Full text : Bankpolitik

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II.  Der  Geldmarkt.

zu  Ende  1913  95  Millionen  PfundDepositenund  9  Millionen  Akzepte,  nach
Abzug  von  12  Millionen  Rasse  daher  92  Millionen  Pfund  demMarktzur
Verfügung  stehende  Mittel  gegen  97  der  Bank  von  England.  Die  Bedeutung ­
  der  Bank  liegt  aber  in  der  Möglichkeit  der  Notenemission  im
Rrisen-  und  Kriegsfall  und  sie  wird  umso  größer  je  stärker  die  Depositen
steigen  und  je  mehr  England  militärisch  bedroht  wird.  Die  Znterventionskraft
  der  Bank  von  England  im  nationalen  Verkehr  bei  Abhebung
von  Depositen  ist  unbeschränkt,  die  Leistungsfähigkeit  dem  Ausland
gegenüber  aber  begrenzt,  zumal  die  Diskonterhöhung  nicht  mehr  die
alte  Anziehungskraft  übt/  das  ist  aber  das  für  die  Beurteilung  der  Stärke
der  Bank  von  England  entscheidende  Moment,  da  die  Probleme  des
englischen  Geldmarkts  nicht  mehr  wie  ehedem  aus  der  englischen  Wirtschaft ­
  heraus,  sondern  aus  dem  internationalen  verkehr  erwachsen,
dessen  Anforderungen  sich  die  Marktverfassung  nicht  voll  angepaßt  hat.
Nach  altem  Herkommen  wird  in  der  Literatur  behauptet,  daß  der  englische ­
  Markt  durch  die  stark  durchgeführte  Arbeitsteilung  charakterisiert
wird.  Oer  Begriff  wird  aber  nicht  ganz  zutreffend  angewendet.  Oie
historische  Entwicklung  ging  nicht  etwa  in  der  weise  von  statten,  daß
die  Banken  zuerst  alle  Funktionen  vereinigten,  nachher  einige  davon
abstreiften  zugunsten  von  anderen  Mitgliedern  des  Geldmarktes/  die
Banken  behielten  vielmehr  die  alte  Form  und  überließen  neu  auftauchende ­
  Aufgaben  andern  Berufszweigen.  Dadurch  sind  innerlich
zusammenhängende  Transaktionen  getrennt  worden.  Der  englische
Geldmarkt  entspricht  noch  heute  dem  individualistischen  Ideal  des  Liberalismus: ­
  Oie  CEity  ist  der  einzige  Markt  mit  wirklich  lebendem  Geschäft,
mit  einer  Fülle  von  untereinander  konkurrierenden  Geldgebern.  Das
Eharakteristikum  des  Geldmarktkredits,  der  Mangel  des  Interesses  des
Gläubigers  am  Erfolg  des  Schuldners,  kommt  nirgendwo  so  deutlich
zum  Ausdruck  wie  in  London.  Aber  auch  kein  andrer  Markt  ist  so  schwer
zu  organisieren,  ein  Moment,  das  bei  den  großen  internationalen  Verpflichtungen ­
  Lombardstreets  besonders  in  diewagschale  fällt.  Die  Depositenbanken, ­
  auf  welche  in  letzter  Linie  die  Verantwortung  fällt,  stehen
weder  zur  Notenbank  noch  zur  Börse  und  bis  in  die  neueste  Jett  auch
nicht  zu  den  Hauptschuldnern,  dem  internationalen  Warenhandel,  in
direkter  Fühlung.  Aus  ihren  geschäftlichen  Beobachtungen  heraus  können
sie  heranziehende  Krisen  nicht  konstatieren/  es  ist  darum  keine  Gewähr
für  rechtzeitige  Warnung  an  Handel  und  Börse,  rechtzeitige  Zurückhaltung ­
  im  waren-  und  Effektenkauf  gegeben.  Noch  immer  ist  die
Sturmglocke  der  Notenbank  das  einzige  und  späte  Alarmsignal  in  Krisenzeit.
  Man  hat  nun  oft  versichert,  daß  der  brober  mit  seinem  liquiden
            
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