Seekanäle.
506
12 km, mit 60 m breiter Sohle hergestellt worden, in denen die Handelsschiffe so lange
festlegen können, bis die begegnenden Kriegsschiffe vorüber gefahren sind. Im Audorfer
See ist außerdem noch für Schiffe jeder Größe die Möglichkeit zum Wenden gegeben.
An den vom Kanal durchschnittenen Landwegen und an weniger verkehrsreichen Land
straßen wurden zur Überführung des Verkehrs Fähren eingerichtet, bestehend aus eisernen
für vier Fuhrwerke Raum bietenden Prähmen, die an im Kanal versenkten Drahtseilen von
Hand von einem Ufer zum anderen gezogen werden. Die Landstraße von Itzehoe nach
Rendsburg ist in der Nähe von Rendsburg mittels einer Drehbrücke über den Kanal ge
führt, außerdem dienen die Hochbrücken bei Grünenthal und Levensau neben dem Bahn
verkehr auch dem Straßenverkehr.
Für die Ausführung mußten rund 4000 ha Land zum Gesamtwert von etwa
9 Millionen Mark erworben werden, dazu kamen noch Aufwendungen im Betrage von
1 Lz Millionen für Wirtschaftserschwernisse und Betriebsstörungen. Vom Sommer 1888
bis Frühjahr 1895 herrschte auf der ganzen Strecke eine rege Banthätigkeit zur Bewältigung
des im ganzen 82 000000 cbm betragenden Erdaushubes. Die rechtzeitige Vollendung
iväre nicht möglich gewesen, wenn die Unternehmer nicht auch in den im Trockenen aus-
znhebenden Einschnitten von den in Deutschland früher nur vereinzelt angewandten
Trockenbaggern ausgedehnten Gebrauch gemacht hätten. Zur Zeit des größten Trocken
aushubs im Jahre 1892 waren 28 Trockenbagger gleichzeitig im Betrieb, und zur Förde
rung der ausgeschachteten Massen dienten 94 Lokomotiven und 2756 Erdtransportwagen.
Mit der nach der Tiefe fortschreitenden Vollendung des Kanalbettes nahm die Zahl der
Trockenbagger naturgemäß ab, die der Schwimmbagger und Elevatoren zu, die bis auf
38 Stück stieg, dazu kamen noch 270 Schleppdampfer, Dampfprähme, Schuten und sonstige
Schiffsgefäße. Die Stellung der sämtlichen zur Ausführung der Erdarbeiten nötigen Geräte
und Maschinen war Sache der Unternehmer; zur Ausbaggerung der Häfen an den Mün
dungen wurden zwei von der Kanalverwaltung für die künftige Unterhaltung beschaffte
Eimerbagger und 7 Dampfprähme in Dienst gestellt; mit den letzteren wurde das Bagger
gut weit hinaus in die Ostsee und in die Elbe gefahren und dort ausgekippt.
Der aus dem Kanalbett gewonnene Boden mußte, soweit er nicht zu Deichen und
Bahn- oder Wegdämmen verwendet werden konnte, aus den Trockeneinschnitten mittels
Lokomotiven auf seitliche Ablagerungsflächen verbracht werden, auf denen er stellenweise
zu ganzen Bergen aufgetürmt worden ist. Die mit Naßbagger gewonnenen Massen
wurden mittels Klappprähme in der Ostsee, im Flemhuder See oder in den Obereiderseen
ausgekippt oder, wo solche Wasserbecken fehlten, mittels Elevatoren oder Spülbagger auf
seitliche Ablagerungsflächen gespült (Abb. 501).
Mancher, der den Kanal befährt, wird der Ansicht sein, daß die Ausführung des
Kanals in der Kudenseer Niederung, wo das Land so eben ist, daß vom Schiff aus der
in 20 km Entfernung vom Kanal befindliche Kirchturm von Itzehoe deutlich zu sehen ist,
und der fertige Kanal einem großen Graben gleicht, mit geringer Mühe möglich gewesen
ist, und bei der Weiterfahrt durch den tiefen Einschnitt durch die Wasserscheide zwischen
Elbe und Eider bei Grünenthal vielleicht im stillen staunend der Schwierigkeiten ge
denken, die die Herstellung dieser Einschnitte gemacht haben mag. Aber gerade umgekehrt
verhält es sich: die größten Schwierigkeiten stellten sich der Ausführung des Kanals durch
die Kudenseer Niederung und aus ähnlichen Strecken entgegen. Der Untergrund in diesem
Moorgebiet war auch bei fester Oberfläche so weich, daß ohne besondere Vorkehrungen
der Aushub des Kanals gar nicht möglich gewesen wäre, weil auch bei flachster Neigung
der Böschungen die Einschnittswände nicht stehen geblieben, sondern immer wieder zu
sammengeflossen wären. Vor Beginn der Ausschachtung lvurden in solchen Strecken
auf beiden Ufern breite Dämme aus Sand, der aus entfernten Einschnitten herbeigefahren
werden mußte, geschüttet; der schwere Sand sank in den weichen Untergrund ein, stellen
weise bis zu 13 m, dabei starke Auftreibungen bis zu 3 in über die ursprüngliche Boden
oberfläche nach beiden Seiten bildend; es wurden die Sanddämme so lange nachgeschüttet,
bis kein weiteres Versinken mehr stattfand. Auf diese Weise wurden widerstandsfähige Ufer
gebildet, zwischen denen die Ausschachtung und Ausbaggerung ausgeführt werden konnte;
zugleich dienten die Sanddämme auch dazu, die in der Niederung erforderlichen Deiche