31. Die Wirksamkeit der Notenbanken in Rrisen- und Nriegszeiten. 141
Im Krieg tritt zu den genannten Vorgängen noch der Einfluß auf
Handelsbilanz, Schiffahrt und Reiseverkehr hinzu. Vas Mißtrauen des
Auslands ist bis zu entscheidenden Siegen allgeinein. Es hängt von
der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes ab, in welcher Weise sich
die Zahlungsbilanz ändert. Großbritannien wird seine Kabrikatenaus-
fuhr stärker Heruntergleiten sehen als seine Einfuhr, die aus Rohstoffen
und Lebensmitteln besteht,- die Arachteneinnahme seiner Schiffe wird
sinken, aber auch die Ausgaben für Auslandsreisen sich vermindern.
Ein Agrarland dagegen wie Rumänien oder Brasilien kann nach Ab
stoßung seiner Ernte den Import an nicht unbedingt nötigen Produkten
einschränken und dadurch die Handelsbilanz entscheidend verbessern.
Vas Maß des in Panik- oder Rriegszeiten für Auslandszwecke
benötigten Goldes müßte auf Grund einer sorgsam geführten Zahlungs
bilanzstatistik abgeschätzt werden. Starke Gläubigerreiche benötigen
infolge der raschen Nonzentrierbarkeit ihrer Aktivforderungen eine viel
niedrigere chuote ihrer Zahlungsbilanz in Gold als Schuldnerstaaten,
bei denen ein hoher konzentrierter Goldbestand auch die Anleibenbe-
schaffung im Ausland erleichtern soll.
Die Anhäufung eines großen Goldbestandes hat die Bankpolitik
Krankreichs und Rußlands in den letzten Jahrzehnten charakterisiert.
Die Bank von Krankreich, die vor 50 Jahren sich den Vorwurf der schlech
testen Notendeckung hatte gefallen lassen müssen — bei 813 Millionen
Kcs. Notenumlauf war ihr Metallbestand auf 169 Millionen gesunken
— hatte 1914 einen Goldvorrat von über vier Milliarden Kcs. Im
Notfall kann Krankreich freilich nicht auf Eingänge aus seinen auswär
tigen Anlagen durchaus rechnen, aber der Betrag von über 4 Milliarden
scheint auch einem Höchstmaß an Zahlungen dem Ausland gegenüber
zu hoch gegriffen zu sein. Stärkung des internationalen Nredits Frank
reichs war in normalen Zeiten nicht nötig, da ja Frankreich Gläubiger
des Auslandes ist, und im Nrieg achtet das unbeteiligte Ausland
mehr auf die militärische Lage als auf den Goldbestand der Bank.
Begründeter war der künstlich aufgebaute große Goldbestand der rus
sischen Staatsbank, da Rußland schwankende, im Nrieg versagende Aktiv
posten der Zahlungsbilanz, dagegen durch seine großen Schuldverpflich
tungen dauernde Passivposten besitzt.
Seit geraumer Zeit wird über gegenseitige hilfleistung der Noten
banken diskutiert. Sie kommt nur in Kriedenszeiten in Krage.
Man denkt dabei gewöhnlich an die oft erwähnten Hilfeleistungen der
Bank von Frankreich an die Bank von England, zuletzt in der Zeit der
Amerikakrise, viese Intervention war aber nicht infolge einer Notlage