Full text: Die Entwicklung der Berliner Vorortgemeinde Kleinschönebeck-Fichtenau unter besonderer Berücksichtigung der Finanzen

30 
'Benachteiligung der Terrainbesitzer nicht im geringsten die Rede sein, 
wenn diese selbstverständlich auch das Gegenteil behaupten und mit allen 
Mitteln versuchen werden, eine vernünftige Bodenpolitik zu schänden zu 
machen, die zwar nicht das Interesse der gegenwärtigen Besitzer schädigt, 
wohl aber den künftigen Eigentümern und Mietern ein wohlfeiles 
und sanitär unbedenkliches Wohnen ermöglicht. Denn wird mit dem 
Mietshausbau erst begonnen, so hört die gesunde Entwicklung auf, der 
Vorort empfängt die Nachteile der Großstadt ohne deren Vorzüge. 
Wie Eberstadl * 2 3 ) sagt: „Der Privatbesitz wird auch hier zerstört. Das 
Familienhaus und der Flachbau verschwinden. Die Mieten steigen; 
hinter den hauptstädtischen Preisen bleiben sie gerade um den Betrag 
des Fahrgeldes zurück, die Steuern gehen in die Höhe, die Leistungs 
fähigkeit der Bevölkerung aber geht rückwärts. Denn an Stelle des 
realen Grundbesitzers tritt der nominelle Hausbesitzer; an Stelle des 
steuerfähigen Grundbesitzes der übertragende Steuerhebel der Miets 
kasernen." 
Die schwerwiegendsten und sofort erkennbaren Bedenken zeigen sich 
aber auf sanitärem Gebiet. Sie allein schon verpflichten die Ver 
waltung zu prohibitivem Einschreiten. In den neuen Massenmiets 
häusern würden sich unerträgliche Zustände herausbilden, denn noch 
fehlen die hygienischen Einrichtungen, an der Spitze Wasserleitung und 
Kanalisation, wenn schon seit Jahren die Projekte einander ablösen 
und neuerdings der Kreis ein Verbandswasserwerk errichten will, ein 
Unternehmen, das bereits greifbare Gestalt annimmt. Ist aber die 
Einführung von Wasserleitung und Kanalisation^) gelungen, so ist es 
schwer, wenn überhaupt möglich, noch Abhilfe zu schaffen; denn eine 
alte Erfahrung lehrt, daß die Einführung von Wasserleitung und 
Kanalisation die Mietskasernen begünstigt, und zwar nicht nur indirekt 
durch Schaffung der nötigen sanitären Vorbedingungen und der erforder 
lichen Bequemlichkeiten, sie übt auch eine Reihe direkter Wirkungen 
in dieser Richtung aus. Wir wollen Paul Voigts die drohende Ge 
fahr weiter ausmalen lassen: „Zunächst wird die bauliche Herrichtung 
eines Grundstücks durch die bedeutenden Kosten der erforderlichen An 
') a. a. O. S. 109. 
2 ) Die Kanalisation ist m. E. nicht ein Korrelat zur Wasserleitung. Große 
Städte und Berliner Vororte haben bis in die jüngste Zeit noch keine Kanalisation 
gehabt; viel weniger ist es natürlich ein Bedürfnis für einen Ort, in denen Nieder 
schläge und Wirtschaftswasser abgeleitet werden, Fäkalien und Inhalt der Senk 
grube teils zur Düngung des Hausgartens benutzt, teils abgefahren werden können. 
Für Mietskasernen ist solcher Zustand natürlich unerträglich, die Entstehung der 
artiger Gebäude ist daher auch nicht zu begünstigen. 
3 ) a. a. O. S. 139.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.