Full text : Bankpolitik

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II.  Der  Geldmarkt.

öle  Reichsbank  sich  in  ihrer  Diskontpolitik  von  Zukunstserwägungen
bestimmen  läßt.
Rn  Öer  Gesamtsumme  der  in  Deutschland  verfügbaren  Bankmittel  gemessen ­
  erscheint  die  Ouote,  die  auf  dem  Berliner  Geldmarkt  im  engeren
Sinn  verliehen  wird,  relativ  gering.  Die  fremden  Gelder  der  deutschen
Aktienbanken  betrugen  am  31.  Oktober  1913  rund  8  Milliarden  Mark.
Da  aber  hievon  4%  Milliarden  in  Debitoren,  Effekten  und  Beteiligungen
angelegt  waren,  blieb  dem  Geldmarkt  nur  3^  Milliarden  zurück,  wozu
noch  die  Akzepte  mit  2  Milliarden  kamen,  von  denen  aber  rund  %  Milliarde ­
  auf  London  entfiel.  Es  standen  somit  dem  deutschen  Geldmarkts  Milliarden ­
  zur  Verfügung,  von  denen  sicherlich  mehr  als  die  Hälfte  fürwarenvorschüsse
  und  Diskontierung  von  Warenwechseln  verwendet  wurde.
Auch  bei  Einrechnung  der  Seehandlungs-  und  privatbankgeldsr  dürften
demnach  dem  organisierten  Berliner  Geldmarkt  kaum  mehr  als  drei
Milliarden  Mark  zur  Verfügung  stehen.  Die  Schwankungen  im  Kapitalangebot ­
  gehen  weit  mehr  auf  die  Seehandlung  und  ausländische  Staatsguthaben ­
  als  auf  die  Kreditbanken  zurück,  die  als  Geldgeber  mit  viel
größerer  Regelmäßigkeit  auftreten,  auch  in  Krisenzeiten  sich  mehr  durch
Kündigung  von  Effektenkcediten  als  durch  Zurückhaltung  auf  dem  Diskontenmarkt
  sich  die  nötigen  Mittel  zu  schaffen  suchen.  So  gingen  die
Reports  und  Lombards  der  acht  Berliner  Kreditbanken  in  der  Zeit  des
Balkankriegs  von  1044  auf  673  Millionen  Mark  zurück,  während  der
Gesamtbetrag  der  Bankakzepte  sich  kaum  verringerte.
Zm  Gegensatz  zurEitg  ist  der  Berliner  Geldmarkt  straff  organisiert
—  im  Gegensatz  auch  zum  deutschen  Geldmarkt  im  weiteren  Sinn.  Venn
auf  diesem  verursachen  die  allerdings  mit  dem  Schwerpunkt  ihrer  Wirksamkeit ­
  auf  dem  Kapitalmarkt  arbeitenden  Sparkassen,  die  bisher  eines
Zentralorgans  entbehren,  die  zahlreichen  Kreditgenossenschaften  verschiedener ­
  Sgsteme,  deren  Zentralorgane  nur  teilweise  genügend  durchgebildet ­
  sind  und  die  noch  immer  mannigfaltigen  Provinzbanken  und
Bankiers  eins  starke  Unübersichtlichkeit  und  Zersplitterung.  Auf  dem
Geldmarkt  im  engeren  Sinn  jedoch  tritt  nur  eine  beschränkte  Zahl  von
Kreditbanken  als  Akzeptenehmer  auf,  neben  ihnen  noch  zeitweise  Versicherungsgesellschaften ­
  und  Hypothekenbanken.  Die  großen  Kreditbanken ­
  stehen  im  Zentrum  des  Wirtschaftsverkehrs,  sie  sind  mit  Industrie
und  Handel  eng  verbunden,  beherrschen  die  Börse  und  haben  Sitz  im
Zentralausschuß  der  Reichsbank.  Sie  haben  die  Möglichkeit  durch  Beobachtung ­
  der  einzelnen  Industriezweige  ein  fundiertes  Urteil  über  die
Konjunkturentwicklung  zu  gewinnen,  und  sie  besitzen  den  Einfluß  Industrie ­
  und  Börse  rechtzeitig  zurückzuhalten.  Es  kommt  nur  darauf  an,
            
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