Full text : Bankpolitik

3.  Das  Ligenkapital  der  Banken.

7

Die  Zurückhaltung  gegenüber  der  Heranziehung  neuen  Ligenkapitals ­
  hat  zu  drei  verschiedenen  Zeiten  und  von  verschiedenen  Gesichtspunkten ­
  aus  scharfe  Kritik  erfahren.
Zn  Frankreich  forderte  eine  starke  Partei  nach  der  Krise  von  1863
Erhöhung  des  Aktienkapitals  der  Bank  von  Frankreich,  um  dadurch
die  Mittel  zu  erweiterter  Diskontierung  zu  gewinnen-  die  Vertreter
der  Bank  erwiderten  darauf  mit  Recht,  daß  die  Grenze  für  die  wechfeldisk
  mtierung  durch  Besitz  von  Ligenkapital  nicht  weit  hinausgeschoben ­
  werden  könnte;  die  Erhöhung  mag  zuzüglich  des  Agio  30  bis
40  Millionen  Francs  betragen—Mehrdiskontierungen  innerhalb  dieser
Grenzen  würden  aber  bei  starker  Konjunktur  nicht  viel  nützen,  es  handle
sich  vor  allem  darum,  die  Möglichkeit  erhöhter  Notenemission  zu  schaffen.
Gleichfalls  nach  einer  Periode  sehr  teuren  Geldes  wurde  in  der
deutschen  Bankenquete  von  1909  die  Frage  der  Rapitalserhöhung
der  Notenbank  zur  Diskussion  gestellt,-  die  Befürworter  dieser  Maßnahme
gingen  von  zwei  verschiedenen  Argumenten  aus:  Die  einen  wollten
der  Reichsbonk  erhöhte  Mittel  für  jene  Geschäftszweige  geben,  die
nicht  Notendeckungsgrundlage  bilden.  Da  die  Reichsbank  nur  auf
Basis  von  Ivechselkrediten  Noten  ausgeben  darf,  sollte  das  Rapital
vergrößert  werden,  um  mehr  Raum  für  Lombarddarlehen  und  Landwirtschaftswechsel ­
  zu  schaffen,  welche  nach  der  Laufzeit  von  drei  Monaten ­
  prolongiert  werden  müssen;  aber  an  Mitteln  für  diese  Anlagen
(von  den  Prolongationswechseln  abgesehen,  die  in  das  Portefeuille  der
Notenbank  nicht  gehören)  hat  es  der  Reichsbank  nie  gefehlt,  das  Dspofitengeschäft
  liefert  sie  in  genügendem  Maß.  von  anderer  Seite  wurde
Rapitalerhöhung  zur  Stärkung  des  Goldbestandes  verlangt.  Aber  dieses
Ziel  läßt  sich  einfacher  und  billiger  als  durch  Rapitalerhöhung  durch
Heranziehung  von  Depositen  erreichen;  aus  dividendenberechtigtem
Aktienkapital  eine  zinslose  Goldreserve  zu  schaffen,  läßt  sich  nur  dann
rechtfertigen,  wenn  man  dieses  Ziel  in  keiner  andern  weise  erreichen
kann.
Zn  England  steuert  eine  unter  den  Bankpraktikern  der  dity  sehr
stark  vertretene  Partei  in  ähnliche  Richtung:  sie  verlangt,  daß  der
Staat  seine  Schuld  an  die  Lank  von  England  zurückzahlt,  damit  diese
mit  dem  freigewordenen  Aktienkapital  ihre  Goldreserve  stärken  könnte;
hier  handelt  es  sich  im  Gegensatz  zu  den  französischen  und  deutschen
Vorschlägen  um  eine  hohe  Summe,  rund  11  Millionen  Pfund:  aber
auch  da  ergibt  sich  die  Frage,  wer  den  sehr  beträchtlichen  Zinsausfall
tragen  solle,  und  da  sich  bisher  niemand  dazu  verstehen  wollte,  ist  die
Anregung  über  das  Diskussionsstadium  nicht  hinausgekommen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.