Full text : Bankpolitik

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II.  Der  Geldmarkt.

die  Möglichkeit,  die  Kreditgewährung  über  die  Grenze  der  Depositen
und  Irreditoren  hinaus  in  dem  Umfang  zu  erweitern  als  ihre  Akzepte
genommen  werden.  Die  Nachfrage  auf  dem  Geldmarkt  nach  Akzeptkredit ­
  steigt  daher  mit  der  industriellen  Konjunktur  an.
Die  größten  Akzeptnehmer  waren  lange  Zeit  hindurch  die  Seehandlung ­
  und  das  Bankhaus  Mendelssohn,-  die  Seehandlung  verwaltet ­
  die  Gelder  des  preußischen  Staates,-  sie  legt  die  ihr  aus  dieser
CZuelle  zufließenden  Mittel  ausschließlich  auf  dem  Geldmarkt  im  engeren
Sinne  an,  verkehrt  nur  mit  Banken  und  Bankiers.  Diese  Beschränkung
ist  ihr  verübelt  worden  und  besonders  Prion  hat  unter  Hinblick  auf  die
Effektenkredite  die  herbe  Krisis  ausgesprochen,  daß  „das  Beginnen  einer
Staatsbank  mit  Staatsmitteln  die  Börsespekulation  geringen  Zinsgewinns ­
  wegen  zu  unterstützen,  vom  volkswirtschaftlichen  Standpunkt
aus  mehr  als  merkwürdig  erscheine".  Der  Tadel  ist  nicht  ganz  gerecht,
denn  die  Seehandlung  ist  im  Verhältnis  zum  preußischen  Staat  nicht
eine  Bank,  sondern  Vermögensverwalterin.  Sie  muß  die  vom  Staat
benötigten  Beträge  an  dem  bestimmten  Tag  zur  Verfügung  haben  und
darf  sie  daher  nur  in  einer  Weise  anlegen,  die  die  Rückzahlung  z.  B.
am  26.  März  verbürgt.  Oie  unbedingte  Möglichkeit  der  Rückzahlung
bieten  aber  nur  die  Kredite  des  organisierten  Geldmarktes  -  zudem  kann
die  Seehandlung  als  zentralisiertes  Institut  direkte  Rreditgewährung
an  Industrie  und  Handel  nicht  vornehmen,  da  sie  die  Verhältnisse  der
einzelnen  Industrien  zu  prüfen  kaum  in  der  Lage  ist.  Dieses  Ziel  könnte
nur  bei  Uebsrtragung  der  preußischen  Staatsgelder  an  die  Reichsbank
erreicht  werden,  eine  Drganisationsänderung,  die  ungeachtet  ihrer
staatsrechtlichen  Schwierigkeiten  auch  der  Annäherung  von  Bank-  und
Privatsatz  dienen  würde.
Oie  gleichen  Argumente,  die  für  die  Anlage  der  Seehandlungsgelder
  auf  dem  Geldmarkt  entscheiden,  waren  für  das  Bankhaus  Mendelssohn ­
  bei  Verwaltung  der  russischen  Guthaben  maßgebend,  die  zur  Einlösung ­
  der  Kuponzinsen  in  Berlin  belassen  wurden.  Erst  in  den  letzten
Jahren  ist  neben  Seehandlung  und  Mendelssohn  die  Deutsche  Lank  als
Geldgeberin  von  gleicher  Kraft  hinzugetreten.  Die  große  Bedeutung  der
Staatsgelder  verwaltenden  Institute  für  den  Berliner  Geldmarkt  hat
zur  Verschärfung  der  Anspannung  an  den  (Quartalen  wesentlich  beigetragen,- ­
  da  die  Auszahlung  der  Beamtengehalte  in  Preußen  vierteljährlich ­
  erfolgt,  kann  die  Seehandlung  diese  und  sie  und  Mendelssohn
die  für  die  Kuponzahlungen  benötigten  Mittel  nur  bis  einige  Tage  vor
dem  chuartalschluß  verleihen.  —  Der  Privatsatz  in  Berlin  ist  regulär
von  der  Bankrate  weiter  entfernt  als  an  irgend  einem  andern  Geldmarkt.
            
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