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reichen, daß durch das entstandene Loch nur ein kleiner Teil des Schiffsraumes voll
Wasser laufen kann, so daß das Schiff sich über Wasser halten läßt. Bei den Schiffen
der Kriegsmarine hat man diese Teilung so weit getrieben, daß in gewissem Grade eine
Unsinkbarkeit erzielt wird, wenn die wasserdichten Schotte nur so weit Öffnungen erhalten,
daß eine sichere und schnelle Schließung derselben durch Thüren im Ernstfälle gesichert
ist, da die Gefahr des Sinkens durch den Rammstoß oder den Torpedoangriff des
Gegners sich erheblich steigert. Bei den Fracht- und Schnelldampfern der Handelsmarine,
bei welchen diese Frage mit Bezug auf die Sicherheit von Schiffsbesatzung und Ladung
von gleicher Wichtigkeit ist, bringt die Vermehrung der wasserdichten Schotte den Nachteil
mit sich, daß die Laderäume verkleinert werden und dementsprechend sich das Ein- und
Ausladen der Ladung verteuert, abgesehen von der kostspieligen Bauweise und der
Gewichtsvermehrung des Schiffsrumpfes. Es hat daher große Schwierigkeiten,
bindende Vorschriften über die geringste Teilung des Schiffskörpers in wasserdichte Ab
teilungen zu erlassen, um die Leistungsfähigkeit der gewöhnlichen Frachtdampfer und der
0 1 2 3 » 5 10 15 y 30 m
693 u. 694. Guerschnitt Lurch Leu SchnrllLampfrr „Kaiser Wilhelm der Große".
eisernen Segelschiffe nicht zu beeinträchtigen. Dagegen hat man für Passagierdainpfer
auf großen Fahrten wie z. B. für die Schnelldampfer und Subventionsdampfer des
Norddeutschen Lloyd die Forderung aufgestellt, daß die Einteilung in wasserdichte
Abteilungen derart erfolgen muß, daß die Unsinkbarkeit des Schiffes gesichert ist, wenn
irgend zwei benachbarte Abteilungen überflutet werden. Es kennzeichnet dies den
ungünstigsten Fall einer Kollision, bei welcher gerade ein wasserdichtes Schott getroffen
ist, so daß die Räume zu beiden Seiten dieses Schottes volllaufen können, ohne das
Schiff manövrierunfähig zu machen. Von den Querschotten sind die an den Schiffs
enden gelegenen von besonderer Wichtigkeit, da dieselben bei Kollisionen und Grund
berührungen, wodurch die Schiffsenden am leichtesten beschädigt werden, das Eindringen
von Wasser in die Laderäume verhüten. Sie heißen daher auch allgemein Kollisions
schotte. Ferner sind die Querschotte, welche die Maschinen- und Kesselräume von den
Laderäumen trennen, von Bedeutung. Sämtliche Querschotte müssen naturgemäß um
ein Beträchtliches über die Wasserlinie hinausragen, damit sie auch dann noch von Wirk
samkeit sind, wenn bei Überflutungen einzelner Abteilungen das Schiff wesentlich tiefer
gesunken ist.
Neben der Vermehrung der Sicherheit der Schiffe tragen die wasserdichten Schotte
auch wesentlich zur Stärkung des Schiffsverbandes bei, teils zur Aufnahme lokaler Be-