Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Der  Verkehr  auf  der  Elbe.  417
Schiffergewerbe  eingeschlichen  hatten,  sowie  die  unter  den  Schiffern  sich  immer  stärker
geltend  machende  Konkurrenz  führten  dazu,  daß  nach  langen  Verhandlungen  eine  sogenannte
Reihenfahrt  zwischen  Preußen  und  Hamburg  vereinbart  wurde;  bedungen  war,  daß
jeder  an  der  betreffenden  Fahrt  und  an  dem  Vertrage  beteiligte  Schiffer  nur  dann  eine
Ladung  aufnehmen  durfte,  wenn  er  an  der  Reihe  zu  fahren  war.
Friedrich  der  Große  schuf  in  den  Jahren  1740—1746  eine  zweite  künstliche  Verbindung ­
  zwischen  der  Elbe  und  Oder  durch  den  Finow-  und  Plaueschen  Kanal.  Der
genannte  Fürst  führte  zur  Unterstützung  des  Magdeburger  Elbhandels  hohe  Zölle  ein,  die
bewirkten,  daß  zu  jener  Zeit  der  Hamburger  Handel  zur  Oberelbe  den  Umweg  über  den
Harz  nahm.  Diese  Verhältnisse  bewirkten  eine  Vernachlässigung  und  somit  eine  Verwilderung ­
  des  Elbstromes.  Zahlreiche  Uferabbrüche  fanden  statt,  und  das  Flußwasser
wurde  durch  viele  in  dasselbe  gestürzte  Bäume  für  die  Schiffahrt  geradezu  gefährlich.  In
diesen  traurigen  Verhältnissen  trat  erst  im  19.  Jahrhundert  eine  Besserung  ein.  Auf  dem
Wiener  Kongreß  geschah  der  erste  Schritt  zur  Abstellung  der  Übelstände.  Von  den
einst  vorhandenen  35  Zollstätten  blieben  leider  noch  immer  14,  von  Melnik  bis  Hamburg,
bestehen.  Die  Abgaben  auf  dieser  Strecke  beliefen  sich  einst  für  einen  Zentner  Waren
auf  24  Groschen,  und  es  kann  daher  nicht  befremden,  daß  diese  Belastung  schwer  empfunden
wurde.  Die  interessierten  Staaten  teilten  sich  gleichsam  in  zwei  feindliche  Lager.  Preußen,
Österreich,  Sachsen  und  Hamburg  erklärten  sich  für  die  freie  Schiffahrt,  Hannover,  Lauenburg ­
  und  Mecklenburg  wollten  den  Handel  möglichst  weitgehend  fiskalisch  ausbeuten.  Eine
vollständige  und  gründliche  Änderung  führte  erst  der  Wettbewerb  der  Eisenbahnen  herbei,
betrug  doch  die  Bahnfracht  weniger  als  die  auf  der  Elbe  zur  Erhebung  gekommenen  Zölle!
Im  Jahre  1863  wurden  alle  Zollstellen  mit  Ausnahme  derjenigen  zu  Wittenberge  aufgehoben, ­
  1870  hörten  endlich  alle  Elbzölle  auf.  Die  Regulierungsarbeiten  des  Stromes
wurden  erst  1840  in  Angriff  genommen  und  hatten  erst  nach  sehr  langer  Zeit  merkbare
Verbesserungen  des  Fahrwassers  im  Gefolge.  Noch  1869  war  die  Fahrwassertiefe  an
vielen  Stellen  nur  45  cm.  Die  geringe  Tiefe  sowie  die  vielfachen  Krümmungen  und
die  ungenügende  Fahrwasserbreite  waren  außerordentlich  störend.  In  den  Jahren  1869
bis  1885  wurden  im  ganzen  für  die  Verbesserung  des  Flußlaufes  67  Millionen  Mark
von  Preußen,  Hamburg,  Sachsen,  Österreich,  Anhalt  und  Mecklenburg  aufgewandt.  Welche
Früchte  dieses  Kapital  getragen  hat,  ist  aus  den  folgenden  Zahlen  zu  erkennen.  Das
Gewicht  der  bergwärts  gehenden  Güter  betrug:
1814  21000  1  1861  —  1870  340  000  1
1821  63000,,  1881  —  1885  1000000,,
1841  177000,,  1890  1  700  000,,
1851  300  000,,  1898  2  258  000,,
Diese  Zahlen  zeigen  deutlich,  welchen  enormen  Aufschwung  der  Handel  bei  einer
Unterstützung  nimmt,  und  welche  große  volkswirtschaftliche  Bedeutung  einer  sachgemäßen
Unterhaltung  und  Verbesserung  der  Flußläufe  beizulegen  ist.
Der  außerordentliche  Vorteil  des  Wassertransportes  liegt  in  seiner  Billigkeit.  So
kostet  der  Transport  von  einem  Meterzentner  Waren  von  Wien  nach  Triest  ebensoviel,  wie
die  Fracht  von  New  Jork  nach  London  beträgt,  und  die  Transportkosten  von  Paris  nach
Havre  sind  eben  so  groß  wie  die  von  Havre  nach  Montevideo.  Diese  Billigkeit  hat  es  ermöglicht, ­
  daß  die  Rohprodukte  aus  den  überseeischen  Ländern  bezogen  werden  können,  und
daß  eine  namhafte  Ermäßigung  in  dem  Preise  notwendiger  Konsumartikel  eingetreten  ist.
Ein  sehr  wichtiger  und  gefährlicher  Rivale  ist  der  Binnenschiffahrt  in  unserem  Jahrhundert ­
  in  den  Eisenbahnen  entstanden,  ein  Rival,  der  jedoch,  wie  z.  B.  im  Falle  der  Elb-Zölle,
  hin  und  wieder  eine  gute,  heilsame  Wirkung  ausgeübt  hat.  Sollte  die  Schiffahrt
kn  diesem  heißen  Konkurrenzkämpfe  nicht  unterliegen,  so  war  eine  stete  Ermäßigung  der
Frachtkosten  ein  Erfordernis.  Das  Streben  nach  einer  immer  weiteren  Ermäßigung  der
Frachtkosten  führt  naturgemäß  zu  einer  beständigen  Vergrößerung  des  Schiffsladeraumes,
ü>as  wiederum  einen  möglichst  großen  Tiefgang  wünschenswert  erscheinen  läßt.  Dieser
größere  Tiefgang  bedingt  eine  größere  Tiefe  der  Wasserläufe,  und  überall  sehen  wir
daher,  daß  die  vorhandenen  Tiefen  als  nicht  ausreichend  bezeichnet  werden.  Diese
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