Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

W  I  MARY  POWELL.  '

433.  Nudlondmnpfer.
Boot  keineswegs  ein  Dampfboot  war.  Das  von  dem  Marquis  Claude  Jouffroy  im
Jahre  1776  erbaute  Boot  bewährte  sich  zunächst  nicht,  später  fand  dieser  Erfinder  nicht
die  erforderliche  Unterstützung.  In  dem  Jahre  1788  erbaute  Symington  ein  Lustboot,
doch  fielen  die  Versuche  auf  dem  Clydekanal  ebenfalls  nicht  günstig  aus.  An  die  Namen
Evans,  Fitsch  und  Rumsey  knüpft  die  weitere  Entwickelung  an.  Fulton  gelang  der
Wurf;  das  erste  große  von  ihm  erbaute  Dampfboot  „Clermont",  von  dem  Volke  spöttisch
„Fultons  Narrheit"  genannt,  fuhr,  nachdem  der  Erfinder  es  unter  dem  Hohngelächter
der  versammelten  Menge  bestiegen  hatte,  stolz  und  sicher  von  der  Werft  nach  dem  Hudson,
auf  welchem  Flusse  heute  die  prächtigsten  Dampfer  verkehren,  deren  2500  bis  4000  Pferdestärken ­
  aufweisende  Maschinen  ihnen  eine  Geschwindigkeit  bis  zu  20  Knoten  in  der
Stunde  verleihen.
Im  Jahre  1816  erschien  das  erste  Dampfboot  auf  dem  Rhein,  ein  sogenanntes
englisches  „Pläsierschiff",  das  nicht  geringes  Erstaunen  hervorrief.  In  demselben  Jahre
wurde  die  Dampfschiffahrt  auf  der  Elbe  eröffnet.  Auf  dem  Rhein  entstand  das  erste
Dampfschiffsunternehmen  im  Jahre  1826  (Preußisch-Rheinische  Dampfschiffahrtsgesellschaft
in  Köln).  Auf  der  Donau  entwickelte  sich  die  Dampfschiffahrt  seit  dem  Jahre  1830.

Verkehr  auf  Flüssen.  421
Schiff  von  Mainz  nach  Frankfurt  und  in  umgekehrter  Richtung  fuhr.  In  diesen  Marktschiffen ­
  befanden  sich  gewöhnlich  hundert  und  mehr  Menschen,  und  auf  denselben  spielte  sich
daher  ein  sehr  bewegtes  Leben  ab.  Auf  dem  Rhein  verkehrten  u.  a.  zwischen  Bingen  und
Mainz,  Mainz-Oppenheim,  Mainz-Nierstein,  Mannheim-Worms,  Bingen-Kaub  derartige
Marktschiffe,  deren  Fahrten  bis  zum  Ausbruch  der  Französischen  Revolution  dauerten.  Auch
auf  der  Donau  gingen  zwischen  Regensbnrg  und  Wien  bis  vor  wenigen  Jahrzehnten  die
sogenannten  „Ordinarischiffe".
Durch  die  Dampfmaschine  erfuhr  der  Wasserstraßenverkehr  in  ähnlicher  Weise
wie  der  Landverkehr  eine  vollständige  Umgestaltung.  Eifrig  war  man  bemüht,  die
Dampfkraft  der  Schiffahrt  sobald  als  möglich  zur  Verfügung  zu  stellen.  Früher  glaubte
man,  daß  das  erste,  von  Papin  konstruierte  Dampfboot  bei  Münden  rohen  Schifferknechten
zum  Opfer  gefallen  sei,  eine  Nachricht,  die  sich  als  irrtümlich  herausgestellt  hat,  da  jenes

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