Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  ersten  amerikanischen  Lokomotiven.
dem  erwähnten  Dampfmangel.  Auch  manche  der  anderen  nach  Amerika  gelieferten  Lokomotiven, ­
  bei  deren  Bestellung  keine  Rücksicht  auf  den  Gleisbau  genommen  war,  konnte
nicht  in  Betrieb  genommen  werden.
Die  mangelhafte  Gleisbeschaffenheit  in  Amerika  beruhte  teils  auf  Unkenntnis,  teils
auf  Geldmangel.  Bei  dem  Mißtrauen,  das  auch  dort  anfänglich  den  Eisenbahnen  entgegengebracht ­
  wurde,  waren  die  erforderlichen  Kapitalien  schwer  zu  beschaffen.  Äußerste
Einschränkung  in  allen  Bausachen  war  daher  geboten.  Infolgedessen  stellte  man  die
Bahn  so  billig  wie  möglich  her  und  legte  lieber  scharfe  Gleiskrümmungen  zur  Umgehung
von  Hindernissen  an,  als  daß  man  durch  Kunstbauten,  Einschnitte,  Dämme  u.  s.  w.  eine
zweckmäßigere  Linienführung  schaffte.  Auf  den  Oberbau  selbst,  die  Schienen  und
Schwellen,  war  wenig  Sorgfalt  verwendet.  Größere  Radbelastungen  waren  deshalb  unzulässig, ­
  daher  das  erwähnte  Versagen  so  mancher  englischen  Lokomotive  und  die  Anordnung ­
  einer  größeren  Zahl  von  Rädern  an  den  später  in  Amerika  erbauten  Lokomotiven.
Wegen  der  scharfen  Krümmungen  war  aber  ein  langer  starrer  Radstand,  d.  i.  die  Entfernung ­
  der  beiden  äußeren  Radachsen  voneinander,  ausgeschlossen,  man  war  gezwungen,
zum  Drehgestell  zu  greifen.  Dieses  war  also  eine  notwendige  Vorbedingung  für  den
amerikanischen  Eisenbahnbetrieb,  und  deshalb  finden  wir  es  drüben  schon  nach  wenigen
Jahren  überall  in  Benutzung,  bei  Lokomotiven  und  bei  Wagen.

209.  Erste  Fahrt  der  Lokomotive  „Ikö  deot  sriend  of  Charlestown“,  1830.

Unter  den  vorerwähnten  nach  Amerika  gelieferten  Lokomotiven  sind  mehrere  Bauarten
von  unverkennbarem  Einfluß  auf  den  amerikanischen  (und  teilweise  auch  deutschen)  Lokomotivbau
  gewesen;  eine  davon  sei  hier  genannt.
E.  Bury  in  Liverpool  hatte  1830  eine  neue  Kesselform  eingeführt,  indem  er  die  Feuerkiste ­
  nicht  wie  sonst  vierseitig  im  Grundriß,  sondern  cylindrisch  gestaltete  und  ihr  eine  kuppelartige
  Erhöhung  gab,  um  den  Dampfraum  über  der  Feuerbüchse  größer  zu  bemessen.  Bury
lieferte  20  Lokomotiven  dieser  Art  an  amerikanische  und  eine  größere  Zahl  an  englische
Bahnen.  Die  chlindrische  Feuerkiste  hat  zwar  den  Vorteil  großer  Steifigkeit,  ist  dafür  aber
schwieriger  herzustellen  und  bietet  auch  eine  kleinere  Heizfläche  dar.  Dennoch  war  sie  eine
Zeitlang  beliebt.  Auch  in  Deutschland  fand  sie  ausgedehnte  und  lange  Anwendung.  Abb.  208
zeigt  nach  „Th«  Engineer“  die  erste  nach  Amerika  gesandte  Bury-Lokomotive.
Stephenson  L  Co.  in  Newcastle  lieferten  1831  eine  geschichtlich  gewordene  Lokomotive
an  die  Camden-  und  Amboybahn.  Die  Feuerkiste  war  hier  aus  Wunsch  des  Bestellers  nach
der  vorgenannten  Bauart  cylindrisch  und  überhöht.  In  Amerika  wurde  diese  „John  Bull"
getaufte  Lokomotive  mehrfach  abgeändert  und  that  dann  lange  Jahre  Dienst.  Im  Jahre  1876
erschien  sie  als  Veteran  des  Eisenbahnwesens  auf  der  Weltausstellung  in  Philadelphia,  1883
desgleichen  auf  der  Eisenbahnausstellung  in  Chicago,  bis  sie  endlich  1893  ihre  denkwürdige
Fahrt,  trotz  ihrer  62  Jahre  noch  unter  eigenem  Dampf  lausend  zur  Weltausstellung  in
Chicago  machte.  Sie  legte  mit  zwei  Personenwagen  alter  Bauart  die  >468  km  lange  Strecke
von  Jersey  City  nach  Chicago  in  einer  Woche,  von  Montag  Vormittag  (10  Uhr)  bis  Sonnabend
Nachmittag  >3  Uhr)  zurück.  Während  der  Ausstellung  beförderte  sic  50  000  Besucher  derselben
und  dampfte  nach  Schluß  der  ersteren  nach  Washington,  um  im  Staatsmuseum,  in  Nachbarschaft ­
  des  „Stourbridge  Löwen",  endlich  die  wohlverdiente  Ruhe  zu  finden.
Die  ersten  in  Amerika  hergestellten  Lokomotiven  waren  nur  leichter  Bauart.  Peter
Cooper  führte  um  1828  eine  kleine  Versuchslokomotive  mit  stehendem  Kessel  aus;  ihm
folgten  noch  andere  Erfinder.  Alle  diese  kleinen,  oft  höchst  seltsamen  Lokomotiven  hatten
keinen  Erfolg.  So  baute  noch  um  das  Jahr  1830  E.  Miller  eine  Lokomotive  mit  stehen-
            
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