Object : München als Industriestadt

Leinöl,  Harze  und  die  Cochenille  liefert  wieder  Amerika.  Von
dem  Qesamtabsatz  des  Hauses  kommen  allein  etwa  25  o/o  auf
München.  Diese  Zahl,  mag  sie  noch  so  klein  aussehen,  ist  in
Wirklichkeit  sehr  groß,  wenn  man  den  bedeutenden  Absatz  der
Firma  im  Ganzen  und  die  beträchtliche  Anzahl  der  Kunden  in
den  Mauern  Münchens,  dem  Hauptsitz  der  polygraphischen
Gewerbe  und  der  Künstler  überhaupt,  in  Betracht  zieht.  Auf
das  übrige  Deutschland  entfallen  ca.  30  o/ 0  und  der  Rest  mit
45  o/o  ist  Exportunternehmen  nach  Australien,  Süd-  und  Nordamerika ­
  und  namentlich  den  Vereinigten  Staaten.  Trotzdem
bleibt  dieses  Unternehmen  konsumorientiert,  denn  beim
Export  kommen  wegen  der  hohen  Frachten,  der  teuren  Verpackungsspesen ­
  und  der  nicht  gerade  günstigen  geographischen
Lage  Münchens  nur  bessere  Qualitäten  in  Frage,  während
andererseits  der  Betrieb  mit  billigen  Fabrikaten  auf  dem  Weltmarkt ­
  aus  diesen  Gründen  gar  nicht  mehr  konkurrenzfähig
ist  und  sie  nur  den  lokalen  Markt  damit  beherrscht.
Die  Arbeiterzahl  beträgt  heute  100—120  und  umfaßt  weder
weibliche  noch  jugendliche  Arbeitskräfte,  da  der  Betrieb  dieselben ­
  nicht  einstellt.  Die  Arbeiter  fallen  in  die  Kategorie
der  Fabrikarbeiter,  sind  also  keine  Facharbeiter,  was  einen  günstigen ­
  Arbeitsmarkt  in  München  zur  Folge  hat.  Für  den  Standort ­
  aber  war  die  Arbeiterfrage  keineswegs  bestimmend  oder
ausschlaggebend.  Alle  Arbeiter  sind  organisiert  in  Gewerkschaften ­
  christlicher  und  sozialer  Richtung.  Der  Betrieb  fragt
nicht  darnach  und  hat  auch  keinen  Tarifvertrag  mit  irgend
einem  Arbeitnehmerverband.  Die  Einstellung  der  Arbeiter  erfolgt ­
  trotzdem  nicht  durch  das  städtische  Arbeitsamt,  sondern
teils  durch  ausgehängte  Tafeln,  teils  durch  persönliche  Empfehlung ­
  seitens'  der  Arbeiter,  die  ihre  Freunde  und  Verwandten
vormerken  lassen.  Es  herrscht  Stundenlohn  vor,  nur  einigen
älteren  Arbeitern  wird  Wochenlohn  gewährt.  Der  einfache
Arbeiter  hat  einen  Verdienst  von  43—49  Pfennig  pro  Stunde
bei  9y 2 stündiger  Arbeitszeit.  Die  vorhandenen  ca.  50  Arbeitsmaschinen, ­
  wie  Farbmühlen,  Kollergänge  zum  Pulverisieren
der  Farben  und  Farbreibmaschinen,  bedürfen  eines  Kraftantriebes ­
  seitens  einer  150pferdigen  Dampfmaschine  und  eines
Dieselmotors  von  70  PS.  Ihre  Bedienung  erfordert  keine  be-1

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