Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Wagenkuppelung.  Selbstthätige  Kuppelung.  273
Güterzügen  auf  der  Steigung  von  25°/ 0o  und  in  der  Krümmung  von  190  in  Halbmesser
ergeben  hatte.  Nach  Versuchen  der  Technischen  Hochschule  zu  München  und  Wien  tritt
der  Bruch  dieser  Kuppelung  bei  etwa  35  000  kg  Zugkraft  ein.  Sie  bietet  also  eine
mindestens  fünffache  Sicherheit  gegen  Zerreißen.  Seitdem  ist  aber  die  Zugkraft  der
Lokomotiven  wesentlich  gesteigert.  Sie  erreicht  jetzt  im  Vereinsgebiete  einen  Höchstwert
von  10  000  kg  und  mehr.  So  große  Werte  treten  auch  auf,  wenn  auf  Steigungen
lange  Züge  durch  zwei  gewöhnliche  Güterzuglokomotiven  befördert  werden  müssen.  Auf
einigen  Bahnen  werden  deshalb  derartige  Züge  durch  die  zweite  Lokomotive  über  die
Steigung  geschoben,  statt  gezogen,  was  die  Kuppelung  wesentlich  schont  und  Zugtrennungen
  verhindert.  Aus  gleichem  Grunde  läßt  man  auf  den  steilen  Zahnbahnen  die
Wagen  bergan  durch  die  Lokomotiven  schieben  und  bergab  gegen  die  letzteren  sich  lehnen.
Die  Unfälle,  durch  Zerreißen  der  Kuppelung  herbeigeführt,  waren  vor  Einführung
der  Sicherheitsknppelung  zahlreich.  Durch  die  Festigkeit  der  Schraubenkuppelung  ist
übrigens  auch  die  Leistungsfähigkeit  der  Lokomotiven  nach  oben  begrenzt.  Will  man  für
bestimmte  Strecken  besonders  kräftige  Lokomotiven  bauen,  so  darf  deren  am  Zughaken
auszuübende  wirksame  Zugkraft  nicht  größer  sein,  als  die  zulässige  Beanspruchung  der
in  Benutzung  stehenden  Wagenkuppelung.
In  den  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika  sind  seit  Januar  1898  sämtliche
Eisenbahnfahrzeuge  mit  einer
selbstthätigen  Zentralbuffer-Kuppelung ­
  (ohne
Seitenbuffer)  ausgerüstet,  deren
Anordnung  eine  verschiedene
ist  (Miller-,  Janney-Kuppelung
u.  s.  w.).  Mit  ihr  sind  auch  bei
uns  Versuche  angestellt  worden,
da  sie  gegenüber  dem  Zweibuffersystem ­
  mancherlei  Vorzüge ­
  aufweist.  Bei  letzterem
ist  das  Ankuppeln  der  Wagen
keine  ungefährliche  Arbeit.  Alljährlich ­
  verunglücken  auf  den  28U  Sicherheitskupprlung  der  Wagen,
europäischen  Bahnen  zahlreiche
Leute  im  Rangierdienst,  die  beim  An-  und  Abkuppeln  der  Fahrzeuge  durch  die  Buffer
gequetscht  werden.  Eine  ganze  Anzahl  Anordnungen  sind  erdacht  und  meist  unter  Patent
gestellt,  um  diese  Arbeit  von  der  Außenseite  der  Wagen,  also  ohne  ein  Zwischentreten
zwischen  ihre  Kopfenden  zu  ermöglichen.  Auch  selbstthätige  Kuppelungen  für  das  Zweibuffersystem ­
  sind  ersonnen.  Aber  bis  heute  hat  noch  keine  dieser  vielen  Bauarten  den
mannigfachen  Anforderungen  des  Betriebes  genügt.  Die  wechselnde  Höhe  der  Zughaken, ­
  die  erforderliche  Beweglichkeit  in  den  Gleiskrümmungen,  das  sichere  Einfallen  in
den  Zughaken  und  doch  wieder  notwendige  leichte  Lösen  der  Kuppelung  erschweren  die
hier  vorliegende  Aufgabe  sehr.  Vielleicht  führt  eine  nicht  zu  ferne  Zukunft  auch  in
Europa  zu  einer  Zentralbuffer-Kuppelung  ähnlich  der  vorerwähnten  amerikanischen.
Ihre  Einführung  wird  zwar  große  Summen  erfordern,  aber  auch  eine  wesentliche  Verbesserung ­
  bilden.
Znghaken  und  Zugstange.  Abb.  284  zeigt  auch  die  eigenartige,  durch  die  Kräftewirkung ­
  bedingte  und  bereits  1843  von  Reifert  angegebene  Form  des  Znghakens.
Bis  zum  Jahre  1866  war  es  allgemein  üblich,  diesen  Zughaken  an  der  ihm  zunächst  liegenden ­
  Bufferbohle  zu  befestigen.  Zwischen  beiden  Teilen  lag  zur  Schonung  des  Wagens
eine  Feder.  Die  Zugkraft  der  Lokomotive  wird  bei  solcher  Anordnung  unmittelbar  von
Untergestell  zu  Untergestell  der  Wagen  übertragen  und  zwar  auf  dasjenige  des  ersten
Wagens  im  Zuge  in  ihrer  vollen  Größe,  auf  die  nachfolgenden  in  stetig  abnehmender.
Mit  dem  Anwachsen  der  Zuglasten  und  dem  entsprechender  Vergrößerung  der  Lvkvmotivleistungen
  ergaben  sich  aber  so  viele  Beschädigungen  der  Untergestelle,  daß  auf  Ab-
            
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