Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Seekanäle.

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12  km,  mit  60  m  breiter  Sohle  hergestellt  worden,  in  denen  die  Handelsschiffe  so  lange
festlegen  können,  bis  die  begegnenden  Kriegsschiffe  vorüber  gefahren  sind.  Im  Audorfer
See  ist  außerdem  noch  für  Schiffe  jeder  Größe  die  Möglichkeit  zum  Wenden  gegeben.
An  den  vom  Kanal  durchschnittenen  Landwegen  und  an  weniger  verkehrsreichen  Landstraßen ­
  wurden  zur  Überführung  des  Verkehrs  Fähren  eingerichtet,  bestehend  aus  eisernen
für  vier  Fuhrwerke  Raum  bietenden  Prähmen,  die  an  im  Kanal  versenkten  Drahtseilen  von
Hand  von  einem  Ufer  zum  anderen  gezogen  werden.  Die  Landstraße  von  Itzehoe  nach
Rendsburg  ist  in  der  Nähe  von  Rendsburg  mittels  einer  Drehbrücke  über  den  Kanal  geführt, ­
  außerdem  dienen  die  Hochbrücken  bei  Grünenthal  und  Levensau  neben  dem  Bahnverkehr ­
  auch  dem  Straßenverkehr.
Für  die  Ausführung  mußten  rund  4000  ha  Land  zum  Gesamtwert  von  etwa
9  Millionen  Mark  erworben  werden,  dazu  kamen  noch  Aufwendungen  im  Betrage  von
1  Lz  Millionen  für  Wirtschaftserschwernisse  und  Betriebsstörungen.  Vom  Sommer  1888
bis  Frühjahr  1895  herrschte  auf  der  ganzen  Strecke  eine  rege  Banthätigkeit  zur  Bewältigung
des  im  ganzen  82  000000  cbm  betragenden  Erdaushubes.  Die  rechtzeitige  Vollendung
iväre  nicht  möglich  gewesen,  wenn  die  Unternehmer  nicht  auch  in  den  im  Trockenen  ausznhebenden
  Einschnitten  von  den  in  Deutschland  früher  nur  vereinzelt  angewandten
Trockenbaggern  ausgedehnten  Gebrauch  gemacht  hätten.  Zur  Zeit  des  größten  Trockenaushubs ­
  im  Jahre  1892  waren  28  Trockenbagger  gleichzeitig  im  Betrieb,  und  zur  Förderung ­
  der  ausgeschachteten  Massen  dienten  94  Lokomotiven  und  2756  Erdtransportwagen.
Mit  der  nach  der  Tiefe  fortschreitenden  Vollendung  des  Kanalbettes  nahm  die  Zahl  der
Trockenbagger  naturgemäß  ab,  die  der  Schwimmbagger  und  Elevatoren  zu,  die  bis  auf
38  Stück  stieg,  dazu  kamen  noch  270  Schleppdampfer,  Dampfprähme,  Schuten  und  sonstige
Schiffsgefäße.  Die  Stellung  der  sämtlichen  zur  Ausführung  der  Erdarbeiten  nötigen  Geräte
und  Maschinen  war  Sache  der  Unternehmer;  zur  Ausbaggerung  der  Häfen  an  den  Mündungen ­
  wurden  zwei  von  der  Kanalverwaltung  für  die  künftige  Unterhaltung  beschaffte
Eimerbagger  und  7  Dampfprähme  in  Dienst  gestellt;  mit  den  letzteren  wurde  das  Baggergut ­
  weit  hinaus  in  die  Ostsee  und  in  die  Elbe  gefahren  und  dort  ausgekippt.
Der  aus  dem  Kanalbett  gewonnene  Boden  mußte,  soweit  er  nicht  zu  Deichen  und
Bahn-  oder  Wegdämmen  verwendet  werden  konnte,  aus  den  Trockeneinschnitten  mittels
Lokomotiven  auf  seitliche  Ablagerungsflächen  verbracht  werden,  auf  denen  er  stellenweise
zu  ganzen  Bergen  aufgetürmt  worden  ist.  Die  mit  Naßbagger  gewonnenen  Massen
wurden  mittels  Klappprähme  in  der  Ostsee,  im  Flemhuder  See  oder  in  den  Obereiderseen
ausgekippt  oder,  wo  solche  Wasserbecken  fehlten,  mittels  Elevatoren  oder  Spülbagger  auf
seitliche  Ablagerungsflächen  gespült  (Abb.  501).
Mancher,  der  den  Kanal  befährt,  wird  der  Ansicht  sein,  daß  die  Ausführung  des
Kanals  in  der  Kudenseer  Niederung,  wo  das  Land  so  eben  ist,  daß  vom  Schiff  aus  der
in  20  km  Entfernung  vom  Kanal  befindliche  Kirchturm  von  Itzehoe  deutlich  zu  sehen  ist,
und  der  fertige  Kanal  einem  großen  Graben  gleicht,  mit  geringer  Mühe  möglich  gewesen
ist,  und  bei  der  Weiterfahrt  durch  den  tiefen  Einschnitt  durch  die  Wasserscheide  zwischen
Elbe  und  Eider  bei  Grünenthal  vielleicht  im  stillen  staunend  der  Schwierigkeiten  gedenken, ­
  die  die  Herstellung  dieser  Einschnitte  gemacht  haben  mag.  Aber  gerade  umgekehrt
verhält  es  sich:  die  größten  Schwierigkeiten  stellten  sich  der  Ausführung  des  Kanals  durch
die  Kudenseer  Niederung  und  aus  ähnlichen  Strecken  entgegen.  Der  Untergrund  in  diesem
Moorgebiet  war  auch  bei  fester  Oberfläche  so  weich,  daß  ohne  besondere  Vorkehrungen
der  Aushub  des  Kanals  gar  nicht  möglich  gewesen  wäre,  weil  auch  bei  flachster  Neigung
der  Böschungen  die  Einschnittswände  nicht  stehen  geblieben,  sondern  immer  wieder  zusammengeflossen ­
  wären.  Vor  Beginn  der  Ausschachtung  lvurden  in  solchen  Strecken
auf  beiden  Ufern  breite  Dämme  aus  Sand,  der  aus  entfernten  Einschnitten  herbeigefahren
werden  mußte,  geschüttet;  der  schwere  Sand  sank  in  den  weichen  Untergrund  ein,  stellenweise ­
  bis  zu  13  m,  dabei  starke  Auftreibungen  bis  zu  3  in  über  die  ursprüngliche  Bodenoberfläche ­
  nach  beiden  Seiten  bildend;  es  wurden  die  Sanddämme  so  lange  nachgeschüttet,
bis  kein  weiteres  Versinken  mehr  stattfand.  Auf  diese  Weise  wurden  widerstandsfähige  Ufer
gebildet,  zwischen  denen  die  Ausschachtung  und  Ausbaggerung  ausgeführt  werden  konnte;
zugleich  dienten  die  Sanddämme  auch  dazu,  die  in  der  Niederung  erforderlichen  Deiche
            
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