Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Einleitung:  Entwickelung  des  Verkehrswesens.
welchem  Lande  sich  eine  Anzahl  am  Meere  belegene  Orte  wie  Charlestown,  Philadelphia,
New  Jork,  Boston,  Quebek  in  verhältnismäßig  kurzer  Zeit  zu  angesehenen  Handelszentren
entwickelten,  trat  allmählich  eine  Verschiebung  in  den  bisherigen  Handelsverhältnissen
Englands  ein.  An  die  Stelle,  welche  bis  dahin  Bristol  innegehabt  hatte,  trat  Liverpool, ­
  das  sich  in  rascher  Folge  zur  dritten  Stadt  des  Landes  erhob.  Gleichzeitig  mit
der  Entwickelung  Liverpools  nahm  das  Hinterland  dieses  Ortes  einen  außerordentlichen
Aufschwung.  Durch  die  Erfindung  der  Erzausbringuug  mittels  Steinkohle  erhielten  die
„schwarzen  Diamanten"  eine  bis  dahin  nicht  geahnte  Bedeutung.  Diese  wichtige  Erfindung
war  gegen  das  Jahr  1620  von  Dud  Dudley  gemacht  worden,  aber  erst  in  der  Mitte
des  17.  Jahrhunderts  wurde  die  Kohlenverwendung  im  Eiseuhüttenbetricb  allgemeiner.
Die  Steinkohle  wurde  allmählich  ein  Hauptfaktor  für  das  gesamte  Jndustriewesen,  und
deren  Gewinnung  nahm  einen  immer  größeren  Umfang  an.  Im  18.  Jahrhundert  begann
in  England  jene  Entwickelungsperiode,  welche  die  für  die  heutigen  Verhältnisse  grundlegenden ­
  Leistungen  und  Erzeugnisse  schuf.
In  einer  bewunderungswerten  Art  und  Weise  arbeiteten  sich  während  der  hier  in
Betracht  kommenden  Jahrzehnte  in  England  die  einzelnen  Zweige  der  Jngenieurtechnik  in
die  Hände.  Während  1740  die  Eisenproduktion  Englands  nur  17  130  t  betragen  hatte,
stieg  sie  im  Jahre  1796  bereits  auf  127  200  t.  Von  besonders  weitreichendem  Einflüsse
erwies  sich  die  Wattsche  Dampfmaschine;  durch  sie  konnten  die  zahlreichen  in  diese  Zeit
fallenden  Erfindungen,  besonders  diejenigen  auf  dem  Gebiete  des  Spinnens  und  Webens,
voll  ausgenutzt  werden.  Diese  Entwickelung  übte  nach  den  verschiedensten  Richtungen  hin
ihren  Einfluß  aus.  Auf  die  Beschleunigung  dieses  Prozesses  wirkten  die  sich  anbahnenden
Umbildungen  in  den  staatlichen  Anschauungen  mächtig  ein.  Immer  allgemeiner  erkannte
man,  daß  man  in  der  Förderung  von  Handel  und  Industrie  ein  Mittel  zur  Vermehrung
der  staatlichen  Einnahmen  und  zur  Hebung  des  Nationalwohlstandes  besaß,  und  immer
klarer  ward  der  Menschheit  die  Erkenntnis,  daß  die  vorhandene  Armut  auf  das  innigste
mit  den  unausgebildeten  Verkehrsverhältnissen  zusammenhing,  daß  die  Mangelhaftigkeit
derselben  die  Ursache  der  gering  entwickelten  Jndustriethätigkeit  war  und  einem  Gedeihen
der  Landwirtschaft  auf  das  feindlichste  entgegenstand.
Bei  der  Bedeutung  Englands  für  die  Ausbildung  der  modernen  Jngenieurtechnik
und  damit  des  heutigen  Verkehrswesens  ist  es  gerechtfertigt,  die  Verhältnisse  dieses  Landes
etwas  eingehender  zu  betrachten,  um  die  während  der  letzten  beiden  Jahrhunderte  vorgegangenen ­
  Umwandelungen  in  den  Verhältnissen  der  Menschheit  klar  zu  erkennen.
Der  Anblick,  den  England  im  17.  und  während  des  größeren  Teiles  des  18.  Jahrhunderts ­
  darbot,  hebt  sich  gewaltig  von  dem  Bilde  ab,  welches  das  moderne  England
gewährt.  Noch  nirgends  erhoben  sich  in  jener  Zeit  im  Lande  Fabrikschlote,  die  Luft  zeigte
noch  keine  Verunreinigung,  und  die  reine  und  kräftige  Luft  übte  gleichsam  eine  einschläfernde
Wirkung  auf  die  Bevölkerung  aus.  Nirgends  offenbarte  sich  etwas  von  der  Hast  und  Eile
unserer  Tage.  Langsam  und  doch  nicht  sicher  bewegten  sich  die  wenigen  Wagen  auf  den
nicht  zahlreichen  Straßen.  Die  Räuber  spielten  bis  zum  18.  Jahrhundert  eine  große
Rolle,  der  berittene  Räuber  befand  sich  auf  jeder  Hauptstraße,  und  es  ist  nur  zu  erklärlich,
daß  Räubergeschichten  stets  gern  und  gläubig  angehört  wurden.
Wie  in  anderen  Ländern,  so  waren  auch  in  England  die  Flüsse  in  früheren  Zeiten
durch  Wasserfänge  und  Dämme  für  die  Schiffahrt  unbrauchbar  gemacht  worden.  Jedoch
bereits  im  Jahre  1351  war  in  diesem  Lande  in  rücksichtslosester  Weise  die  Entfernung
aller  Schiffahrtshindernisse  zur  Durchführung  gekommen,  ohne  daß  den  Betroffenen
eine  Entschädigung  gewährt  worden  war.  Im  Jahre  1427  wurden  für  die  Regulierung ­
  der  Flüsse  und  zur  Beseitigung  der  Überschwemmungsgefahr  fünf  Kommissionen
eingesetzt,  die  eine  unumschränkte  Vollmacht  erhielten.  Die  Thätigkeit  dieser  Kommissionen
erstreckte  sich  auf  den  Lea,  die  Themse,  den  Severn  und  das  Stour-Flüßchen.  Mit  dem
Regierungsantritte  Marias  (1553)  trat  in  der  Entwickelung  des  englischen  Wasserstraßenwesens ­
  ein  Stillstand  ein,  und  erst  die  Rückkehr  der  Stuarts  nach  Cromwells  Tode  (1658)
brachte  einen  erneuten  Aufschivung.  Die  Regulierung  des  Wiltshire-Avon-Flusses  leitete
die  neue  Ära  eiu.  Die  Schiffbarmachung  des  Medway  ist  deshalb  besonders  erwähnenswert, ­
  weil  hierbei  zum  erstenmal  diejenige  Form  der  „Jnslebenrufung"  derartiger
            
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