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Eisenbahnen: Güterwagen.
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Jedes Eisenbahnfahrzeug muß an beiden Enden mit elastischen Stoß- und Zug
vorrichtungen versehen sein, um die Stöße der Wagen gegeneinander zu mildern. Im
Anfange der Lokomotivbahnen ließ man einfach die Haupt- oder Längsträger der Wagen
über die Stirnseite vorstehen (vergl. Abb. 267), fand aber bald, daß hierbei ein elastisches
Zwischenmittel unerläßlich sei, wenn der Wagen und seine Nutzlast geschont werden
sollte. Man setzte deshalb gegen die Stirnflächen der Längsträger oder gegen die Quer
träger Ledersäcke mit Roßhaar gefüllt (Abb. 208). Sie waren nicht dauerhaft genug und
wurden durch Eisenbuffer mit Gummischeiben ersetzt (vergl. Abb. 283). Da aber
Gummi seine Elastizität mit der Zeit verliert und brüchig wird, so ersetzte man es auf
den meisten Bahnen durch stählerne Spiralfedern. Statt der Hülse wird vielfach auch
ein sogenanntes Bufferkreuz verwendet, das jeder Zeit eine Besichtigung der Spiralfeder
ermöglicht. Abb. 282 zeigt die jetzt in Deutschland übliche Bufferanordnung. — Blatt
federn, gegen bereit Enden die beiden Bufferstangen sich stützen, werden im Auslande viel
benutzt. Um in Kurven das Abbrechen oder Verbiegen der Bufferteller zu verhindern,
auch das Verstellen der Wagen gegeneinander zu erleichtern, wird die rechte Bufferscheibe
(Rücken des Beschauers gegen die Wagenstirnseite gerichtet gedacht) gewölbt, die linke flach
gestaltet, so daß stets ein
gewölbter Bufferteller
auf einen flachen trifft.
Für geschlosieneZüge
im Stadtbahn- und Vor
ortverkehr kommen auf
englischen Bahnen be
sondere Bnfferanord-
nungen nach Abb. 283
zur Verwendung. Nur
die eine Stirnseite derselben besitzt elastische Stoß
buffer, die andere hat Stoßplatten aus Holz mit
Eisenverschalung. Die Wagen haben nur etwa
28 cm Zwischenraum gegen 135 cm der Haupt
bahnen, was den Luftwiderstand mindert und die
Zuglänge kürzt. Infolgedessen können auch die
Bahnsteige kürzer gehalten werden; auch kann
dieser enge Raum nicht mit einem offenen Abteil
283. Ausser drr NntergrnnLbahnrn in London, verwechselt werden, was sonst in dem Halbdunkel
und dem hastenden Gedränge der Londoner Unter
grundbahnen oder der Mersey-Tunnelbahn (Liverpool) nicht unmöglich wäre, zumal bei
den dort üblichen hohen Bahnsteigen.
Wagenkuppelung. In dem ersten Jahrzehnt der Dampfbahnen wurden die Fahr
zeuge einfach durch Ketten mit Haken verbunden. Hierbei war ein straffes Kuppeln der
Wagen, wie solches bei schnellfahrenden Zügen oder auf kurvenreichen Bahnen zwecks
Herbeiführung einer ruhigeren Gangart notwendig ist, nicht möglich. Um das Jahr 1840
führte die London-Birmingham Bahn zuerst die Schraubenkuppelung ein, deren mit
Rechts- und Linksgewinde versehene drehbare Spindel den vorberegten Mangel beseitigte.
Außer dieser Hanptkuppelung verband man auch noch in der Folge die Wagen durch je
zwei Notketten. Es zeigte sich aber, daß diese stets rissen, wenn erstere brach. In Deutsch
land werden sie deshalb jetzt fortgelassen. Nach mancherlei Verbesserungen und Ab
änderungen in Form, Anordnung und Stärke sind die dem Verein deutscher Eisenbahn-
Verwaltungen angehörigen Bahnen (vergl. hierüber S. 275) im Jahre 1877 zu der
in Abb. 284 wiedergegebenen Sicherheitskuppelung gelangt. Reißt die Haupt
kuppelung, so tritt die zweite Kuppelung in Wirksamkeit.
Bemessen wurde die Kuppelung seiner Zeit für eine größte Lokomotivzugkraft von
6500 kg, wie sie sich auf der damals im Vereinsgebiete bestehenden nngünstigsten Bahn
linie, der Semmeringbahn (vergl. S. 109), durch Versuche mit 200 000 kg schweren