  auf
Grund  seiner  erfolgreichen
Thätigkeit  beim  Bau  der
Stockton  -  Darlingtonbahn
1826  zum  leitenden  Ingenieur ­
  der  zu  erbauenden  48  km
langen  Bahn  von  Manchester
nach  Liverpool  mit  einem
Jahresgehalt  von  20000Mk.
berufen  worden,  in  welcher
verautwortungsreichen  Stellung ­
  er  eine  höchst  verdienst-  196.  Nobcrt  Ktcphlnsons  Preistokomotivc  „Nockrt",  1829.
Volle  Thätigkeit  entwickelte.  Nach  „Engineering".
Zum  Befördern  der  Materialzüge ­
  während  des  Baus  dieser  Linie  hatte  seine  Fabrik  auf  Bestellung  eine  Lokomotive
geliefert.  Die  an  dieser  gesammelten  Erfahrungen  sprachen  aber  nicht  zu  gunsten  der
allgemeinen  Einführung  des  Lokomotivbetriebes.  Die  Direktoren  der  Bahn  hatten  deshalb, ­
  bestärkt  durch  ein  von  2  hervorragenden  Ingenieuren  eingeholtes  Gutachten  über
die  beste  Betriebsart  ihrer  Linie,  in  Aussicht  genommen,  die  Züge  durch  21  an  verschiedenen ­
  Stellen  der  Bahn  aufgestellte  stehende  Dampfmaschinen  mittels  Seiltriebes
befördern  zu  lassen.  Eine  derartige  Betriebsweise  stand  auf  einigen  Kohlenbahnen  mit
gutem  Ergebnis  in  Anwendung  und  gestattete  die  Wagenzüge  doppelt  so  rasch  zu  befördern, ­
  wie  es  bei  den  damaligen  Lokomotiven  der  Fall  war.  Auf  G.  Stephensons
Bemühungen  hin  erließ  jedoch  die  Bahnverwaltung  vor  ihrer  endgültigen  Entscheidung
ein  öffentliches  Preisausschreiben  auf  eine  geeignete  Lokomotive.  Dieselbe  sollte  nicht
über  6  t  engl.  =  6096  kg  wiegen,  bis  zu  einem  Gewicht  von  4570  kg  auf  4,  darüber
hinaus  auf  6  Rädern  ruhen,  das  dreifache  ihres  Eigengewichtes  mit  16  km  Stundengeschwindigkeit ­
  zu  ziehen  vermögen,  auf  Federn  ruhen,  einen  Kesseldrnck  von  höchstens
31/2  Atmosphären  besitzen  und  ihren  Rauch  selbst  verzehren.  Letzteres  war  in  der  ge-
            
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