Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Vorteile  großer  Kolbengeschwiiidigkeit.  Ersatz  des  stehenden  Kessels  durch  den  liegenden.  231

Allerdings  sind  bei  der  Schiffsmaschine  Stangen  und  Zapfen  durchbohrt,  uni  dadurch  das
Gewicht  etwas  zu  mindern,  und  das  Schwungradgewicht  fallt  fort.  So  wiegt  die  1900  von
Borsig-Berlin  in  Paris  ausgestellte  Dampfmaschine  mit  40  000  lex  schwerem  Schwungradc
insgesamt  310  000  lex  und  leistet  bei  40  minütlichen  Umdrehungen  ihrer  Kurbelwelle  2000
bis  2800  Pferdestärken;  das  gibt  110  bis  155  kg  auf  eine  Pferdestärke.  Die  gleich  kräftige
Maschine  eines  Torpedojägers  macht  340,  also  8 1 /2  mal  so  viel  Umdrehungen  in  der  Minute
und  wiegt  nur  15  000  kg,  das  ist  nur  5  bis  7‘/ 2  kg  auf  eine  Pferdestärke.
Man  spart  durch  große  Geschwindigkeiten  also  an  Raum  und  Anlagekosten  und  wendet
sie  deshalb  heutigestags  innerhalb  gewisser  Grenzen  so  viel  als  möglich,  sowohl  im  allgemeinen
Maschinenbau  als  auch  im  Lokomotivbau,  an.
Bei  den  Reibungslokomotiven  einzelner  amerikanischer  und  englischer  Schnellzüge  ist  mau
zur  Zeit  bei  7  m/sec.  Kolbengeschwiiidigkeit  angelangt;  das  ist  ein  sehr  großer  Wert  vom
Standpunkt  des  Maschincnkonstrukteurs  aus.  Noch  vor  25  Jahren  ging  man  nicht  gern  über  4  m,
stieg  dann  auf  5  m,  um  auch  diese  Grenze  vor  kurzem  noch  erheblich  zu  überschreiten.

234.  Lokomotive  der  Pilatusbahn.
Erbaut  von  der  Schweizer  Lolomotiv-  und  Malchinensabrik  Winterthur.

Der  stehende  Kessel  der  Rigilokomotiven  erwies  sich  trotz  verschiedener  Vorzüge  tut
Betriebe  nicht  so  vorteilhaft  wie  der  liegende,  der  mittlerweile  ans  anderen  Bergbahnen,
zunächst  der  Arth-Rigibahn  durch  Riggenbach  und  1875  durch  Marsh  auf  dem  Mount
Washington  zur  Anwendung  gekommen  war.  Er  wurde  deshalb  vor  einigen  Jahren  durch
eine  zur  Längsachse  querliegende  Bauart  ersetzt,  wie  sie  in  ähnlicher  Anordnung  auch  die
Lokomotiven  der  Pilatusbahn  besitzen  (Abb.  234).  Die  Pilatuslokomotive  ist  im  Gegensatz
zu  den  anderen  Zahnradlokomotiven  mit  dem  Personenwagen  unmittelbar  verbunden  (oergl.
S.  140).  Da  wegen  der  starken  Steigung  dieser  Bahn  =  480  °/ 00  (fast  1:  2)  der  Wagen
sehr  leicht  gebaut,  die  Antriebskraft  aber  dennoch  verhältnismäßig  groß  sein  muß,  so  ist
die  Masse  des  34  Sitzplätze  enthaltenden  Wagens  zu  gering,  um  die  unvermeidlichen
„störenden"  Belvegungen  der  Lokomotive  genügend  abzuschwächen.  Dieselben  übertragen
sich  vielmehr  auf  die  Reisenden,  und  auf  keiner  Bahn  lvird  diese  unangenehme  Zu ­
            
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