Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Eisenbahnen:  Die  Lokomotive.

Colburns  Angaben  mittels  zwei  Röhren,  deren  Mündungen  ganz  einseitig  in  dem  viel  zu
weiten  Schornsteinrohre  saßen,  welch  mangelhafte  Anordnung  sogar  noch  bei  seiner
späteren  Preislokomotive  „Rocket"  zu  finden  war.  Die  Leistungsfähigkeit  des  „Royal
George",  sowohl  was  Geschwindigkeit  als  geförderte  Wagenlast  anbetrifft,  war  denn  auch
eine  größere  als  die  der  Stephensonschen  Lokomotiven,  von  denen  vier  auf  der  Stockton-Darlingtonbahn
  liefen.  (Eine  hiervon  explodierte  im  Jahre  1828  infolge  nachlässiger
Wartung  durch  den  Heizer.)  Kein  Wunder,  daß  die  Hackworthsche  Bauart  wegen  ihrer
Vorzüge  Nachahmung  in  anderen  englischen  Fabriken  fand,  vermochte  doch  der  „Royal
George"  auf  wagerechter  Strecke  gegen  130  000  kg  mit  8  km  Stundengeschwindigkeit
zu  ziehen.  Er  that  bis  zum  Jahre  1842  Dienst.  Ein  Modell  dieser  Lokomotive,  das
T.  Hackworth  vor  dem  Umbau  anfertigte,  befindet  sich  seit  1898  in  dem  South-Kensington-Museum,
  dem  es  die  Familie  jenes  unermüdlichen  Erfinders  überlassen  hat.
Anfang  1828  hatte  G.  Stephenson  die  Leitung  seiner  Fabrik  in  Newcastle  seinem
einzigen,  1803  geborenen  Sohne  Robert  übertragen,  der  von  1825—1827  in  technischen
Betrieben  Amerikas  thätig  gewesen  war.  Dieser  wandte  bei  den  im  Jahre  1828  von  ihm
gebauten  Lokomotiven  den  Hackworthschen  Achsenantrieb  an,  gestaltete  ihn  aber  dadurch
etwas  günstiger,  daß  er  die  Dampfcylinder  geneigt  legte,  wodurch  der  schädliche  Raum
und  damit  der  Dampfverbrauch  etwas  verringert  und  die  Federung  der  Treibachse  ermöglicht ­
  wurde.  Abb.  194  zeigt  diese  Bauart  und  zwar  die  „America",  die  1828  nach
Nordamerika  geliefert
wurde.  Die  Abbildung
ist  „The  Engineer“  1898
entnommen  und  nach
einer  alten  Arbeitszeichnung ­
  der  Stephensonschen ­
  Fabrik  gefertigt.
Die  Räder  sind  hier  von
Holz  mit  Eisenbeschlag.
Sonst  wurden  auch  in
einem  Stück  gegossene
gußeiserne  Räder  verwendet, ­
  bis  Wood  1827  die  schmiedeeisernen  Radreifen  erfand,  die  nicht  nur  viel  widerstandsfähiger ­
  gegen  Stöße  als  die  gußeisernen  Laufflächen  waren,  sondern  sich  auch,
wenn  abgenutzt,  leicht  ersetzen  ließen.  Heutigestags  werden  diese  Reifen  aus  dem  weit
härteren  und  zäheren  Stahl  gefertigt,  vergl.  hierüber  näheres  im  Abschnitt  „Güterwagen".
Ein  Vergleich  der  Abb.  194  u.  196  zeigt,  daß  die  „America"  den  Übergang  zu  der  ein
Jahr  später  erbauten  „Rocket"  bildet.  In  der  Leistung  stand  sie  dieser  aber  wegen  zu
geringer  Dampfentwickelung  noch  nach,  wozu  ihr  510  min  weiter,  dabei  zu  niedrig
gehaltener  Schornstein  nicht  wenig  beitrug.  Die  Heizfläche  war  allerdings  wesentlich
größer  als  sonst,  indem  2  Flammrohre  im  Kessel  lagen.
Durch  mangelhafte  Dampfentwickelung  zeichneten  sich  noch  zwei  Lokomotiven  aus,  die
Stephenson  im  Sommer  1829  für  die  Lyon-St.  Etiennebahn  nach  Frankreich  geliefert
hatte.  Nach  Clark  soll  hier  sogar  die  Einführung  des  Abdampfes  in  den  Schornstein
unterblieben  sein.  Ihre  Fahrgeschwindigkeit  ließ  sich  nicht  über  etwa  6  km  in  der  Stunde
steigern.  Sie  entsprachen  darum  auch  nicht  den  Erwartungen  ihrer  Besteller.  Marc
Siguin,  Ingenieur  dieser  französischen  Bahn,  baute  ihren  Kessel  nach  einem  eigenen,
Anfang  1828  für  stationäre  Dampfkessel  genommenen  Patente  um.  Er  ersetzte  die  großen
Flammrohre  durch  eine  Anzahl  enger,  den  Kessel  durchziehender  Heizröhren  und  legte
die  vom  Wasser  umspülte  Verbrennungskammer,  die  er  bei  seinem  stationären  Kessel  —  in
Mauerwerk  ausgeführt  —  vor  den  Langkessel  stellte  (Abb.  199),  hier  unter  denselben.
Die  Feuergase  mußten  nun  nach  Bestreichen  der  unteren  Kesselfläche  dieses  Röhrenbündel ­
  durchziehen,  das  im  Verein  mit  der  Wasserkammer  eine  wesentlich  größere  Heizfläche ­
  darbot,  als  die  Flammrohre.  Da  die  engen  Röhren  ferner  weit  dünnwandiger
sein  konnten,  als  die  letzteren,  so  gaben  sie  auch  die  Wärme  schneller  an  das  jedes  Rohr

195.  Krgnins  des  Alteren  Lokomotive  »nt  Nehrenkellet  und  Gektiilr,  1829/30.
            
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