Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

Posteinrichtungen Frankreichs. 755 
verfügte deshalb int Jahre 1464, daß auf den Hauptstraßen des Reichs in mäßigen Ent 
fernungen voneinander berittene Leute (Kuriere) aufgestellt wurden, durch deren Ver 
mittelung er schnell aus allen Teilen des Reichs Nachrichten empfangen und ebendahin 
gelangen lassen konnte. Diese Einrichtung, welcher man zum erstenmal den Namen „Post" 
beilegte, war ursprünglich nur für Regierungszwecke bestimmt. Später jedoch wurde auch 
Privatpersonen der Gebrauch derselben gegen Entgelt gestattet. Die Postreiter führten 
auf dem Rücken des Pferdes ein Felleisen (malts) mit sich, um darin die Postsachen zu 
verwahren, woher die jetzt 
noch gebräuchliche Bezeich 
nung „Mallepost" stammt. 
Eine regelmäßige Abferti- 
gung der Posten fand nicht 
statt; sie wurden nur ab 
gelassen, wenn das Be 
dürfnis dazu hervortrat. 
Erst in der zweiten Hälfte 
des 16. Jahrhunderts wur 
den regelmäßig kursierende 
Posten hergestellt. Die 
königlichen Posten machten 77l. Mallepost unter Kaiser Napoleon I. 
der Pariser Universitäts 
botenanstalt nicht geringe Konkurrenz, und es war daher natürlich, daß die Leistungen 
der letzteren um so mehr zurückgingen, je weiter die ersteren ihre Wirksamkeit ausdehnten. 
Nachdem Ludwig XIV. im Jahre 1643 die Post als Regal erklärt hatte, vereinigte 
er die Universitäts-Botenanstalt mit der Staatspost und bewilligte der Universität für 
den Wegfall der ihr ans jener erwachsenen Einkünfte eine Entschädigung. 
Vom Jahre 1672 an gab man die Verwaltung der Posten in Pacht. Die jährliche 
Pachtsnmme, welche anfänglich 1200000 Livres betrug, wurde allmählich bis ans 
12000000 Livres erhöht, es war also zuletzt das Zehnfache des ursprünglich festgesetzten 
Pachtbetrages zu zahlen. 
Erst zur Zeit der ersten 
Revolution nahm der Staat 
die Verwaltung der Posten 
wieder selbst in die Hand. 
Die Staatspost in 
Frankreich befaßt sich nur 
mit der Beförderung von 
Briefpostgegenständen, der 
Transport von Paketen 
und Personen ist Privaten 
überlassen Die Dili 
gencen (Eilwagen) und 
Nlessagerien (gewöhn- 77z. Mrssagerir royal unter König Lollis Philipp, 
liche Postwagen), welche 
diesen Teil des Verkehrs vor Entstehung der Eisenbahnen hauptsächlich vermittelten, waren 
Privatunternehmungen, die vom Staate konzessioniert wurden und an diesen eine Abgabe zu 
entrichten hatten. Die Beförderung der Briefposten wurde gegen angemessene Vergütungen 
Posthaltern übertragen, welche auch die Gestellung von Extraposten und Estafetten für 
ihre eigene Rechnung zu besorgen hatten. Frühzeitig schon wurde in Frankreich der Land 
postdienst eingeführt und allmählich weiter ausgebildet. In einzelnen tief gelegenen 
Gegenden, die von Gräben und Sümpfen durchzogen waren, stieß die Ausführung des 
Bestellgeschäfts ans Schwierigkeiten, welche man indes durch Ausrüstung der Landbriefträger 
mit Stelzen beseitigte, auf denen die unwegsamen Stellen leichter passiert werden konnten. 
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