Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

420 
Flußläufe und Flußschiffahrt. 
Tiefgang befahren werden. Auch die übrigen Nebenflüsse des Parana, der Paranahyba, 
Tiete und Iguaffu, sind schiffbar, und der Flußverkehr auf ihnen entwickelt sich in 
steigendem Maße. 
So bedeutend einige der afrikanischen Ströme, wie der Nil und der Kongo, auch 
sind, hinsichtlich der auf ihnen betriebenen Schiffahrt stehen sie weit hinter manchen viel 
kleineren Flüssen in den anderen Erdteilen zurück; doch auch hier ist ein erfreulicher 
Aufschwung wahrnehmbar. Seit 1894, dem Zeitpunkte, zu welchem das Kamerungebiet 
an den Ssangafluß angeschlossen worden ist, hat auch Deutschland ein direktes Interesse 
an der Entwickelung der Kongoschiffahrt. Heute befahren bereits 42 Dampfer den 
oberen Stromlauf und seine Nebenflüsse. Seit dem Jahre 1896 besteht eine regel 
mäßige Dampferverbindung zwischen dem Stanleypool und den Stanleyfalls. Ein im 
Bau begriffener Dampfer soll fortan ausschließlich der Beförderung der Reisenden und 
der Postsachen dienen; er wird die Fahrt bis zu den Fällen in elf Tagen, die Nieder 
fahrt in fünf Tagen zurücklegen. Die zurückzulegende Strecke hat eine Länge von 
1200 km, d. h. sie entspricht der Entfernung von Königsberg nach Straßburg. 
Während Europa, Asien, Afrika und Amerika reich an Flüssen sind, von denen in 
dem Vorangegangenen allerdings nur wenigen eine eingehendere Betrachtung zu teil 
werden konnte, ist der fünfte Erdteil, Australien, nach dieser Richtung hin von der 
Natur sehr stiefmütterlich behandelt worden. Das trockene Klima begünstigt nicht die 
Entstehung von Flüssen, die den größeren Teil des Jahres hindurch aus einer Reihe von 
Wasserlachen und Sümpfen bestehen. So mancher vom Gebirge stattlich herabkommende 
Strom versiegt einige Meilen weiterhin, und nur der 1350 km lange Murray, den 
die Schneemassen der australischen Alpen nähren, ist ein permanenter Strom. Aber 
auch er endigt in einem Binnensee. Bessere Aussichten gewähren mehrere Ströme im 
Norden der Kolonie Queensland, wo der Brisbane bis zur Hauptstadt gleichen Naniens 
für Seeschiffe befahrbar ist; eine Zukunft dürfte wohl auch der Schwanenfluß in West 
australien haben. 
Wenn auch die Bedeutung der Ströme als Mittel für den Frachttransport bei 
weitem ihre Benutzung für den Personenverkehr überwiegt, so ist der letztere doch 
nicht zu unterschätzen. Namentlich vollzog sich vor Erfindung der Eisenbahnen ein für 
die damaligen Verkehrsverhältnisse nicht unbeträchtlicher Teil des Reiseverkehrs auf den 
Strömen. Die Ströme bieten in der Thalfahrt in der That ein so bequemes Mittel 
zum Transport, daß ihre frühzeitige Benutzung zum Personenverkehr nur zu erklärlich ist. 
Besonders am Mittelrhein bewegte sich der Reiseverkehr seit alten Zeiten vorzugsweise 
aus dem Wasserwege. Anfangs wurden zu diesem Zwecke unbedeckte, später mit Tuch 
überspannte Nachen und Schiffe benutzt. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts begann 
man diese Schiffe bequemer auszustatten; im vorigen Jahrhundert versah man sie sogar 
mit komfortablen Zimmereinrichtungen. Die seit der Mitte des 18. Jahrhunderts den 
Rheinreiseverkehr vermittelnde sogenannte Wasserdiligence bestand aus drei abgesonderten 
Räumen mit Glasfenstern. Das platte Verdeck war mit Geländern und Bänken aus 
gerüstet. Neben dem Fahrzeug befand sich ein mit Segeltuch überspanntes Boot, das 
den Schiffern und Bedienten zum Aufenthalt diente. Für die Reise von Mainz nach 
Köln brauchten diese Diligencen zwei Tage, für die Rückfahrt drei Tage. Bis Köln 
betrug der Fahrpreis 12 Gulden. Für eine Jacht mit drei Zimmern waren von Mainz 
bis Köln 37 Gulden zu entrichten. 
Die einen regelmäßigen Personenverkehr vermittelnden sogenannten Marktschiffe 
dürften nach den überkommenen Mitteilungen zuerst im Anfange des 12. Jahrhunderts 
ihre Fahrten ausgeführt haben. Das älteste Marktschiff scheint das Mainz-Frankfurter 
gewesen zu sein. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde zwischen den Räten der Städte 
Mainz und Frankfurt eine Ordnung über die Benutzung dieser Marktschiffe vereinbart. 
Zwischen den Mainzer Kurfürsten und dem Frankfurter Rat bestanden jedoch in der 
Folgezeit fortwährend Streitigkeiten darüber, wer solche Fahrten unternehmen zu lassen 
das Recht hatte, wer auf den Landungsplätzen Wein feilhalten und Musik machen lassen 
durfte u. s. w. Die Marktschisfahrten wurden schon früh derart geregelt, daß täglich je ein
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.