30. Das Verhältnis der Kreditbanken zu den Notenbanken usw. 131
Sie haben sich um die Zahlungsbilanz und um den Goldbestand der
Volkswirtschaft primär nicht zu kümmern. Die Deckung des Bedarfs
an Metallgeld und Noten fällt der Notenbank zu, die Schwankungen des
Ueberweisungsverkehrs sind ungleich geringer als jene des Zirkulations
geldes ; für dis starken Zahltage, die Monatsenden, brauchen sie, solange
sie sich innerhalb der von der Notenbank intern gesetzten Grenzen halten,
prinzipiell nur über Ansprüche an die Notenbank (durch Giroguthaben
oder 'Wechseldiskontierungen) zu verfügen. Im Passivgeschäft erweist
sich die Erhöhung ihres Zinses viel wirksamer als die der Notenbank:
denn sie haben ja nicht Gold, sondern Einlagen heranzuziehen. Die
Erhöhung der Vergütung für Einlagen bewirkt aber ein teilweises
Abströmen von den Sparkassen, eine Zuführung neu gebildeter sonst
zu Renten angelegter Kapitalien zum Geldmarkt. Zm Aktivgeschäft
aber vermögen sie durch die Vielseitigkeit ihrer Betätigung die Mittel
für die mit fortschreitender Konjunktur wachsenden Kreditansprüche
durch Aenderung der Anlagen zu gewinnen, ver in der Depressions-
zeit stark gepflegte Effektepkredit wird zu Gunsten des Bstriebskredits
verkürzt,' bei der Darstellung des Effektenkredits wurden die Momente
dargelegt, welche den Banken dieses Vorgehen ermöglichen. Oie
stärkere Anziehungskraft der Zinserhöhung und die Zähigkeit der Ab
stoßung eines Teils der Anlagen geben den Kreditbanken eine wesent
lich höhere Elastizität als den kontinentalen Noteninstituten; sie können
infolge dessen ihre Zinssätze für Einlagen wie für abstoßbare Kredite
nach dem augenblicklichen Verhältnis von Nachfrage und Angebot
richten. Allerdings nur für abstoßbare Kredite, das Privatakzept, das
Ultimo- und Reportgeld, nicht für dauernde Kredite, vornehmlich
ständige Betriebskredite; der Satz des Kontokorrent richtet sich nach der
Bankrate.
Ze mehr bei der Diskontfestsetzung der Notenbank bankpolitische
Gesichtspunkte an Stelle der Konstatierungslehre treten, je stabileren
Lharakter die Bankrate erhält, um so stärker wird die Differenz gegen
über den Sätzen für fluktuierende Kredite. Die im letzten Jahrzehnt
mit so viel Nachdruck hervorgehobene zeitweise Spannung zwischen offi
zieller und privatrate ist nicht nur auf das Vordringen der Kredit
banken, sondern auch auf den Wandel der Notenbankpolitik zurück
zuführen. Sie kommt besonders scharf im Zwischenraum zwischen
den einzelnen Zahlungsterminen zum Ausdruck. Mährend die Rate
der Reichsbank im Jahre 1913 vom Jahresbeginn bis 27. Oktober 6%
betrug, schwankte der Privatsatz im gleichen Zeitraum zwischen 4/ 2 %
und 6%.
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