Full text : Bankpolitik

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II.  Oer  Geldmarkt.

durch  die  kontinentalen  Banken  unterscheiden.  Oie  indische  Regierung
schafft  Wechsel-  es  ist  ein  ungewöhnlicher  Vorgang,  Rentenkupons
gewissermaßen  zu  diskontieren.  Oie  Ausgabe  von  Regierungswechsel
und  Kabelanweisungen  bedeutet  eine  zeitliche  Verteilung  der  Kupon*
Zahlungen  —  diese  günstige  Post  der  Zahlungsbilanz  wird  nicht  an
einem  oder  vier  Terminen  des  Jahres  geleistet,  sondern  in  Teilen
an  Tagen  passiver  Zahlungsbilanz.  Line  derartige  planmäßige  zeitliche ­
  Verteilung  geschuldeter  Leistungen  ist  aber  nur  bei  jenen  Posten
der  Zahlungsbilanz  möglich,  die  von  einem  Organ  zu  regeln  sind  —
wie  eben  die  Zinsen  der  Staatsschuld  in  Indien  —  nicht  bei  den  Posten
der  Handelsbilanz.
Oie  kontinentalen  Notenbanken  aber  schaffen  nicht  Wechsel  —
sie  kaufen  lediglich  vorhandene  Wechsel  an.  Oa  vor  dem  Eintreten  der
Notenbanken  der  Oevisenhandel  schon  börsemäßig  organisiert  war,
ist  hiedurch  nicht  eine  Konzentrierung  des  Verkehrs  geschaffen  worden.
Oer  Unterschied  der  Tätigkeit  der  Notenbanken  auf  diesem  Gebiet
gegenüber  jener  der  Kreditbanken  liegt  in  zweifacher  Richtung:  sie
können  Devisen  auch  in  geldknappen  Zeiten  erwerben,  wenn  die  Kreditbanken ­
  sich  für  Oevisenkauf  weniger  interessieren  wollen  oder  können,
und  sie  haben  bei  Vevisenabgaben  nur  Interesse  an  günstigem  Wechselkurs, ­
  während  die  andern  Banken  nicht  immer  das  gleiche  Interesse
haben.  In  Reichen  mit  relativ  geringem  ausländischen  Wechselmaterial
wie  Oesterreich  vermochte  die  Notenbank  eine  beherrschende  Stellung
auf  dem  Devisenmarkt  zu  gewinnen,  die  Reichsbank  dagegen  teilt  sich
mit  zahlreichen  starken  Konkurrenten  in  den  Oevisenhandel.  Lei  der
großen  Vielfältigkeit  der  Posten  der  Zahlungsbilanz  und  der  Schwierigkeit ­
  sie  quantitativ  abzuschätzen  scheint  mir  die  Tätigkeit  einer  Mehrheit
von  denkenden  Köpfen  dem  Wirken  eines  einzigen,  die  regulierende
Einflußnahme  dem  Monopol  vorzuziehen.  Man  konnte  gerade  in
neuerer  Zeit  in  Oesterreich  die  Erfahrung  machen,  wie  sehr  das  glatte
Funktionieren  der  Devisenpolitik  bei  überragendem  Einfluß  der  Notenbank ­
  von  Zähigkeit  oder  Unfähigkeit  eines  einzigen  Disponenten  abhängt. ­
  Oie  dadurch  geschaffene  Verantwortung  ist  um  so  bedeutender,
als  die  Konzentration  des  Vevisengeschäfts  bei  der  Notenbank  eine
Verschärfung  des  Einreservesgstems,  zumal  in  Ländern  ohne  Goldumlauf, ­
  herbeiführt.  Nicht  England  oder  Deutschland  mit  ihrer  starken
Goldzirkulation  und  den  großen,  im  freien  Verkehr  befindlichen  Devisenbeständen, ­
  sondern  Oesterreich-Ungarn  und  Italien  mit  der  Vereinigung ­
  fast  aller  ausländischen  Zahlungsmittel  bei  der  Notenbank
haben  das  Einreservesgstem  am  schärfsten  ausgebildet.
            
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