Ein liberaler Abgeordneter sagte im österreichischen
Parlament, dass sich dort der Pauperismus rascher aus
dehne, als in der Heimindustrie in den Städten ; dort
erreiche der Arbeitstag 18 Stunden, und sein Ertrag reiche
doch nur aus, um den Arbeiter höchstens mit Kartoffeln
zu versorgen ; dort richteten die Anämie und die an
steckenden Krankheiten ganze Thäler zu Grunde.*)
Wenn sich also die Collectivfabrik, oder besser gesagt
die Collectivmanufactur, noch erhält, wenn sie trotz ihrer
technischen Unvollkommenheit der furchtbaren Con-
currenz der centralisierten Fabrik widersteht, dann ge
schieht das auf Kosten einer Degradation und einer tiefen
Demoralisation der von ihr beschäftigten Arbeiter. Daher
muss man den Uebergang von diesen degenerierten For
men der individuellen Production zu den höheren Formen
der gemeinschaftlichen Production nicht nur begrüssen,
sondern sogar durch gesetzgeberische Massnahmen
fördern.**)
Optimistisch veranlagte Naturen könnten meinen, diese
Umformung werde das Werk von Genossenschaften sein,
die die Heimarbeiter organisierten und ihnen geeignete
Werkzeuge zur Verfügung stellten, damit sie den Kampf
gegen die capitalistische Industrie erfolgreich zu führen
vermöchten. Aber in den unendlich zahlreichen Fällen,
wo einem solche Hoffnungen als vollkommen chimärisch
erscheinen, müsste man doch noch als einen thatsäch-
lichen technischen und socialen Fortschritt betrachten,
wenn die Ausbeutung der Heimarbeiter durch das kauf
männische Capital der Ausbeutung der Arbeiter durch
das industrielle Capital in Werkstätten oder Fabriken
Platz machte.
*) Schwiedland: La repression du travail en chambre
(Revue d’Economic politique, 1897, pag. 580).
**) Ueber die vorgeschlagenen Massnahmen zur Unter
drückung der Heimarbeit siehe: Schwiedland: Ziele und
Wege der Heimarbeitergesetzgebung (Wien, 1899).