Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Einleitung:  Entwickelung  des  Verkehrswesens.

Zum  Schlüsse  dieses  Kapitels  muß  nochmals  die  große  volkswirtschaftliche  Bedeutung ­
  des  Verkehrs  und  die  Wichtigkeit  seiner  möglichst  weitgehenden  Erleichterung
hervorgehoben  werden.
Bis  Ende  des  vorigen,  ja  selbst  noch  im  Anfange  dieses  Jahrhunderts  war  in
Europa  der  Gütertransport  ein  sehr  langsamer  und  infolgedessen  ein  so  kostspieliger,  daß
nur  Manufakturen  und  ganz  leichte  Waren  die  Frachtspesen  auf  weitere  Entfernungen
zn  tragen  vermochten.  So  betrug  z.  B.  der  Preis  der  Wagenfracht  von  London  nach
Leeds  260  Mark  per  Tonne,  d.  h.  pro  Tonne  und  Meile  13h'2  Pence--  1,15  Mark.
Schwere  Artikel,  wie  Kohlen  und  Eisen,  konnten  im  Handel  nur  rentieren,  wenn  sie  zur
See  verschifft  wurden.  Handelswaren,  welche  1763,  d.  h.  vor  der  Verbesserung  der
englischen  Transportverhältnisse  13V 8  Pence  pro  Tonne  und  Meile  kosteten,  legen  jetzt
diese  Wegeslänge  für  drei  bis  vier  Pence  zurück.  Die  Verringerung  der  Frachtspesen
hat  naturgemäß  einen  größeren  Konsum  im  Gefolge  gehabt,  da  hierdurch,  wie  nicht
minder  durch  die  durch  den  Maschinenbetrieb  ermöglichte  billigere  Herstellung  vieler
Gegenstände  nicht  nur  mehr  Artikel  exportfähig  geworden  sind,  sondern  auch  der  Kreis
der  Konsumenten  ganz  außerordentlich  gewachsen  ist.
Der  Satz,  daß  die  Transportsteuer  die  erste  und  schwerste  ist,  welche  ein  Land  und
die  Arbeit  zu  entrichten  hat,  enthält  viel  Wahres.  Die  Erkenntnis  dieser  Wahrheit  hat
sich  jedoch  seltsamerweise  nur  mühsam  Bahn  zu  brechen  vermocht.
Wenn  man  auch,  wie  wir  gesehen  haben,  bereits  in  früheren  Zeiten  einen  Welthandel ­
  kannte,  d.  h.  einen  Handel,  den  einzelne  Völker  über  ihre  Landesgrenzen  und
die  Meere  hinaus  betrieben,  so  sticht  dieser  Welthandel  doch  weit  von  der  Weltwirtschaft ­
  ab,  wie  sie  sich  etwa  seit  der  Mitte  dieses  Jahrhunderts  entwickelt  hat.  Erst  die
vervollkommneten  Transportmittel  zu  Wasser  und  zu  Lande,  in  Verbindung  mit  einem
außerordentlich  rasch  und  sicher  funktionierenden  Nachrichtenwesen  ermöglichten  es,  daß
der  Absatzkreis  aller  Güter  enorm  erweitert  werden  konnte.  Die  rasche  Orientierung
gestattet  es,  in  Verbindung  mit  den  zur  Verfügung  stehenden,  nach  allen  Teilen  unserer
Erde  sich  erstreckenden  Verbindungen,  zu  übersehen,  wo  Überfluß  an  irgend  welchen
Produkten  ist  und  wo  dieselben  mangeln,  um  mit  Hilfe  der  zahlreichen  leistungsfähigen
Transportmittel  rasch  einen  Ausgleich  herbeizuführen.
Der  Handel  hat  mit  der  fortschreitenden  Verkehrsentwickelung  eine  immer  größere
Bedeutung  und  einen  immer  mächtigeren  Einfluß  erlangt,  wie  die  steigenden  Umsatzziffern ­
  deutlich  erkennen  lassen,  welche  vom  Jahre  1860  bis  zum  Jahre  1891  von  29
auf  73  Milliarden  gewachsen  sind.  Durch  die  dem  Handel  und  Verkehr  zur  Verfügung
stehenden  Hilfsmittel  ist  an  die  Stelle  des  lokalen  Marktes  immer  mehr  und  mehr  der
Weltmarkt  getreten,  und  die  örtliche  Preisbildung  wird  in  einem  erheblichen  Maße  durch
den  Weltmarktpreis  reguliert.
            
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