692 Schiffbau: Schiffsmaschinen.
genutzt, um den Aktionsradius des Schiffes, d. h. die längste Strecke, welche das Schiff
mit dem verfügbaren Kohlenvorrat unter Dampf zurücklegen kann, möglichst groß zu
gestalten. Denn ohne hinreichenden Kohlenvorrat ist der Gefechtswert eines Schiffes sehr
beschränkt. Erst der dann freibleibende Teil des Schiffsraumes und der Decks kann zur
Unterbringung der Besatzung verwertet werden, und derselbe ist bei der hohen Besatzungs
stärke der neueren Kriegsschiffe sehr beschränkt. Die Mannschaften müssen durchweg in
Hängematten dicht gedrängt schlafen, und nur für die Offiziere und Decksoffiziere sind
Kammern vorgesehen. Zum Verstauen des Bedarfs an Kleidern und Stiefeln u. s. w.
stehen den Mannschaften verhältnismäßig kleine Spinde zur Verfügung, während die
Tische und Bänke — Backen und Banken — zur Einnahme der Mahlzeiten bei
Klarschiff verstaut werden müssen, um Platz zur Bedienung der Geschütze, Torpedorohre
und sonstigen Kriegswaffen zu schaffen. Die Wohn- und Mannschaftsräume an Bord
der Kriegsschiffe müssen daher besonders wirksam ausgenutzt und mit ausreichender
Lüftung versehen werden.
Neben diesen Rücksichten treten dann im besonderen diejenigen in den Vordergrund,
welche für den Fall eines Krieges für den Schutz des Schiffsrumpfes und der Mannschaft
gegen feindliche Geschosse und zur Sicherung des Schiffes gegen Feuers- und Wassersgefahr
zu beachten sind. Für den Kommandanten und die leitenden Personen bietet im Gefecht der
Kommandoturm, von welchem aus durch die verschiedensten Befehlsübermittler das Schiff
mit Bezug auf die Maschinen- und Rudermanöver, auf den Geschütz- und Torpedoangriff
geführt und geleitet wird, durch seinen starken Panzer einen gesicherten Stand. In den
einzelnen Decks und bei den leichten Geschützen, welche keinen Panzerschutz haben, sucht
man die in den Hängemattskasten verstauten Hängematten als Kugelfänger zu verwerten
und im übrigen darauf Bedacht zu nehmen, die Splitterwirkung der Geschosse an Holz
teilen möglichst zu verhindern. Da ferner das Holz leicht Feuer fängt, so ist man vielfach
bestrebt, dasselbe aus den Schlachtschiffen ganz zu vermeiden und sich allein auf Stahl
und unbrennbare und nicht splitternde Materialien zu beschränken. Das Aufbrennen der
spanischen Panzerkreuzer in dem Gefecht bei Santiago kann als ein warnendes Beispiel
betrachtet werden, wie gefährlich auch bei Stahlschiffen hölzerne Decksbeplankungen und
hölzerne Verkleidungen in den Wohn- und Mannschaftsräumen werden können. Und so
muß man auf den Kriegsschiffen möglichst das Material entbehren, welches zur Wohn
lichkeit des Schiffes wegen der guten Jsolationsfähigkeit und der Eigenschaft, Feuchtigkeit
aufzunehmen, besonders günstig beiträgt. Berücksichtigt mau ferner, daß alle Mittel, welche
zur Erhöhung der Gefechtsstärke, sei es zum Angriff, sei es zur Abwehr, nicht nur Raum,
sondern zum großen Teil erhebliche Gewichte erfordern, welche von dem Schiffe getragen
werden und welche daher innerhalb der Grenze des Deplacements bleiben müssen, so er
kennt man die Schwierigkeiten, welche die Konstruktion und der Bau eines Kriegsschiffes
erfordert und welche nach Möglichkeit überwunden werden müssen, um nach den neuesten
Erfahrungen der Seekriegführung allen Anforderungen gerecht zu werden.
Schisfsmaschinenb au.
Einleitung.
Die Entwickelung der Schiffsmaschinen von der Einführung der Dampfschiffahrt
bis zu den neuesten Errungenschaften des Schiffsmaschinenbaues zeigt in ihren einzelnen
Stadien eine lange Kette von mannigfachen Konstruktionssystemeu und Bauweisen, deren
Endglieder eine Steigerung der Maschinenleistung von etwa 50 indizierten Pferdestärken des
ersten Seeschraubendampfers „Archimedes" bis zu 38 000 indizierten Pferdestärken des
für den Norddeutschen Lloyd bei der „Aktiengesellschaft Vulkan" im Bau befindlichen
Schnelldampfers aufweisen. Die seit den ersten Anfängen der Dampfschiffahrt angestrebten
Fortschritte und Verbesserungen erstrecken sich neben der Kraftsteigerung vornehmlich darauf,
den Wirkungsgrad der Maschinenanlage und hierdurch die Ökonomie derselben zu ver
bessern und das Gesamtgewicht soloie den Raumbedarf im Schiff nach Möglichkeit zu
verringern, um das Dampfschiff als Ganzes mit Bezug auf Kohlenverbrauch und Lade-