Full text : Die Entwickelung zum Socialismus

diese  Stätten  des  Elends  für  die  Producenten,  sind  ebensoviele
  Stätten  der  Ansteckung  für  die  Consumenten.
Der  Hygieniker  Fouquet  sagt  :  „Ganz  unzweifelhaft
entstehen  durch  die  Vermittelung  der  Waren  zwischen  den
verschiedenen  Classen  der  Gesellschaft  die  zahlreichsten
Beziehungen;  und  wenn  man  die  Verunreinigungen  der
Producte  bei  der  Hausarbeit  in  Betracht  zieht,  so  kann
man  sich  keineswegs  darüber  freuen,  dass  „diese  Art
von  Arbeit  dem  Familienvater  und  der  Mutter  erlaubt,
an  der  Seite  ihres  erkrankten  Kindes  zu  wachen,  ohne
ihre  Arbeit  zu  unterbrechen“.  Eine  Absonderung  dieser
Kranken  ist  nicht  möglich,  und  bei  diesen  armen  Leuten
werden  die  Kleidungsstücke,  die  sie  in  Arbeit  haben,  sehr
häufig  als  Decken  benutzt;  gerade  sie  sind  aber  besonders ­
  geeignet,  die  Keime  ansteckender  Krankheiten
aufzunehmen  und  weiter  zu  tragen.“*)
Es  hiesse  ohne  Zweifel  ein  ohnehin  schon  düsteres
Gemälde  noch  mehr  verdüstern,  wenn  man  diese  Gefahr,
diese  Missbräuche,  diese  verhängnisvollen  Consequenzen
allen  Arten  von  Heimarbeitern  zuschreiben  wollte.  Der
belgische  Handschuharbeiter  z.  B.,  der  durch  eine  strenge,
an  die  alten  Innungsformen  erinnernde  gewerkschaftliche
Organisation  geschützt  wird,  kennt  das  Elend  der  Schuster
und  Schneider  noch  nicht.**)  Aber  deshalb  bleibt  doch
nicht  minder  wahr,  dass  in  der  Mehrzahl  der  Fälle  die
Heimarbeiter  schlechter  behandelt  werden,  als  die  Fabrikarbeiter; ­
  und  was  wir  hier  von  den  Heimarbeitern  in
den  Städten  gesagt  haben,  das  gilt  auch  gleichermassen
und  häufig  noch  mit  einer  Verschärfung  des  Elends  für
die  Heimarbeiter  auf  dem  Lande.

*)  Sch  wiedland:  Travail  en  chambre  et  police  sanitaire. ­
  (Revue  d’Economie  politique,  1900,  pag.  230.)
**)  Ueber  die  Organisation  der  „collectivité  des  gantiers“
in  Brüssel  vergl.  mein  Buch  :  Enquête  sur  les  associations
professionelles  d’artisans  et  d’ouvriers  en  Belgique  (Brüssel,
Office  de  publicité,  1891).  Band  I,  pag.  55  ff.
            
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