28. Mrkungsgebiet der Oirkontpolitik in der Gegenwart. 119
auch heute die Diskonterhöhung für die Bank von England das wirksamste
Mittel zur Erhaltung ihrer gesetzlichen Zahlungsfähigkeit. Die
Ausbildung des internationalen Ueberweisungsverkehrs ist für England
nur lückenhaft durchzuführen, da im Land selbst umfassende Giroinstitute
(Notenbank, Postscheckämter) fehlen und die Rreditbanküberweisung
kostspielig ist,- Devisenpolitik lehnt die Bank bisher beharrlich
ab, da nach Ansicht ihrer Leitung die anderen Länder nicht freie Goldhergabe
sichern- die Hinauslegung von Auslandsguthaben würde ein
enges Einvernehmen zwischen Regierung und Bank von England
voraussetzen, das kaum herzustellen ist, da die Notenbank mehr als in
irgend einem andern Land den Eharakter der privaten Institution
trägt und keine Fühlung mit der Ainanzverwaltung besteht. Opposition
gegen unzeitige Ausländsanleihen ist der Bank von England
gar nicht möglich, da die Zulassung zur Börse durch die Organe der
Börsebesitzer, der Effekten-brolrers geschieht und die Uebernahme auswärtiger
Anleihen durch die Kinanzbankiers erfolgt, welche von der
Bank völlig unabhängig sind, zum Teil sogar ihren Derwaltungsrat
bilden und auf ihre Entschlüsse einwirken. Die Bildung selbständiger
Goldreserven zur Deckung der Depositen ist nur durch freies Einvernehmen
der von der Notenbank gleichfalls unabhängigen Kreditbanken
möglich. Die Schaffung kleiner Noten endlich stieß bis zu Kriegsbeginn
auf den größten widerstand der Eitg, die darin eine Bedrohung der Weltbankierstellung
Londons erblickte, da die international herrschende Zuversicht
dort stets Gold zu bekommen erschüttert würde. So sind die „bankpolitischen
Hilfsmittel" —wenn man von Begünstigung des Goldimports
und leichten Hindernissen gegen die Arbitrageausfuhr absieht — in England
bisher nicht anwendbar und die Diskontpolitik bleibt umsomehr
Alleinherrscherin als sie noch heute für London wegen der zahlreichen
internationalen Handels- und Zinanzbeziehungen und der großen Bedeutung
des kaufmännischen Verkehrs eine ungemein wirksame Maßregel
darstellt.
vergegenwärtigen wir uns, um den vollen Gegensatz zu den englischen
Verhältnissen vor Augen zu führen, die Banksituation in Oesterreich-Ungarn:
von den staatlichrn Postsparkassenämtern war bis zu Kriegsbeginn
mit den meisten europäischen Staaten ein guter internationaler
Ueberweisungsverkehr eingerichtet. Die Notenbank beherrscht den Devisenmarkt,-
Verschlechterung der Devisenkurse ist für die Regierung Anlaß
zur Abschließung von Anleihen im Ausland im engsten Einvernehmen
mit der Bankleitung, deren Gouverneur von ihr ernannt ist. Die Börse
und damit auch die Zulassung auswärtiger werte steht unter dem be-