742 Schiffbau.
Schutzmaßregeln und Abwehrmittel entgegenzustellen. Abgesehen von der Einteilung des
Schiffsrumpfes in eine möglichst große Anzahl von wasserdichten Abteilungen in Ver
bindung mit einem ausgedehnten Lenzsystem, wodurch die Schwimmfähigkeit des Schiffes
auch bei Zerstörung der Außenhaut durch ein Loch im allgemeinen gesichert ist, sowie
abgesehen von der Einführung bezw. der Verbesserung von Schnellfeuerkanonen kleinen
Kalibers zur Bekämpfung der angreifenden Torpedoboote, kamen sehr bald in allen
Kriegsmarinen die sogenannten Torpedoschutznetze nach dem Vorschlage von Bullivant
in Aufnahme. Sie verfolgten den Zweck, den Torpedo in angemessener Entfernung vom
Schiff zur Detonation zu bringen und auf diese Weise die Wirkung der Explosion von
der Schiffswand möglichst fernzuhalten. Zu diesem Zweck wurden die Schiffe mit starken
Drahtnetzen umgeben, welche an etwa 6 na langen Spieren aufgehängt waren, so daß
der Schiffsrumpf unter Wasser vom Kiel bis zur Schwimmebene durch diese Netze maskiert
war. Die Torpedoschutznetze zeigten jedoch namentlich bei Schiffen in Fahrt ernste Übel
stände, da sie einesteils die Fahrgeschwindigkeit sowie die Manövrierfähigkeit des Schiffes
sehr beeinträchtigten, anderenteils bei Zerstörung der Spieren und der Aufhängevorrichtung
durch die feindliche Kleinartillerie die Netze sich leicht in die Schraubenflügel verwickeln
konnten und dieselben unklar machten. Man beschränkte daher das Ausbringen der
Schutznetze meist auf vor Anker liegende Schiffe und nahm die Netze fort, sobald das
Schiff in Fahrt war. Als später besondere Netzscheren erfunden wurden, welche an
dem Gefechtskopf der Torpedos befestigt wurden und welche mit Erfolg die Maschen
der Schutznetze zerschnitten, so daß ein Vordringen der Torpedos durch das Netz möglich
wurde, ehe der Gefechtskopf zur Explosion kam, wurde der Erfolg der Torpedoschutz
uetze noch mehr in Frage gestellt, so daß man in einzelnen Marinen dieselben ganz auf
gegeben hat.
Dagegen wurden andere Abwehrmittel weiter vervollkommnet, welche es ermöglichen,
die herannahenden Torpedoboote beim Nachtangriff rechtzeitig zu sichten und durch ein
wohlgezieltes Schnellfeuer der Kleinartillerie unschädlich zu machen. Man vermehrte die
sogenannten Scheinwerfer und suchte durch zweckmäßige Aufstellung an Bord sowie
durch Steigerung der Leuchtkraft derselben das Vorterrain so weit zu beleuchten, daß eine
Überraschung durch feindliche Torpedoboote ausgeschlossen erscheint. Die von der Firma
Schuckert in Nürnberg konstruierten Scheinwerfer, welche außer in der deutschen Marine
auch in anderen Kriegsmarinen Eingang gefunden haben, haben durch Verwendung eines
geschliffenen Glasparabolspiegels mit Silberbelag die Intensität des reflektierten Strahlen
büschels derart gesteigert, daß sie zur Zeit ohne Konkurrenz dastehen. Um die Streuung
der Lichtstrahlen je nach der Entfernung des zu beleuchtenden Objekts regulieren zu können,
läßt Schuckert die Strahlen zwei zu einander parallel stehende Systeme von Streulinsen
passieren, welche einander genähert oder voneinander entfernt werden können, so daß
das Lichtbündel für die Fernstellung fast cylindrisch, für die Nahstellung in einem Licht
kegel entsendet wird. Die Lichtstärken der Schuckertschen Scheinwerfer für Kriegsschiffe
schwanken zwischen 20 000 bis 50 000 Kerzen.
Neben diesen mehr passiven Abwehrmitteln ist man neuerdings mehr darauf bedacht,
die Torpedoboote durch sogenannte Torpedobootzerstörer, d. h. große und schnelle
Torpedofahrzenge mit einer entsprechenden Armierung von Schnellfeuerkanonen auf
zusuchen und zu vernichten bezw. kampfunfähig zu machen, bevor sie die Schlachtschiffe
gefährden können, und im besonderen ist England mit dem Bau dieser Fahrzeuge energisch
vorgegangen. Welche von den besprochenen Abwehrmitteln den Erwartungen am meisten
entsprechen wird, kann nur im Ernstfall entschieden werden, und in diesem Punkte sind wir
ans die Erfahrungen der nächsten Seekriege angewiesen.
Neben der Entwickelung der Torpedoboote und Torpedobootzerstörer, welche in
den letzten Jahren durch Steigerung der Fahrtgeschwindigkeit eine weitere Steigerung
ihrer Leistungsfähigkeit erfahren haben, hat man sich seit den letzten zehn Jahren im
besonderen in Frankreich wieder dem Ban und der Vervollkommnung der Unter
wasserboote zugewandt, nachdem durch die Fortschritte der Elektrotechnik Akkumu
latoren zum Betrieb dieser Boote dienstbar gemacht werden konnten. Wenngleich man