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Marine-Artillerie: Rohrkonstruktion der Geschütze.
Der Ladungsraulii der Geschützbohrung nimmt das Geschoß und die Pulverladung
mit entsprechendem Spielraum auf und ist entweder cylindrisch oder konisch geformt; im
letzteren Fall geht er direkt in den gezogenen Teil des Rohres über, im ersteren ist der
Übergangskonus eingeschaltet. Er gliedert sich in den vorderen, engeren Geschoßranm
und den Hinteren, weiteren Kartuschraum. Der Geschoßraum erhält bei der Kupferführung
meist flache Züge und Ivird durch den Führungsring des Geschosses beim Laden vom
Verbrennungsraum möglichst gasdicht abgeschlossen.
Die Rohrkonstruktiou der Schiffsgeschütze ist durchweg eine künstliche Metallkvnstruk-
tion, da ein massives Rohr nicht im stände sein würde, den gewaltigen Druck der Pulver
gase von 2000 Atmosphären und mehr auszuhalten. Denn die inneren Schichten der
Rohrwandung erfahren bei dem plötzlich auftretenden Gasdruck eine größere Beanspruchung
732. Bauweise der Kchnrllfeurrkanmien.
a Kcrnrohr, b Kernrohr und Hinterst««. ° Kernrohr, Hinterstück und 8-Rohr, d Kernrohr mit einer Ringlagc,
e Kernrohr mit 3 N-Rohrcn, s Kernrohr mit 2 Ringlagen, g fertiges Rohr.
und stärkere Ausdehnung als die äußeren Teile des Rohres, und eine Vergrößerung der
Wandstärke des Rohres allein hat keine nennenswerte Zunahme der Widerstandsfähigkeit
des Rohres zur Folge. Um nun die inneren Schichten der Rohrwandung zur Aufnahme
des hohen Gasdruckes fähig zu machen, sucht man das Seelenrohr durch einen bedeuten
den Druck von außen gewissermaßen unter Druckspannung zu versetzen, welche dann bei
dem plötzlich auftretenden Gasdruck erst bewältigt werden muß, ehe die Wandung des
Seelenrohres auf Zug beansprucht werden kann. Man erreicht dies durch Aufziehen von
warmen Ringen auf das Kernrohr. Durch das beim Erkalten der Ringe entstehende
Schrumpfmaß entsteht dann ein Druck auf die Wandung des Kernrohres, welcher durch
Rechnung genau vorher bestimmt werden kann. Setzt man nun diese Banweise durch
Aufziehen weiterer Ringe derart fort, daß jeder äußere Ring auf den inneren einen be
stimmten Druck ausübt, so kann man die Widerstandsfähigkeit des gebauten Rohres be
deutend steigern, da durch diese Anordnung die Beanspruchung der einzelnen Ringschichten
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