Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Welttelegraphie.

lich  im  Mittelländischen  Meere,  damals  verschiedene  Kabellegungen,  welche  erst  später,
nachdem  bereits  an  größeren  Linien  wichtige  Erfahrungen  gewonnen  waren,  zustande
gekommen  sind,  so  namentlich  die  schon  im  Jahre  1853  mehrfach  unternommene,  aber
erst  im  Jahre  1870  gelungene  Verbindung  zwischen  Marseille  und  Bona  in  Algier,
welche  später  durch  direkte  Kabel  zwischen  Marseille  und  der  Stadt  Algier  selbst  vervollständigt ­
  worden  ist.
Im  ganzen  bietet  die  eigentliche  Legung  eines  Kabels  selbst,  sobald  nur  eine  günstige ­
  Jahreszeit  gewählt  wird,  auf  weniger  lange  Strecken  und  in  minder  beträchtliche
Wassertiefen  nur  geringe  Schwierigkeiten  dar.  Vom  Hinterteil  des  Schiffes  aus  wird
das  zu  versenkende  Tau  mittels  eines  Rades  oder  durch  eine  Klüse  hinabgelassen,  wobei
die  Abwickelung  gewöhnlich  von  einer  großen  gußeisernen  Trommel  vor  sich  geht.  Dabei
wird  durch  das  ablaufende  Tau  bereits  mit  dem  Ausgangspunkte  an  der  Küste  der  erste
telegraphische  Verkehr  unterhalten,  allerdings  zunächst  nur,  um  die  Leitungstüchtigkeit
des  Kabels  festzustellen.  Hierzu  wird  das  von  Gauß  und  Poggendorff  erfundene  und
namentlich  von  Thomson  verbesserte,  höchst  empfindliche  Spiegelgalvanometer
benutzt,  welches  aber  nicht  bloß  dazu  dient,  die  Leitungsfähigkeit  und  Isolierung
des  Kabels  in  jedem  Augenblicke  während  der  Versenkung  selbst  zu  prüfen,  sondern
auch  zugleich  als  Zeichengeber  und  noch  heute  als  Sprechinstrument  für  den  wirklichen
Depeschenverkehr  zwischen  Europa  und  Amerika  angewendet  wird.  Dieser  sehr  feine
Apparat  läßt  noch  die  schwächsten  elektrischen  Ströme  erkennen,  deren  man  sich  zur
Zeichengebung  bedient,  um  die  Leitungskraft  des  Kabels  nicht  zu  gefährden.  Während  der
Versenkung  des  Taues  findet  eine  fortwährende  Zeichengebung  zwischen  dem  Schiff  und
der  Küste  statt,  wie  es  Abb.  832  anzeigt,  auf  welcher  0-  und  6'  die  Thomsonschen  Spiegelgalvanometer ­
  vorstellen.  Der  geringste  Strom,  welcher  durch  die  Drahtumwindung  a  b
geht,  lenkt  die  Magnetnadel,  an  welcher  ein  kleines  Spiegelchen  befestigt  ist,  ab.  Auf  das
Spiegelchen  läßt  man  einen  Lichtstrahl  fallen,  der  reflektiert  und  auf  eine  mit  Teilstrichen
versehene  Skala  geworfen  wird.  Bei  der  Bewegung  der  Magnetnadel  ändert  sich  die
Stellung  des  Spiegelchens  und  somit  auch  die  Richtung  des  reflektierten  Lichtstrahles,
d.  h.  das  Bild  des  Lichtstrahles  wandert  auf  der  Skala  hin  und  her.  Da  der  Winkel,
unter  welchem  der  Lichtstrahl  reflektiert  wird,  stets  doppelt  so  groß  ist,  als  der  Winkel,
um  welchen  sich  das  Spiegelchen  gedreht  hat,  so  läßt  sich,  wenn  die  Skala  genügend  weit
von  der  Magnetnadel  aufgestellt  ist,  selbst  die  kleinste  Schwankung  der  letzteren  leicht
beobachten.  B  bezeichnet  die  Batterie  und  T  einen  Taster,  dessen  oberer  Hebel  niederzudrücken ­
  ist,  so  daß  sich  die  beiden  Teile  bei  1  trennen  und  der  zur  Erdplatte  P  führende
Draht  k  außer  Verbindung  mit  der  Batterie  gesetzt  wird.  K  K  ist  das  im  Meer  gelagerte ­
  und  bei  s  vom  Schiffe  ablaufende  Kabel,  dessen  Kupferkern  bei  d  mit  dem
Galvanometer  verbunden  ist.  In  dieser  Anordnung,  solange  die  Taster  T  an  der  Küste
wie  auf  dem  Schiffe  geschlossen  sind,  geht  der  Strom  der  Batterie  B  in  der  Positiven  Richtung ­
  a,  Gr',  b,  KK,  e,  s,  g,  Gr,  h  in  das  Meer  und  mittels  der  Erdleitung  durch  das
Meer  zurück  nach  P,  k,  i,  T  zum  negativen  Pole  der  Batterie.  Daher  sind  in  diesem
Falle  bei  völlig  geschlossenem  und  rücklaufendem  Strom  die  Galvanometer  auf  beiven
Stationen  abgelenkt  und  der  Lichtzeiger  weist  auf  einen  bestimmten  Punkt  der  Skala.
Jede  noch  so  geringe  Bewegung  des  Lichtzeigers  aber  ist  ein  untrügliches  Zeichen,  daß
sich  etwas  in  diesen  Dingen  geändert  hat,  sei  es  in  der  Leitung  oder  Isolierung  des
Leitungsdrahtes,  sei  es  infolge  der  willkürlichen  Bewegung  des  Tasters,  wodurch  eben
ein  Zeichen  gegeben  wird.  Mit  Hilfe  dieser  Zeichen,  deren  Richtung  und  Zeitdauer  genau
verabredet  sind,  kann  man  einen  ununterbrochenen  Austausch  von  Nachrichten  tvährend
der  Kabellegung  zwischen  Küste  und  Schiff  unterhalten  und  sich  fortwährend  von  dem
Zustande  des  Kabels  wie  von  dem  Fortschreiten  der  Legung  gegenseitig  unterrichten.
Da  man  zur  Legung  des  Kabels  möglichst  sichere  Witterung  aussucht,  so  geht  der
erste  Teil  der  Ausführung  in  der  Regel  auch  glücklich  von  statten.  Bei  stürmischer  Luft
aber,  wenn  wegen  heftiger  Schwankung  sich  die  Mannschaft  auf  dem  Schiffe  kaum  aufrecht ­
  zu  erhalten  vermag,  wenn  plötzliche  Finsternis  hereinbricht  und  die  genaue  Überwachung ­
  des  abrollenden  Taues  erschwert,  kommt  das  Kabel  leicht  in  Unordnung,  und
            
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